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“Zentrum für politische Schönheit”: Mehr PR-Stunt als aufklärerische Kunst

  • Das "Zentrum für politische Schönheit" macht mit zwei neuen Aktionen von sich reden.
  • Diesmal sind die Maßstäbe aber ziemlich verrutscht, kommentiert Christian Burmeister.
  • Auch wenn Kunst grundsätzlich alles darf - was zu platt daherkommt schadet mehr, als es nutzt.
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Berlin. Auf Provokation versteht sich das "Zentrum für politische Schönheit" (ZPS) wie kaum jemand anderes in diesem Land. Mit ihren jüngsten Aktionen schießt das Künstlerkollekiv aber deutlich über das Ziel hinaus. Sie schadet damit unterm Strich ihrem vermeintlichen Anliegen: dem Kampf gegen Rechts.

Im Mittelpunkt der jüngsten Aktionen des ZPS steht diesmal der "deutsche Konservatismus" und seine historischen Verfehlungen. Zuerst errichteten die Aktivisten eine Säule - angeblich mit Asche von Opfern des Holocaust - in der Nähe des Reichstags, wo der damalige Zentrums-Politiker Franz von Papen am 30. Januar 1933 Adolf Hitler und seine NSDAP mit an die Macht brachte. Am Dienstag verkündeten sie dann, das "Ehrengrab" - einen von der Kommune bezahlten Grabstein - von Papens gestohlen zu haben.

Ohne Frage war von Papen eine mehr als fragwürdige historische Figur. Ob er wirklich ein Ehrengrab verdient hat, darf man in Zweifel ziehen. Aber rechtfertigt das, die Begräbnisstätte eines Menschen zu fleddern? Von Papens letzte Ruhestätte war jedenfalls kein Wallfahrtsort. Er hat in diesem Land keine Fans mehr. Seine Grabplatte wurde bereits vor Wochen entwendet. Hätte das ZPS dies nicht selbst öffentlich gemacht, es wäre wohl bis heute niemandem aufgefallen.

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Kunst darf grundsätzlich alles - außer zu platt daherkommen

Kunst und Aktions-Kunst à la ZPS darf - von strafrechtlichen Grenzen abgesehen-, ähnlich wie Satire, grundsätzlich alles. Und sie muss auch nicht jedem gefallen. Aber wirklich spannend ist sie nur, wenn sie subtil und intelligent daherkommt. Die jüngsten Aktionen des ZPS erscheinen aber eher wie pietätlose, platte und am Ende kontraproduktive PR-Stunts. So sind jüdische Organisationen im Vorfeld offenbar nicht gefragt worden, ob sie es okay finden, dass die Überreste der Ermordeten quer durch Europa transportiert werden. Ähnlich wie in allen Religionen spielt die Totenruhe auch im jüdischen Glauben eine große Rolle.

Endgültig bizarr wird es, wenn neben der „Säule gegen den Verrat der Demokratie“ mit der Asche die Namen aller aktuellen Abgeordneten von CDU und CSU aufgelistet werden. „Die Konservativen“, streckten "schon wieder" ihre Hand nach den Faschisten aus, erklärten die selbst ernannten Widerstandskämpfer dazu. Wirklich, ist das so? Die AfD behauptet - in diesem Fall mit einigem Recht - das glatte Gegenteil. Sie fühlt sich gerade von der Union ausgegrenzt. Und finden sich mal vereinzelte Unions-Politiker wie jüngst in Thüringen, die laut über ein Bündnis mit der AfD nachdenken, werden sie von der gesamten Partei-Prominenz umgehend öffentlich zurechtgestutzt. An den Unionsparteien lässt sich wirklich viel Kritikwürdiges finden. Aber zu suggerieren, Konservative seien quasi automatisch Steigbügelhalter von Faschisten ist falsch und gefährlich.

Zu dem fraglichen inhaltlichen Vorwurf, der einer Sippenhaft gleichkommt, gesellt sich noch ein fragwürdiges Geschichtsverständnis. Denn Deutschland 2019 ist nicht Weimar 1933. Und die AfD ist nicht die NSDAP Adolf Hitlers. Wer das nahelegt, verharmlost damit die historischen Nationalsozialisten und begibt sich in eine Pose der moralischen Überlegenheit, die in Wahrheit doch nur Denkfaulheit ist.