Nicht alles war schlecht: Zehn hoffnungsvolle Entwicklungen aus 2020

  • Das Jahr 2020 war weltweit von der Corona-Pandemie überschattet.
  • Doch es gab in den vergangenen zwölf Monaten nicht nur schlechte Entwicklungen.
  • Zehn Stimmungsaufheller aus Politik und Gesellschaft, für einen versöhnlichen Jahresausklang.
|
Anzeige
Anzeige

Das Impfstoffwunder

Berlin. Die Welt hat mit den Impfungen gegen Covid-19 begonnen, sie ist dem Virus nicht mehr völlig schutzlos ausgeliefert. Damit war zu Beginn der Pandemie nicht zwingend zu rechnen. In der Vergangenheit, während der Pest oder Choleraepidemien, konnten die Menschen von Ähnlichem nur träumen. Weltweit hatten mehr als 160 Forschungseinrichtungen nach Vakzinen und Medikamenten gesucht oder tun dies noch immer. Politik und Verwaltung zeigten sich trotz einiger Versäumnisse bei der Zulassung flexibel. Eine einmalige Kraftanstrengung, die wegweisend für künftige Herausforderungen der Menschheit sein könnte.

Frauenpower in der Politik

Anzeige

2020 war für Frauen in der Politik eindeutig ein gutes Jahr. Mit Kamela Harris ist erstmals eine Frau, eine Schwarze und eine asiatisch-amerikanische Person zur Vizepräsidentin der USA gewählt worden. „Ich mag zwar die erste Frau in diesem Amt sein, aber ich werde nicht die letzte sein“, hatte Harris in ihrer Siegesrede erklärt. „Jedes kleine Mädchen, das heute Abend zuschaut, sieht, dass das ein Land der Möglichkeiten ist.“ Aber auch jenseits von Harris wussten Frauen im Jahr 2020 in der Politik durchaus zu überzeugen. Besonders augenfällig wurde dies in der Pandemie: Länder, die von Frauen regiert werden, kamen zunächst durchschnittlich mit weniger Infektions- und Todesfällen durch die Corona-Krise als andere. Zu diesen Ländern zählte neben Deutschland beispielsweise Neuseeland, Taiwan oder Estland.

Die gewählte US-Vizepräsidentin Kamala Harris hat sich bereits gegen das Coronavirus impfen lassen. Genau so wir ihr Chef Joe Biden, der gewählte US-Präsident. © Quelle: imago images/UPI Photo

Die grüne Energiewelle rollt heran

Neben der Corona-Krise bleibt wohl die Klimaerwärmung das drängendste Problem der Welt. Noch immer werden zu viele fossile Brennstoffe verbrannt. Aber es gibt durchaus Hoffnung. Laut einem Bericht der International Energy Agency (IEA) wurden Ende 2020 erneuerbare Energien weltweit so stark eingesetzt wie nie zuvor. Aktuell nutzen laut der Experten 90 Prozent aller Elektrizitätsanlagen erneuerbare Energiequellen wie Sonnen- und Windenergie. Die grüne Energie ist nach Ansicht der IEA auf dem Weg, die Kohle im Jahr 2025 als größte Energiequelle für die Weltbevölkerung abzulösen. Das Versprechen des neuen US-Präsidenten Joe Biden, dem Pariser Klimaabkommen wieder beizutreten, könnte den Trend sogar noch beschleunigen.

Anzeige

Sogar der Papst befürwortet die gleichgeschlechtliche Ehe

In Deutschland ist die gleichgeschlechtliche Ehe seit 2017 erlaubt. Inzwischen beschreiten immer mehr Länder diesen Weg der Liberalisierung. In Nordirland fand im Februar 2020 die erste homosexuelle Hochzeit statt. Costa Rica legalisierte als erstes mittelamerikanisches Land dieses Lebensmodell. Es folgten Thailand und Kroatien. Sogar die katholische Kirche beschreitet in Person von Papst Franziskus diesen Weg: „Homosexuelle haben das Recht auf Familie. Sie sind Kinder Gottes. Niemand darf ausgegrenzt oder unglücklich gemacht werden. Wir müssen ein Gesetz über Lebenspartnerschaften schaffen“, sagte das Kirchenoberhaupt in einer Dokumentation.

Anzeige
Papst Franziskus. © Quelle: Vincenzo Pinto/AFP POOL/AP/dpa

Die populistischen Clowns verlieren an Einfluss

Jahrelang schien es, als sei der Aufstieg lügender Rechtspopulisten weltweit nicht aufzuhalten. Dieser Trend ist 2020 gebrochen worden. Mit der Wahlniederlage von Donald Trump bei den US-Wahlen ist der Bewegung ihr wichtigster Leitstern abhandengekommen. Viele Wähler auch in den USA haben inzwischen verstanden, dass Politiker dieses Schlags zwar schöne Versprechen machen, als Regierende aber nur wenig zustande bringen. Dies könnte im kommenden Jahr auch der britische Premier Boris Johnson zu spüren bekommen, wenn die Briten begreifen, was der Brexit tatsächlich für Folgen hat. Johnsons Umfragewerte kannten in der zweiten Jahreshälfte fast nur noch eine Richtung: abwärts. Auch die AfD dümpelt bei Umfragen momentan bei etwa 7 Prozent. Bei der letzten Bundestagswahl waren es noch fast 13 Prozent.

Deutschland kann doch noch Großprojekte: Der BER ist fertig

Die Fertigstellung des Hauptstadtflughafens BER ist nach 14 Jahren Bauzeit und 6 Milliarden Euro Kosten sicher kein Ruhmesblatt. Und ob das Prestigeprojekt jemals so ausgelastet sein wird wie ursprünglich geplant, ist in Corona-Zeiten auch fraglich. Trotzdem war die Eröffnung grundsätzlich eine gute Nachricht. Denn zwischenzeitlich stand ernsthaft die Frage im Raum, ob dieses Land noch Projekte dieser Komplexität und Größenordnung verwirklichen kann. 2020 hat gezeigt: Es kann – wenn auch zu hohen politischen und finanziellen Kosten.

Taxis vor dem Flughafen Berlin Brandenburg „Willy Brandt“ (BER) am Terminal eins. © Quelle: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/dp
Anzeige

Krisen überall: Die EU ist stabil geblieben

An internen Problemen mangelt es der Europäischen Union wahrlich nicht. In Osteuropa steht der Rechtsstaat vielerorts unter Druck, und die Schuldenberge wachsen weiter. Trotzdem hat sich die EU im Krisenjahr 2020 insgesamt als erstaunlich stabil erwiesen: Viele Beobachter hatten nach dem offiziellen Austritt Großbritanniens damit gerechnet, dass weitere Länder folgen könnten. London hat in Kontinentaleuropa nach Verbündeten gesucht – aber die Reihen blieben fest geschlossen. Und auch bei der Beschaffung des Corona-Impfstoffs handelte die EU letztlich gemeinschaftlich. Zu Beginn der Pandemie blitzten beim Thema Medizinprodukte kurz nationale Egoismen auf – die Entwicklung hätte also auch anders verlaufen können.

Rechtsterrorismus – die Politik scheint endlich aufgewacht

Rechter Terror war 2020 weiterhin ein großes Problem, wie nicht zuletzt der Anschlag von Hanau (Hessen) im Februar mit neun Toten gezeigt hat. Aber: Die Politik hat sich endlich darangemacht, die Strukturen im Hintergrund ernsthaft zu bekämpfen. So gab es bundesweit mehrere Großrazzien, und das Bundesinnenministerium hat zahlreiche Organisationen wie die Sturmbrigade 44, Nordadler oder verschiedene Reichsbürger-Gruppen verboten. Und auch rechtsextreme Umtriebe in der Polizei werden vielerorts ernster genommen als früher. Exemplarisch steht dafür NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU), der nach dem wiederholten Auffliegen rechtsextremistischer Gruppierungen in der Polizei sagte: „Ich habe lange gehofft, dass es sich bei solchen Vorfällen um Einzelfälle handelt. Aber ich kann heute nicht mehr von Einzelfällen sprechen.“

Soziale Vorbilder – es gab sie auch 2020 noch

In vielen Gesellschaften klafft eine immer größere Lücke zwischen Arm und Reich. Nicht viele Reiche kümmert das. Die wohl bemerkenswerteste Ausnahme 2020: der Manchester-United-Star Marcus Rashford. Der Fußballprofi übte erfolgreich Druck auf die Regierung in London aus, bis diese versprach, 400 Millionen Pfund für kostenloses Schulessen für Kinder aus Familien in finanziellen Schwierigkeiten zur Verfügung zu stellen. Rashford führte ohne Angst vor Attacken die Kampagne für Gratisschulessen an. In der Folge lieferten Hunderte Freiwillige während der Schulferien Essenspakete an Familien in Not. Ein beispielhaftes Verhalten.

Ein neues Bündnis für das Meer

Das Thema ist nicht besonders präsent in den Medien – aber extrem wichtig: Die Überfischung und Vermüllung der Weltmeere. 2020 schlossen sich insgesamt 14 Staaten – darunter Norwegen, Japan, Australien, Kanada und Indonesien – zu einem Bündnis zusammen, das sich die nachhaltige Bewirtschaftung der Weltmeere auf die Fahnen geschrieben hat. Die Mitglieder der Initiative High Level Panel for a Sustainable Ocean Economy haben sich verpflichtet, die illegale Fischerei stärker zu bekämpfen, den Beifang und die Verschmutzung der Meere zu reduzieren und Subventionen zu streichen, die zur Überfischung beitragen. Die Initiative hat auch einen wirtschaftlichen Hintergrund: Studien zeigen, dass nachhaltige Fischerei mittelfristig sechsmal höhere Erträge und zwölf Millionen zusätzliche Jobs bringen würde.




  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen