Zahl der Asylanträge in der EU um ein Drittel zurückgegangen

  • Um rund ein Drittel sind die Zahlen der Asylbewerber in der Europäischen Union 2020 zurückgegangen.
  • Als Grund macht die EU-Statistikbehörde Eurostat vor allem die Corona-Krise aus.
  • Deutschland blieb 2020 in Europa wichtigstes Zielland von Asylbewerbern.
Anzeige
Anzeige

Essen, Berlin. Die Zahlen der Asylbewerber in Deutschland sowie in der Europäischen Union sind in diesem Jahr um etwa ein Drittel gesunken. In Deutschland wurden von Januar bis Ende November 93.710 Erstanträge auf Asyl registriert, wie aus Daten der EU-Statistikbehörde Eurostat hervorgeht.

Im ganzen Jahr 2019 waren es noch 142.450 gewesen, im Jahr davor 161.885. Für alle 27 EU-Staaten zusammen ergibt sich aus der Statistik ein ähnlicher Rückgang: Bis Ende November gibt die EU-Statistikbehörde 370.745 Anträge an, im Vorjahr waren es 675.535. Über die Auswertung hatten zuerst die Zeitungen der Funke Mediengruppe (Freitag) berichtet.

Die Bundesrepublik bleibe auch 2020 das wichtigste Zielland von Asylbewerbern in Europa mit rund 24 Prozent aller Erstanträge in den ersten neun Monaten, berichteten die Funke-Zeitungen. Dahinter rangierten Spanien mit fast 23 Prozent (70.655) der Anträge und Frankreich mit 19 Prozent (58.468). Auf die drei EU-Staaten Deutschland, Frankreich und Spanien entfielen zusammen zwei Drittel aller Erstanträge auf Asyl in den 27 EU-Staaten. Die wenigsten Asylbewerber in der EU meldete Ungarn mit lediglich 70 Erstanträgen von Januar bis Ende September.

Anzeige

Grund für den Rückgang der Asylbewerber-Zahlen sei offenkundig die Corona-Krise, hieß es. Vor dem Lockdown im März war noch ein Anstieg festgestellt worden. Mit dem Lockdown brachen die Zahlen dramatisch ein.

Anzeige

Asylverfahren in Ankerzentren dauern überdurchschnittlich lang

Die Dauer der Asylverfahren in sogenannten Ankerzentren ist indes offenbar nicht kürzer als die anderer Verfahren. Zwischen Antragstellung und Entscheidung der Behörde in einem Ankerzentrum zwischen Januar und November 2020 lagen durchschnittlich 8,5 Monate, wie aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Frage der Linken-Abgeordneten Ulla Jelpke hervorgeht, über die die Zeitungen der Funke Mediengruppe (Freitag) berichteten. Im Schnitt aller Asylverfahren in diesem Zeitraum lag die Verfahrensdauer nur bei 8,3 Monaten. Die sogenannten Ankerzentren vereinen mehrere für Asylverfahren relevante Behörden an einem Ort und sollen so die Verfahren beschleunigen.

Anzeige

Insgesamt ist die durchschnittliche Dauer von Asylverfahren 2020 gestiegen. 2019 lag sie laut dem Bericht noch bei 6,1 Monaten. Das Innenministerium habe das in erster Linie mit der Corona-Pandemie begründet, hieß es. So sei zwischenzeitlich die Zustellung von ablehnenden Bescheiden fast gänzlich eingestellt worden, weil während der Pandemie die Möglichkeiten der Antragstellenden begrenzt gewesen seien, gegen die Entscheidung vorzugehen. Zum anderen seien 2020 viele Altfälle abgeschlossen worden, die den Schnitt der Verfahrensdauer nach oben getrieben hätten.

Die innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, Ulla Jelpke, bezeichnete die überdurchschnittlich hohe Verfahrensdauer in den Ankerzentren als eine “desaströse Bilanz” für Innenminister Horst Seehofer (CSU). “Angeblich sollten Asylverfahren in sogenannten Anker-Zentren erheblich schneller sein. Doch das Gegenteil ist richtig, wie sich jetzt zeigt”, sagte sie den Zeitungen. Die wahre Funktion der Lager sei Abschreckung, kritisierte sie: “Asylsuchende werden auf engstem Raum zusammengepfercht, sie sollen von unabhängigen Beratungsstrukturen und der unterstützenden Zivilgesellschaft abgeschnitten werden.”

RND/epd

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen