Neue Studie: Wie hält’s Deutschland mit den Religionen?

  • Für die meisten Deutschen spielt die Religion kaum eine Rolle.
  • Dass die Weltreligionen für eine gerechtere Welt sorgen sollen, meinen nur 12 Prozent der Befragten in einer neuen Umfrage.
  • Die Generationen haben da allerdings durchaus unterschiedliche Auffassungen.
Jorid Behn
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Berlin. Vier von fünf Deutschen halten die Welt für nicht gerecht. Dass die Weltreligionen einen Beitrag dazu leisten, dass die Welt gerechter wird, glauben lediglich 12 Prozent der Deutschen. Dabei stehen die älteren Menschen den Religionen noch kritischer gegenüber als die jüngeren.

Das ergab die repräsentative Studie „Glaube – Nachhaltigkeit – Gerechtigkeit“ des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Stiftung Friedensdialog. Die Stiftung setzt sich für das friedliche Zusammenleben und das gegenseitige Verständnis unterschiedlicher Religionen in Deutschland und Europa ein.

Forscher von YouGov befragten 2074 Deutsche ab 18 Jahren über ihre Einstellungen zu Themen wie Nachhaltigkeit und globaler Gerechtigkeit. Anlass der Studie ist eine Weltkonferenz der Religionsvertreter Anfang Oktober in Baden-Württemberg, bei der sich die Vertreter der Weltreligionen zum Thema Friedensarbeit austauschen. „Die Welt von morgen lässt sich nur gemeinsam mit denjenigen Menschen erschaffen, die darin leben werden. Deshalb stellt die diesjährige Konferenz den Dialog der Generationen in den Mittelpunkt“, sagt Professor Wolfgang Schürer, Vorstand der Stiftung Friedensdialog.

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Nachhaltigkeit: Die jüngere Generation sieht Konfliktpotenzial

Die Generationen scheinen unterschiedliche Auffassungen von einer gerechten Welt und vor allem vom Thema Nachhaltigkeit zu haben. So sehen vor allem die 18- bis 29-Jährigen beim Thema Nachhaltigkeit Konfliktpotenzial. Bei den über 55-Jährigen hingegen meint etwa jeder Dritte, dass prinzipiell die gleichen Interessen bestehen, die Generationen aber besser zusammenarbeiten müssten.

Auch schätzen die Generationen unterschiedlich stark ein, ob die Welt gerecht ist oder nicht. Das Gefühl, die Welt sei ungerecht, nimmt im Alter zu. Ab 55 Jahren halten 88 Prozent der Befragten die Welt für nicht gerecht. Bei den Befragten der 18- bis 29-Jährigen sind es nur 74 Prozent.

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Auch geografische Unterschiede scheint es hier zu geben. Die Norddeutschen (Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen und Niedersachsen) sind am kritischsten. 85 Prozent von ihnen halten die Welt für nicht gerecht. Die Ostdeutschen (Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Sachsen) sind etwas positiver eingestellt (77 Prozent).

Um die Welt gerechter zu machen, ist für 40 Prozent der Befragten das Thema Umwelt- und Klimaschutz wichtig. Für dieses Ziel sehen 35 Prozent einen Zugang zu Energie und Wasser und 31 Prozent die Vermeidung von Armut als wichtig an. Für die Ostdeutschen ist das Thema Bildung ebenso entscheidend.

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Aktuell ist in Bezug auf die globale Gerechtigkeit auch die Verfügbarkeit von Corona-Impfstoffen in wirtschaftlich schwächeren Ländern für die Mehrheit der Befragten wichtig (57 Prozent). Allerdings ist es der Umfrage zufolge eher keine Aufgabe der Religionen, Impfskeptiker zu überzeugen, sich impfen zu lassen. Unter den Befragten ab 55 Jahren allerdings meint jeder Zweite, dass Religionen stärkere Überzeugungsarbeit leisten sollten.

Religionen sind keine politischen Akteure

Im Großen und Ganzen haben die Weltreligionen nach Ansicht der Befragten nicht die Aufgabe, für eine gerechtere Welt zu sorgen. Diese Aufgabe schreiben sie eher den NGOs, der EU und den Vereinten Nationen zu. Nur 27 Prozent meinen, dass die Religionen ein politischer oder gesellschaftlicher Akteur sind.

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Dieser Ansicht sind vor allem die Jüngeren. Für die über 55-Jährigen treffen eher sinngebende Funktionen zu wie Seelsorge (77 Prozent), Orientierung und Halt (40 Prozent) sowie Solidarität (38 Prozent). Die Mehrheit der Befragten (65 Prozent) ist überzeugt, dass die Weltreligionen besser zusammenarbeiten sollten.

Die Religion spielt für viele Deutsche kaum eine Rolle. Vor allem in Ostdeutschland bezeichnen sich 56 Prozent der Befragten als überhaupt nicht gläubig und 21 Prozent als gläubig. Im Süden (Bayern und Baden-Württemberg) hingegen sind 35 Prozent der Befragten gläubig, im Westen (Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland) 32 Prozent.

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