Yes, we Cannabis?

  • Andere Länder haben den Cannabismarkt schon liberalisiert.
  • In Deutschland tritt die Diskussion auf der Stelle.
  • Das könnte sich bald ändern.
|
Anzeige
Anzeige

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

kennen Sie Daniela Ludwig? Sie hat in Berlin nicht unbedingt den prominentesten Job – aber einen der undankbarsten. Die CSU-Politikerin ist nämlich „Drogenbeauftragte“ der Bundesregierung.

Die CSU besetzt diesen Posten schon seit einigen Jahren. Für die betroffenen Amtsinhaberinnen ist das nicht lustig. Denn einerseits müssen sie den CSU-Markenkern verteidigen – „alle Drogen außer Zigaretten und Alkohol sind böse“. Andererseits hören sie viele Argumente von Fachleuten, die für einen anderen, liberaleren Umgang vor allem mit Cannabis werben – um Konsumentinnen und Konsumenten besser zu schützen, den Schwarzmarkt zu zerschlagen und Polizei sowie Justiz zu entlasten.

Anzeige
Daniela Ludwig (CSU), Drogenbeauftragte der Bundesregierung. © Quelle: Carsten Koall/dpa

Was dieser Zwiespalt genau bedeutet, lässt sich Antwort für Antwort in dem Interview nachlesen, das Tim Szent-Yvanyi mit Ludwig geführt hat. Darin erteilt die Bundesdrogen­beauftragte einer generellen Freigabe von Cannabis eine Absage. Gleichzeitig regt sie an, dass größere Mengen in den Händen der Konsumentinnen und Konsumenten toleriert werden könnten. „15 Gramm sind zu viel – sechs Gramm sind vertretbar“, sagt sie. Würde also bedeuten, dass bis zu dieser Grenze keine Straftat vorliegen würde, sondern höchstens eine Ordnungs­widrigkeit.

Der Tag Was heute wichtig ist. Lesen Sie den RND-Newsletter "Der Tag".

Offen ist Ludwig auch für die Form des Drug-Checkings. Das bedeutet, dass Konsumentinnen und Konsumenten ihre Drogen prüfen lassen können, etwa auf eine zu hohe Konzentration und gefährliche Beimischungen. Die Drogenbeauftragte gibt aber gleich zu bedenken, dass das in der Union nicht alle so sehen.

Anzeige

Der schnell geäußerte Vorwurf lautet, solche Angebote machten den Konsum erst richtig attraktiv. Fachleute sehen darin vor allem die Chance, Kontakt zu den Abhängigen zu bekommen und wertvolle Informationen über die Drogen zu sammeln, die im Umlauf sind.

Das Drogenthema mag für viele weit weg sein, es könnte aber durchaus eine Rolle spielen, wenn die Union nach dem Wahltag am Koalitions­verhandlungs­tisch sitzen sollte. Denn alle potenziellen Partner haben klare Aussagen in ihren Programmen stehen: Sie wollen Cannabis auf die ein oder andere Weise legalisieren.

Anzeige

Aus Sicht von Ludwig gäbe es dann zwei Optionen:

  • Das Thema in den Verhandlungen ignorieren.
  • Die schwierige Suche nach einem Kompromiss starten.

Lassen Sie uns hoffen, dass es zu Option zwei kommt. Und vielleicht darf dann auch eine andere Partei den Posten der/des Drogenbeauftragten besetzen.

Zitat des Tages

Ich kann Ihnen ganz genau sagen, es ist ein wunderbares Gefühl, Menschen gerettet zu haben, aus der Hölle herausgeholt zu haben.

Ein Hauptfeldwebel der Bundeswehr nach einem Rettungsflug aus Afghanistan

Leseempfehlungen

Anzeige

Gegenwehr gegen die Taliban? Nur Tage nach der Macht­übernahme in Kabul zeigt sich der erste Widerstand gegen die Taliban. Doch die Chancen auf einen echten Erfolg der Bewegung sind im Moment nur schwer abzusehen, berichtet Korrespondentin Agnes Tandler.

Zombies auf Abschiedstour: Die beiden Auftaktepisoden zur letzten Staffel von „The Walking Dead“ lassen noch Luft nach oben, findet Rezensent Matthias Halbig. Zwei Gruppen, zwei Handlungsstränge – einer davon verspricht viel, hält aber zunächst nur wenig. Die meiste Spannung entsteht durch das Gegeneinander des geläuterten Superschurken Negan und seines ehemaligen Opfers Maggie.

Aus unserem Netzwerk: Keine Urlauber mehr im Wohngebiet?

Die Stadt Travemünde plant ein Verbot von Touristen­unterkünften in Wohnsiedlungen. Damit will die Politik dagegen vorgehen, dass Wohnraum knapper und teurer wird, die Zahl der Ferien­wohnungen aber steigt. Stattdessen sollen Reisende an der Ostsee oder der Trave unterkommen, berichten die „Lübecker Nachrichten“.

Termine des Tages

Heute vor 75 Jahren wurden die Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein gegründet.

Anzeige

Die politische Talkshow „Hart aber fair“ mit Frank Plasberg kommt aus der Sommerpause zurück.

Wer heute wichtig wird

Die Lokführer­gewerkschaft GDL hat ihre Mitglieder wieder zum Streik bei der Deutschen Bahn aufgerufen. Ab heute wird davon auch der Personenverkehr betroffen sein. © Quelle: Wolfgang Kumm/dpa

Der Podcast des Tages: Die Schulstunde

Macht Fußball schlau, Thomas Hitzlsperger? Die Schulstunde ist diesmal eine Sportstunde. Mit dem früheren Nationalspieler Thomas Hitzlsperger spricht RND-Korrespondent Tobias Peter darüber, ob der moderne Fußball auch intellektuelle Nahrung bietet und wie wichtig Schule für angehende Profifußballer ist. Der Vorstandsvorsitzende des VfB Stuttgart erklärt im Podcast zudem, welchen Beitrag Fußball im Kampf gegen Homophobie leisten kann.

„Der Tag“ als Podcast

Die News zum Hören

Wir wünschen Ihnen einen guten Start in die Woche,

Ihr Christian Palm

Abonnieren Sie auch:

Crime Time: Welche Filme und Serien dürfen Krimifans nicht verpassen? Mit unserem Newsletter sind Sie up to date. Alle zwei Wochen neu.

Hauptstadt-Radar: Der RND-Newsletter aus dem Regierungsviertel mit dem 360-Grad-Blick auf die Politik im Superwahljahr. Immer dienstags, donnerstags und samstags.

What’s up, America? Der wöchentliche USA-Newsletter liefert Hintergründe zu den Entwicklungen in Politik, Gesellschaft und Kultur – immer dienstags.

Die Pandemie und wir: Die wichtigsten Nachrichten der Woche, Erkenntnisse der Wissenschaft und Tipps für das Leben in der Krise – jeden Donnerstag.

Das Stream-Team: Die besten Serien- und Filmtipps für Netflix und Co. – jeden Monat neu.

Mit RND.de, dem mobilen Nachrichten­angebot des Redaktions­Netzwerks Deutschland, dem mehr als 60 regionale Medienhäuser als Partner angehören, halten wir Sie immer auf dem neuesten Stand, geben Orientierung und ordnen komplexe Sachverhalte ein – mit einem Korrespondenten­netzwerk in Deutschland und der Welt sowie Digitalexpertinnen und ‑experten aller Bereiche.

Falls Sie Anregungen oder Kritik haben, melden Sie sich gern direkt bei unserem Chefredakteur Marco Fenske: marco.fenske@rnd.de.

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen