WWF warnt vor Katastrophen durch Dürreperioden

  • Die Umweltstiftung WWF warnt vor politischen Konflikten, Nahrungsmittelknappheit und Engpässen bei der Energieversorgung durch Wasserknappheit.
  • Dürren werden durch den Klimawandel immer häufiger und wahrscheinlicher.
  • WWF fordert die Politiker zum schnellen Handeln auf.
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Berlin. Die Umweltstiftung WWF warnt in ihrem Dürre-Report erneut vor einer Wasserkrise und fordert eine bessere Wasserpolitik. „Dürren zerstören wichtige Ökosysteme und gefährden die Ernährungssicherheit. Sie befeuern soziale Unruhen und soziale Konflikte“, betonte WWF-Süßwasserexperte Philipp Wagnitz am Donnerstag in Berlin.

Durch die vom Klimawandel bedingte Erderwärmung würden Wetterextreme wie Dürren immer wahrscheinlicher, sagte der Experte. Dadurch werde der Anbau von Kartoffeln, Reis, Weizen und Mais bedroht. Bereits heute werden diese Grundnahrungsmittel zu 22 Prozent in Gebieten mit sehr hohem Dürrerisiko angebaut. „Dürren bedrohen die Lebensgrundlage von Millionen von Landwirten weltweit und zunehmend auch in Deutschland“, sagte Wagnitz.

Der WWF ermittelte für seinen Report das Dürrerisiko anhand verschiedener Indikatoren, wie etwa aktuellem Wassermangel und der Wahrscheinlichkeit von Dürren und Wassernutzung.

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Dürren bedrohen die Energieversorgung

Doch auch die Energieversorgung könnte mit vermehrten Dürren ein Problem werden, warnt der WWF. Fast die Hälfte der weltweiten Wärmekraft - hauptsächlich Kohle, Erdgas und Atomkraft - werde in Gebieten mit hohem Dürrerisiko produziert. Kraftwerke brauchen Wasser unter anderem zur Kühlung. „Ist der Wasserstand zu niedrig oder das Kühlwasser zu warm, kann es passieren, dass Kraftwerke ihre Leistung reduzieren oder abgestellt werden“, sagte WWF-Mitarbeiterin Juliane Vatter.

43 Prozent der gesamten Süßwasserentnahme in Europa wird für die Kühlung von thermischen Kraftwerken genutzt. In Deutschland seien vor allem Kraftwerke in Brandenburg von einem hohen Dürrerisiko betroffen. Als Beispiele nannte der WWF die Kohlekraftwerke Jänschwalde, Boxberg, Schwarze Pumpe und das Heizkraftwerk Cottbus sowie das Wasserkraftwerk Altheim und das Gaswerk Kirchmöser. „Weltweit ist der Bau neuer Kohle-, Gas- und Atomkraftwerke angesichts der Dürrekrise aberwitzig“, betonte Wagnitz.

Auch Wasserkraft ist in Zeiten niedriger Wasserstände und wegen der vielfältigen Umweltauswirkungen keine grüne Alternative. Wind- und Solarenergie sind bereits heute wirtschaftlich auf dem gleichen Ertragsniveau und müssen Vorfahrt haben“, fordert der Wasserexperte.

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Knappe Wasserressourcen können Politische Krisen auslösen

Auch die Wahrscheinlichkeit von regionalen Konflikten um knappe Wasserressourcen steige mit dem Dürrerisiko. In politisch instabilen Ländern wie Syrien, Libanon und Palästina verstärkten Dürren bereits jetzt bestehende Krisen. In Europa habe die Türkei, insbesondere in der Grenzregion zu Griechenland und Bulgarien, ein hohes Risiko für wasserbasierte Konflikte und Krisen, warnt der WWF.

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Nicht nur Südeuropa ist betroffen

Unter den südeuropäischen Städten seien derzeit unter anderem Madrid und Lissabon einem hohen Dürrerisiko ausgesetzt. „Andere Städte wie Rom, Neapel, Athen und München könnten in wenigen Jahren beim Dürrerisiko nachziehen“, so Wagnitz. Selbst in nordeuropäischen Staaten würden sich heute Engpässe in der Süßwasserzufuhr abzeichnen.

Grund dafür sei einerseits der Klimawandel. Darüber hinaus würden die Europäer ihre Wasserquellen, etwa durch die Landwirtschaft, überstrapazieren und den Wasserkreislauf durch unnatürliche Eingriffe stören. Denn auf der Nordhalbkugel der Erde erwarten Forscher in Metropolen künftig Klimabedingungen, wie sie heute mehr als tausend Kilometer weiter südlich bestehen.

WWF fordert Politiker zum Handeln auf

Bereits im Juli hatte der WWF die Europäische Union zu einem nachhaltigeren Umgang mit Süßwasser aufgerufen. Die Mitgliedsstaaten müssten handeln, solange man die natürlichen Wasservorkommen noch retten könne. „Die Staatengemeinschaft muss ihre Klimabeiträge deutlich erhöhen, um die Erderhitzung auf 1,5 Grad zu begrenzen - sonst setzt sich die fatale Dürrespirale weltweit fort“, sagte Wagnitz am Donnerstag. Für wasserintensive Wirtschaftszweige wie Landwirtschaft, Bergbau oder Energie müsse der nachhaltige Umgang mit Süßwasserressourcen in Risikogebieten verpflichtend sein.

Der WWF forder weiterhin, dass „die EU ihre Treibhausgasemissionen bis 2030 möglichst um 65 Prozent gegenüber 1990 verringern" und die Ziele des Pariser Abkommens "mit wirkungsvollen Maßnahmen unterlegen". Deutschland müsse noch in diesem Jahr ein Klimaschutzgesetzespaket ausarbeiten, um das 40-Prozent-Reduktionsziel, das für 2020 angedacht ist, "zumindest mit minimaler Verspätung zu erreichen“, sagte der Experte.

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RND/dpa

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