Wolfsgesetze an der globalen Impffront

  • Reiche Nationen sichern sich schamlos und unter Aufbietung ihrer enormen finanziellen Ressourcen den Großteil der globalen Impfvorräte.
  • Und Deutschland diskutiert lediglich über den zu langsamen Start.
  • Entwicklungsländer sind die Opfer dieses „Impfegoismus“, kommentiert Harald Stutte.
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Homohomini lupus – „der Mensch ist dem Menschen ein Wolf“ stellte der Philosoph Thomas Hobbes in der Mitte des 17. Jahrhunderts resigniert fest. Was folgte, waren über 400 Jahre Aufklärung, Bürgerrechte, Dekolonialisierung und damit die stille Hoffnung, dem Menschen das Wölfische zumindest überwiegend ausgetrieben zu haben. Bis uns Corona auch diese Illusion nahm.

Schamlos und unter Aufbietung ihrer enormen finanziellen und machtpolitischen Ressourcen haben sich die reichen Nationen der Welt den Großteil der globalen Impfvorräte gesichert. Und tatsächlich gibt es jetzt viel Empörung in der westlichen Öffentlichkeit über die Impfstrategie. Doch leider nur darüber, dass europäische Regierungen in ihrem Bestreben, wenigstens im EU-Verbund zu versuchen, eine gleichmäßige Verteilung des wertvollen Stoffes zu gewährleisten, „wichtige Tage“ verschenkt hätten, verglichen mit den noch größeren Impfstoffegoisten USA, Großbritannien oder Israel.

Die Tatsache, dass sich die Regierungen der wohlhabender Staaten, die lediglich 14 Prozent der Weltbevölkerung repräsentieren, bereits jetzt über die Hälfte aller Impfstoffdosen gesichert haben, scheint indes kaum jemanden zu stören.

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Wie muss das in den Ohren der Menschen in Brasilien, Indien, Südafrika klingen?

Die Hilfsorganisation Caritas rechnet damit, dass 2021 in 70 ärmeren Ländern nur zehn Prozent der Bevölkerung geimpft werden könnten.

Die von der Weltgesundheitsorganisation getragene Initiative Covax, die sich für die gerechte Verteilung der Impfstoffe einsetzen will, sei der Caritas zufolge zwar eine gute Idee, aber sie funktioniere noch nicht richtig, sagt etwa der Leiter von Caritas international, Oliver Müller.

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Auch wenn Politiker wie der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet jetzt mahnen, „jetzt dürfen wir den globalen Süden nicht vergessen“, in der Realität ist sich jede Nation die nächste. Uns bleibt die bittere Erkenntnis: Die Welt ist seit Thomas Hobbes kein besserer Platz geworden.

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