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Wohlfahrtsverbände kritisieren Kramp-Karrenbauers neuen Wehrdienst

Viele Jugendliche entscheiden sich nach Abschluss der Schulzeit für ein Freiwilliges Soziales Jahr. Es ist der Klassiker unter den Freiwilligendiensten.

Viele Jugendliche entscheiden sich nach Abschluss der Schulzeit für ein Freiwilliges Soziales Jahr. Es ist der Klassiker unter den Freiwilligendiensten.

Berlin. Die Wohlfahrtsverbände blicken mit Skepsis auf die Pläne von Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) zur Einführung eines freiwilligen Wehrdienstes. “Bei allem Respekt vor neuen Ideen und vor dem Schutz der Heimat sollten wir nicht vergessen, dass es bereits gute Angebote gibt, sich im Sinne des gesellschaftlichen Zusammenhalts einzubringen”, sagte Caritas-Präsident Peter Neher dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND, Donnerstag). Dazu gehörten das Freiwillige Soziale Jahr, das Freiwillige Ökologische Jahr, der Bundesfreiwilligendienst und das Programm “weltwärts” für Einsätze im Ausland. “Ob zusätzlich dazu ein Dienst an der Waffe Sinn macht, möchte ich mindestens kritisch hinterfragen”, so Neher.

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Ulrich Schneider, Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, übte scharfe Kritik an der Werbekampagne, mit der der Start des sogenannten “Freiwilligen Wehrdienstes im Heimatschutz” begleitet werden soll. “Ich halte das für eine große Ungerechtigkeit”, sagte Schneider dem RND. Er befürchtet eine Benachteiligung sozialer Dienste im Wettbewerb mit der Bundeswehr.

“Es geht nicht nur um hohe Werbetats, sondern auch um Leistungen wie kostenlose Bahntickets für die Bundeswehr, die die Bundesregierung mal eben beschlossen hat, um die Bundeswehr attraktiver zu machen”, so Schneider. Er kritisierte: “Wo ist die Wertschätzung für die Arbeit, die unsere Freiwilligen im sozialen und ökologischen Bereich leisten? Menschen die freiwillig in der Pflege, Alten- oder Behindertenhilfe arbeiten, bekommen nicht mal ihr S-Bahn-Ticket ersetzt”, beklagte Schneider.

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AWO-Chef: “Begriff eines Freiwilligendienstes bei Bundeswehr lehnen wir ab”

Wolfgang Stadler, Vorstandvorsitzender der Arbeiterwohlfahrt, übte grundsätzliche Kritik: “Den Begriff eines Freiwilligendienstes bei der Bundeswehr lehnen wir ab.” Der Begriff müsse ein zivilgesellschaftlich geprägter sein und bleiben. “Die Idee, einen freiwilligen militärischen Dienst an Deutschland einzuführen, vermischt Begrifflichkeiten, die sauber getrennt bleiben sollten”, so Stadler gegenüber dem RND.

Die Verbände äußerten sich erleichtert darüber, dass das Angebot der Bundeswehr nicht verpflichtend sein soll: “Ich begrüße, dass die Bundesverteidigungsministerin von der Idee einer allgemeinen Dienstpflicht abgerückt ist,” sagt Caritas-Präsident Neher. “Frau Kramp-Karrenbauer hat mit ihren Forderungen ja ordentlich abgespeckt. Gut, dass ein soziales Pflichtjahr vom Tisch ist”, sagte Schneider vom Paritätischen.

Wohlfahrsverbände befürchten Verlust von Aufmerksamkeit für ihre Angebote

Die Verbände sehen sich nicht im Konkurrenzkampf mit der Bundeswehr um Freiwillige – befürchten aber, angesichts des Werbeaufwands im Verteidigungsministerium Aufmerksamkeit für ihre Angebote einzubüßen. “Die Klientel, die wir ansprechen, ist eine andere, als die der Bundeswehr”, so Schneider. “Die Motivation für einen Wehrdienst unterscheidet sich von der Motivation, Kinder in einer Tagesstätte zu betreuen.” Problematisch ist laut Geschäftsführer des Paritätischen jedoch, dass die Arbeit, die täglich in den Freiwilligendiensten geleistet wird, nicht so sichtbar ist, wie einzelne medienwirksame Einsätze der Bundeswehr.

Am Donnerstag stellt Verteidigungsministerin Kramp-Karenbauer den neuen “Freiwilligen Wehrdienst im Heimatschutz” der Bundeswehr unter dem Titel “Dein Jahr für Deutschland” vor. Er beinhaltet eine sechsmonatige militärische Grundausbildung sowie einen Zeitraum der Reserve von sechs Jahren. In diesem Zeitraum sind sechs Einsätze in der Nähe des Heimatortes für insgesamt sechs Monate vorgesehen.

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