Wofür steht eigentlich EMA?

  • Wenn alles läuft wie erwartet, wird heute in der EU ein weiterer Impfstoff zugelassen.
  • Erneut war die Europäische Arzneimittel-Agentur etwas langsamer als die amerikanische.
  • Doch immerhin steigen jetzt diesseits und jenseits des Atlantiks die richtigen Kurven: die mit den Zahlen der Geimpften.
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

wofür steht eigentlich die Abkürzung EMA? Erst mal abwarten?

Scherz beiseite, die Lage ist ernst. Heute endlich wird die Europäische Arzneimittel-Agentur über den Impfstoff von Johnson & Johnson entscheiden. Ein leiser Tipp ist vorab schon erlaubt: Sie wird ihn zulassen.

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Immer wieder, ob es um Biontech/Pfizer ging oder um Astrazeneca, entschied die EMA am Ende genau so wie die FDA, die amerikanische Food and Drug Administration. Der Unterschied lag am Ende nur im Datum des Beschlusses. Die EMA brauchte rund 14 Tage länger. Werbewochen für den europäischen Gedanken gehen anders.

Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) in Amsterdam. © Quelle: AP

Doch man sollte nicht ungerecht sein. Immerhin stellt die EMA die Weichen für 440 Millionen Menschen. Dass es für so viele Europäer überhaupt einen gemeinsamen Zugang zu Impfstoffen gibt, war keine Selbstverständlichkeit. Impfstoffbeschaffung gehörte bis zum Jahr 2020 noch gar nicht zu den Gegenständen der EU-Verträge, hier wurde viel improvisiert in den vergangenen Monaten.

Die USA konnten mittlerweile 92 Millionen Menschen einen ersten Schuss in den Arm geben, Glückwunsch. Die EU schaffte dies bei immerhin 43 Millionen Menschen. Atmen wir doch mal tief durch, vergessen wir unsere nationalen Verspanntheiten – und nennen wir beides eine gute Nachricht.

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Und vergessen wir nicht die Unterschiede: Die USA sind seit 245 Jahren ein Nationalstaat mit einem Präsidenten, der von Küste zu Küste regiert. Die EU ist nur ein Staatenbund mit oft auseinander­strebenden Regierungen, Stimmungen und Strömungen. Gemessen daran sind 14 Tage Verspätung beim Thema Johnson & Johnson dann wieder gar nicht so schlecht.

Verwirrende Bilanz nach dem 11. März 2011

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Vor genau zehn Jahren eskalierte die Reaktorkatastrophe in Fukushima. Unser Japan-Korrespondent Felix Lill beschreibt heute, was das Unglück mit Land und Leuten gemacht hat – und wie es inzwischen aussieht in der Region.

Das Satellitenbild zeigt das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi in Okuma nach der Reaktorkatastrophe vor zehn Jahren. © Quelle: Uncredited/Satellite image ©202

Während die Deutschen damals unter der überraschend zupackenden Führung von Angela Merkel Ernst machten mit dem Ausstieg aus der Atomkraft, ließen sich andere Staaten mehr als nur eine Hintertür offen für die Nuklearwirtschaft. Russland etwa sieht in Reaktoren einen möglichen Verkaufsschlager, China will in nächster Zeit sechs neue Meiler pro Jahr ans Netz bringen. In Europa sind die Meinungen sehr geteilt.

Entscheidende Impulse könnten schon bald aus den USA kommen. Dort forschen Unternehmen wie Nuscale in Portland, Oregon, an neuartigen, sehr kleinen Reaktoren. Die sogenannten Small Modular Reactors (SMR) könnten sich nach Ansicht ihrer Produzenten gut verbinden lassen mit Sonne und Wind – und immer ein Abdecken der Grundlast garantieren, ohne Kohlendioxid auszustoßen. Die Klimabewegung an der Westküste der USA findet immer mehr Gefallen an einer solchen Kombination. In Deutschland steht der Ökoszene diese nicht ganz unkomplizierte Debatte erst noch bevor.

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Zitat des Tages

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Depressionen sind unter diesen Umständen in diesen Zeiten verständlich. Zu denken, dass wir uns einfach weiter über all den Schock und das Trauma und die Umwälzungen erheben können, die wir erlebt haben, ist einfach unrealistisch. Dies ist einer der Gründe, warum wir mehr über psychische Gesundheit sprechen müssen.

Michelle Obama, Ehefrau des früheren US-Präsidenten Barack Obama, räumte in einem Gespräch mit dem Magazin „People“ auch eigene psychische Probleme ein.

Leseempfehlungen

„Alles, was du brauchst, ist Griechenland“: Mit diesem Motto wirbt der griechische Tourismusminister Charis Theocharis jetzt um Urlauber. Das Putzige ist: Das stimmt einfach. Es ist nicht irgendein Werbespruch, sondern, wie jeder Griechenland-Urlauber bestätigen wird, eine tiefe Weisheit. Große Hoffnungen setzt das Ferienland in der Saison 2021 vor allem auf Besucher aus Deutschland – obwohl wir mit dem Impfen, dezent gesagt, noch nicht ganz fertig sind … In gut zwei Monaten soll die Urlaubssaison beginnen, wie Gerd Höhler berichtet.

Der Sänger Giovanni Zarrella bekommt im ZDF eine eigene Musikshow auf dem Königsplatz aller Fernsehsendungen, am Samstagabend. Im RND-Interview erklärt er, warum er sich nicht als Nachfolger von Carmen Nebel sieht, welche Ziele er mit seiner neuen Sendung verfolgt – und wieso er und ARD-Moderator Florian Silbereisen keine Konkurrenten sind.

Aus unserem Netzwerk

Eine Seniorin konnte in Stralsund wochenlang keinen Termin für eine Corona-Impfung bekommen. Doch ihr Schwiegersohn ließ nicht locker. So konnte die 87-Jährige auch ohne lange vorab vereinbarten Termin geimpft werden. Wie das geklappt hat, skizziert die „Ostsee-Zeitung“.

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Termine des Tages

Die unermüdliche Lobby gegen den Lobbyismus macht heute wieder in Berlin mobil: Um 10 Uhr will Transparency Deutschland heute ein sogenanntes Transparenzranking der Bundesländer präsentieren. Auf Bundesebene hatte sich die große Koalition auf die Einführung eines Lobbyregisters geeinigt – aber wie sieht es auf Länderebene aus? Transparency hat dies mit Blick auf die sechs in diesem Jahr anstehenden Landtagswahlen (Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Berlin, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen) erstmals umfassend untersucht.

Um Rechtsradikale in Polizeiuniform geht es heute ab 13.30 Uhr in Düsseldorf: NRW-Innenminister Herbert Reul stellt dem Innenausschuss des Landtags den Bericht einer Sonderinspektion der Polizei Essen vor. Sie hatte den Auftrag, die Szenerie rund um rechtsextremistische Whatsapp-Gruppen auszuleuchten, zu denen Beamte der Wache Mülheim an der Ruhr gehörten.

Wer Lust auf einen Deep Dive in die Landespolitik hat, kann heute um 20.15 Uhr gleich an zwei Stellen tief eintauchen. Der SWR überträgt auf seinen regional gesplitteten Kanälen zeitgleich seine Spitzenrunden vor den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Auf SWR.de/bw wird man Ministerpräsident Winfried Kretschmann sehen und seine Herausforderin Susanne Eisenmann (CDU). Über SWR.de/rp kommt Mainz ins Bild mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und ihrem Herausforderer Christian Baldauf (CDU).

Wer heute wichtig wird

Außenpolitik à la AfD: Alice Weidel und der Putin-Vertraute Michail Schwydkoj am Mittwoch in Moskau. © Quelle: dpa

Alice Weidel weilt weiter im Wunderland Wladimir Putins. Gestern wurde die AfD-Fraktionschefin im Moskauer Außenministerium empfangen – von Michail Schwydkoj, seines Zeichens immerhin „Bevollmächtigter Vertreter des Präsidenten für die Kulturpolitik im Ausland“. Heute will Weidel die russischen Verdienste um die Impfstoff­forschung würdigen und erneut im Superwahljahr die Nähe ihrer Partei zu Putin betonen.

Schon vor der Reise forderte Weidel den Westen auf, sich mit der völkerrechts­widrigen Annexion der Krim abzufinden: Die Sanktionen, die die EU und die USA wegen der ersten gewaltsamen Grenzverschiebung seit 1945 gegen Moskau verhängt hatten, müssten ohne Bedingungen wieder aufgehoben werden.

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Ihr Matthias Koch

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