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Lang erwartetes Woelki-Gutachten zu Missbrauch im Bistum Köln wird veröffentlicht

  • Ein Jahr lang hat der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki ein Gutachten zum Umgang mit Missbrauchsvorwürfen zurückgehalten.
  • Nun wird eine neue Untersuchung vorgestellt.
  • Die Konsequenzen sind noch unabsehbar.
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Köln. Der Strafrechtler Björn Gercke stellt am Donnerstag (10.00 Uhr) ein brisantes Gutachten zum Umgang des Erzbistums Köln mit sexuellem Missbrauch vor. Kardinal Rainer Maria Woelki hat den Juristen damit beauftragt. Ein erstes Gutachten hatte Woelki nicht veröffentlicht; er begründete das mit rechtlichen Bedenken.

Gercke hat vorab mitgeteilt, dass seine im Jahr 1975 beginnende Untersuchung mehr als 300 Opfer und über 200 Beschuldigte aufführt. Woelki hat ihn beauftragt, Verantwortliche namentlich zu benennen - gegebenenfalls auch ihn selbst.

Der Fokus des Gutachtens liegt nicht auf den Tathergängen, sondern auf dem Agieren der Bistumsleitung. „Es geht uns nicht darum „Was hat Priester X dem Kind Y angetan?“, sondern „Haben Kardinal, der Generalvikar, sonst ein Bistumsverantwortlicher richtig gehandelt?““, sagte Gercke dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. Dabei seien „Pflichtverletzungen noch lebender Akteure“ auch auf höchster Ebene festgestellt worden.

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Bekannt ist, dass das erste Gutachten das Verhalten des früheren Kölner Personalchefs Stefan Heße - heute Erzbischof von Hamburg - kritisch beurteilt. Heße bestreitet die Vorwürfe.

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Missbrauch: Woelki entbindet Mitarbeiter von ihren Pflichten
1:32 min
Ein Jahr lang hat der Kölner Kardinal Woelki ein Gutachten zum Umgang mit Missbrauchsvorwürfen zurückgehalten.  © dpa

Woelki: Werde mich „Ergebnissen der Untersuchung stellen“

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Woelki hat gesagt, er wolle Führungskräfte des Erzbistums eventuell vorläufig von ihren Aufgaben entbinden, falls sie durch das neue Gutachten belastet werden sollten. „Sofern es mich betrifft, habe ich bereits erklärt, dass ich mich den Ergebnissen der Untersuchung stellen werde“, versprach er. „Dasselbe erwarte ich aber auch von anderen.“ Vertuschung oder Mauschelei dürfe es in Zukunft nicht mehr geben. Erste Konsequenzen aus dem Gutachten sollen bereits am Dienstag (23. März) vorgestellt werden.

Woelki ist in einem Fall selbst im Visier. Er soll den mittlerweile gestorbenen Düsseldorfer Pfarrer Johannes O. geschont haben, dem der Missbrauch eines Kindergartenjungen Ende der 1970er Jahre zur Last gelegt wird. Nachdem Woelki 2014 Erzbischof von Köln geworden war, entschied er sich, nichts gegen O. zu unternehmen. Seine Begründung dafür: O. sei aufgrund einer fortgeschrittenen Demenz „nicht vernehmungsfähig“ gewesen.

Ehemaliger Missbrauchsbeauftragter enttäuscht aus der Kirche ausgetreten

Das Zurückhalten des ersten Gutachtens löste im größten deutschen Bistum eine Vertrauenskrise aus. Schon seit Monaten ist es äußerst schwierig, einen Termin für einen Kirchenaustritt zu bekommen. Sogar der ehemalige Missbrauchsbeauftragte des Erzbistums, Oliver Vogt, trat aus Enttäuschung über den Umgang mit Missbrauch aus der Kirche aus.

Anfang dieses Monats hat das Erzbistum nun angekündigt, das erste Gutachten ab dem 25. März doch zur Einsicht auszulegen. Dies gelte für „Betroffene, Medienvertreter und die interessierte Öffentlichkeit“.

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Der Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) für Fragen des sexuellen Missbrauchs, Bischof Stephan Ackermann, kritisierte Woelki im Vorfeld. Der „Bild“ sagte er: Woelkis Umgang mit den Vorwürfen erzeuge „eine große Enttäuschung und Irritation bei Betroffenen und der Öffentlichkeit. Aber es ist auch misslich für die anderen Bistümer in Deutschland.“

Der Kölner Staatsanwaltschaft liegt das erste Gutachten schon länger vor. Die Auswertung ist noch nicht abgeschlossen, doch bisher wurden keine Anhaltspunkte für strafrechtliche Ermittlungen gefunden: Dafür seien die Taten schon zu lange her, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Auch bei Kardinal Woelki persönlich sieht die Staatsanwaltschaft kein strafrechtlich relevantes Verhalten. Nach Angaben von Gercke liegt mittlerweile auch das neue Gutachten bereits bei der Staatsanwaltschaft.

RND/dpa

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