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„Der Tag“

Wo Waffen mehr als Kinderleben zählen

Die US-Flagge mit Munition für eine Waffe.

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

drei Tage nach dem Amoklauf an einer Grundschule im US-Bundesstaat Texas stehen viele der Einwohnerinnen und Einwohner der Kleinstadt Uvalde unter Schock. 19 Kinder und zwei Erwachsene starben, nachdem ein 18-Jähriger in einem Klassenraum auf sie geschossen hatte. Angehörige wie Adalynn Ruiz, Tochter der getöteten Lehrerin, ringen um Worte. „Mama, ich habe keine Worte, um zu beschreiben, wie ich mich jetzt, morgen und für den Rest meines Lebens fühle“, schrieb sie in den sozialen Netzwerken. Ihre Mutter sei „eine Heldin“ und habe versucht, das Leben ihrer Schülerinnen und Schüler zu retten. Ruiz teilte auch Erinnerungen, die sie mit ihrer Mutter verbindet: vom Anschauen von Tiktok-Videos bis hin zum Karaokesingen. „Ich möchte das alles zurück. Ich möchte, dass du zu mir zurückkommst, Mama. Ich vermisse dich mehr, als Worte erklären können.“

Der US-Bundesstaat Texas, die Heimat vieler Waffen­fanatikerinnen und Waffen­fanatiker, führt die Zahl der Todesopfer und Verletzten durch Schulattentäter an, wie unser Überblick in Grafiken zeigt. Während die texanische Stadt Uvalde noch trauert, findet heute im selben Bundesstaat das Jahrestreffen der Waffenlobby­organisation NRA statt. Sie gilt als mächtigste Interessengruppe der USA, verfügt über ein beträchtliches Budget und soll immer wieder Politikerinnen und Politiker bei Fragen zur Waffenpolitik beeinflusst haben. In den USA ist das Recht auf den Besitz und das Tragen von Waffen in der Verfassung verankert. Damit das auch so bleibt, kämpft die Waffenlobby gegen jeden Versuch, den Waffenbesitz zu regulieren. Allein im Jahr 2020 soll die NRA laut der BBC knapp 250 Millionen US-Dollar (233 Millionen Euro) zu diesem Zweck ausgegeben haben.

Schulattentäter hatte Kontakt zu Mädchen in Frankfurt

Nach dem tödlichen Amoklauf in Texas werden mehr Details über den Schützen bekannt – so auch ein angeblicher Kontakt zu einem Mädchen in Frankfurt am Main.

Dass beim Jahrestreffen der NRA heute auch Ex-Präsident Donald Trump auftritt, ist kein Zufall. Denn viele Menschen in den USA gaben bei Wahlen nur wegen der Waffenpolitik ihre Stimme ab. Die NRA bewertet die Mitglieder des US-Kongresses öffentlich auf einer Liste nach der Schulnotenskala von A bis F aufgrund ihrer wahrgenommenen Freundlichkeit gegenüber Waffenrechten. So könnten Wählerinnen und Wähler genau sehen, wer die NRA unterstützt, berichtet RND-Autor Leon Heyde. Doch damit nicht genug: Sogar eine vorausgefüllte Stimmkarte stellte die NRA zuletzt zur Verfügung.

Ein Großteil der republikanischen Politikerinnen und Politiker ist gegen ein schärferes Waffenrecht. Waffen garantierten Freiheit und Sicherheit, argumentieren sie. Es brauche noch mehr Waffen, heißt es von manchen Abgeordneten und der NRA – wie aus einem Mund. Besonders an Schulen müssten auch alle Lehrerinnen und Lehrer Waffen tragen. Gegen strengere Waffengesetze gibt es selbst nach dem schlimmsten Schulmassaker in der Geschichte von Texas enormen Gegenwind. Der texanische Senator Ted Cruz erklärte, es sei schließlich das „grundlegende, gottgegebene Recht“, das eigene Leben mit einer Waffe zu verteidigen. Zugespitzt: „Das Waffengesetz, das aktuell dazu beiträgt, dass so viele Kinder sterben, muss so liberal bleiben, damit ebenjene geschützt werden können“, schreibt mein Kollege Alexander Krenn in seiner großen Analyse zum amerikanischen Umgang mit Amokläufen.

Sein Eindruck ist, dass sich die amerikanische Öffentlichkeit längst an diese Taten gewöhnt hätte. „Der Ablauf nach Amokläufen ist mittlerweile eingeübt: Aufschrei, Trauer, Wut und Tatenlosigkeit.“ Die Leidtragenden sind in vielen Fällen aber unschuldige Kinder. Seit dem Amoklauf an der Columbine High School 1999 sind in den USA 311.000 Kinder bei Schießereien in Schulen verletzt worden, mussten mitansehen, wie ihre Mitschülerinnen und Mitschüler sowie Lehrkräfte erschossen wurden oder suchten Schutz in verbarrikadierten Klassenzimmern, Badezimmern und zitternd unter ihren Schreibtischen. Im Land, in dem Waffen offenbar mehr zählen als Kinderleben.

 

Zitat des Tages

Schon jetzt hat er alle seine strategischen Ziele verfehlt.

Olaf Scholz,

Bundeskanzler, bei seiner Rede auf dem Weltwirtschafts­forum in Davos über den russischen Präsidenten Wladimir Putin

 

Leseempfehlungen

Homosexualität ist in Japan ein Tabuthema. Aber in der riesigen Mangabranche boomen seit Jahren Geschichten, die von Liebe zwischen Jungen oder Männern handeln. Gelesen werden diese wiederum vor allem von Frauen. Warum das so ist, hat RND-Korrespondent Felix Lill recherchiert.

Konkrete Prognosen, wie es mit dem Coronavirus weitergeht, sind momentan schwierig. Es sind aber nicht nur neue Virusvarianten, die dabei eine Rolle spielen. International mahnen Forscher und Forscherinnen: Wie sich die Pandemie bis 2027 entwickelt, hängt stark davon ab, ob die Regierungen besser handeln als bisher. Drei Szenarien (+).

 

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In einer Straße in Leipzig hat die Stadtverwaltung ein neues Modell fürs Anwohnerparken kreiert: Weil es im Umfeld viel zu wenige Stellflächen gibt, werden Anwohner­parkausweise nur für Bewohnerinnen und Bewohner von ungeraden Hausnummern ausgegeben – Mieterinnen und Mieter in Häusern mit geraden Hausnummern gehen leer aus. Der Unmut ist groß, wie die „Leipziger Volkszeitung“ (+) berichtet.

 

Termine des Tages

  • 8 Uhr: Das Statistische Bundesamt gibt einen ersten Zwischenstand zum Zensus 2022 bekannt.
  • 13 Uhr: Abschluss des Treffens der G7-Minister für Klima, Energie und Umwelt.
 

Wer heute wichtig wird

Bundeskanzler Olaf Scholz spricht heute Vormittag beim Deutschen Katholikentag über „Deutschlands Politik in unsicheren Zeiten“.

Bundeskanzler Olaf Scholz spricht heute Vormittag beim Deutschen Katholikentag über „Deutschlands Politik in unsicheren Zeiten“.

 

Podcast des Tages

In der letzten Ausgabe unseres Podcasts „Eine Halbzeit mit …“ vor der Sommerpause geht es um den Eintracht-Fluch, das Relegationsspiel und eine Grillparty.

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Die News zum Hören

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Wir wünschen Ihnen einen guten Start in den Tag,

Ihr Sven Christian Schulz

 

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