Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

Newsletter „Der Tag“

Wo sind die Grenzen zwischen Wahrheit und Lüge?

Wie viele Lügen erzählt der russische Präsident Wladimir Putin?

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

wo hört die Wahrheit auf und wo fängt die Lüge an? Pragmatisch betrachtet lässt sich die Frage einfach beantworten. Lässt sich eine Geschichte anhand von Fakten als richtig bestätigen, ist es „die Wahrheit“. Stimmt die Geschichte allerdings nicht mit der Realität überein, ist sie falsch und „eine Lüge“. Ganz so einfach ist es allerdings nicht. Schon die antiken Philosophen um Platon stritten um die Definition des Wahrheits­begriffs. Klar ist vor allem eines: Die Grenzen sind fließend.

Unbestritten verbreitet der russische Präsident Wladimir Putin in diesen Tagen eine der größten Lügen der vergangenen Jahr­zehnte. Statt von Krieg spricht die Regierung auch an Tag 18 nach der russischen Invasion in der Ukraine noch von einer „Militär­operation“, der Ukraine wirft er vor, einen „Genozid“ am russischen Volk zu begehen und rechtfertigt so seinen Krieg. Sogar seine eigenen Soldaten soll Putin belogen – oder ihnen zumindest nicht ganze Wahrheit erzählt – haben. So seien junge Russen in die Ukraine geschickt worden, ohne auch nur im Geringsten zu wissen, was sie dort erwartet.

Die größten Opfer seiner Lüge sind dabei Russinnen und Russen selbst. Für sie wird es immer schwieriger, die Wahrheit heraus­zufinden. Unabhängige Medien gibt es nicht mehr, soziale Netzwerke wurden blockiert und wer das Wort Krieg in den Mund nimmt, muss mit hohen Geld­strafen rechnen – im schlimmsten Fall sogar mit dem Gefängnis. Die Begründungen für diese Regeln sind so absurd, dass man sie kaum glauben mag.

Als letzte große Plattform wird auch Instagram ab dem 14. März gesperrt sein. Die britische Journalistin Sarah Rainsford zitiert auf Twitter aus einer Mail, die sie von der russischen Medien­aufsichts­­behörde erhalten hat. Instagram werde gesperrt, um die „psychologische Gesundheit“ der Bürgerinnen und Bürger zu schützen. Denn die Plattform erlaube es, dass Gewalt­aufrufe gegen Russinnen und Russen geteilt werden, heißt es. „Sprechen wir über parallele Realitäten“, kommentiert Rainsford, die für die BBC als Korrespondentin in Moskau gearbeitet hat – bis sie im August 2021 ausgewiesen wurde.

Gemeinsame Sache mit China

Es ist unheimlich, mit welchen Mitteln Putin versucht, seine Wahrheit zu verbreiten. Demgegenüber stehen ungefähr 1500 getötete ukrainische Soldatinnen und Soldaten, wie verschiedene Quellen berichten, mehr als 500 getötete Zivilistinnen und Zivilisten (UN-Angaben) und etwa 2,5 Millionen Menschen, die bisher aus ihrer Heimat flüchten mussten.

Noch beunruhigender ist die Tatsache, dass Putin mit seiner Wahrheit nicht allein dasteht. Mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping hat er einen Verbündeten. „Besonders bedrückend ist aus westlicher Sicht, dass die chinesischen Staats­medien bei Putins PR-Kampagnen mitziehen. Dem Westen gegenüber tun die chinesischen Oberen zwar so, als wollten sie sich aus der Russland-Krise heraushalten. (…) Tatsächlich aber lässt Xi über seine Staats­medien eilends die Biowaffen­theorie verbreiten“, schreibt RND-Chefautor Matthias Koch in seiner Analyse von Putins Lügen­­propaganda.

Gemeinsame Lügen­barone? Wladimir Putin und Xi Jinping bei einem Treffen Anfang Februar.

Gemeinsame Lügen­barone? Wladimir Putin und Xi Jinping bei einem Treffen Anfang Februar.

Die Wahrheit und die Realität über Putins Krieg gegen die Ukraine zu verbreiten wird eine der größten Aufgaben des Westens in den kommenden Wochen und Monaten – vielleicht sogar auch Jahren – sein. Angesichts der schwierigen Informations­lage, den Hindernissen in der Bericht­erstattung und Putins Definition von Wahrheit und Lüge ist diese Herausforderung aber riesig.

 

Zitat des Tages

Natürlich hat die Ukraine ein Recht auf Selbst­verteidigung, aber auch die Pflicht zur Klugheit, einzusehen, wann man sich ergeben muss.

Der Fernseh­philosoph Richard David Precht

handelte sich mit dieser Aussage im Podcast „Lanz & Precht“ einiges an Kritik ein.

Userinnen und User haben die Aussagen von Richard David Precht scharf kritisiert, und auch RND-Hauptstadt­korrespondent Steven Geyer ist anderer Meinung: Für ihn ist Kapitulation keine Option. „Wer auf eine Lösung am Verhandlungs­tisch hofft, darf jetzt Selenskyjs Position nicht schwächen“, schreibt Geyer in seinem Kommentar.

 

Leseempfehlungen

Schwere Zeiten für die Kirche? Die Zahl der Kirchen­austritte nach den Missbrauchs­­skandalen ist gewaltig. Wie reformfähig sind die Glaubens­­gemeinschaften? Was erhoffen sich Gläubige? Und kann die katholische Kirche hierzulande diese Krise überstehen? Mein Kollege Markus Decker über den schwindenden Einfluss der Kirchen in Deutschland.

Ein Angebot, das Sie nicht ablehnen können: Immer noch ist „Der Pate“ der Mafiafilm aller Mafiafilme. Am 24. März kommt Francis Ford Coppolas Klassiker in einer sorgfältig restaurierten Edition auf den Markt. Matthias Halbig hat alles über das Meister­werk zusammen­gestellt, das am 14. März vor 50 Jahren in New York Premiere feierte – von A bis Z.

 

Aus unserem Netzwerk

Echtzeit­bilder von Autobahn­webcams sind für Autofahrerinnen und Auto­fahrer eine gute Planungs­hilfe. In Niedersachsen wurden diese Kameras für die öffentliche Nutzung nun abgeschaltet. Das könnte mit möglichen Truppen­­bewegungen der Nato zusammen­hängen, berichtet die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“.

 

Termine des Tages

  • Demonstrationen für den Frieden: In ganz Deutschland gehen heute wieder Bürgerinnen und Bürger auf die Straße, um gegen Putins Krieg zu demonstrieren. Dazu zählen Hamburg, Frankfurt, Stuttgart und Leipzig.
  • Ende der Paralympics: In Peking werden heute die Para­lympischen Winter­spiele zu Ende gehen. Deutsche Sportlerinnen und Sportler konnten insgesamt 19 Medaillen gewinnen.
 

Wer heute wichtig wird

Um 18.30 Uhr feiert der Münchner Kardinal Reinhard Marx einen Gottes­dienst mit der queeren Gemeinde in München. In diesem Jahr feiert die Veranstaltung ein Jubiläum: Seit 20 Jahren findet die Veranstaltung für queere Menschen und ihre Freunde statt.

Um 18.30 Uhr feiert der Münchner Kardinal Reinhard Marx einen Gottes­dienst mit der queeren Gemeinde in München. In diesem Jahr feiert die Veranstaltung ein Jubiläum: Seit 20 Jahren findet die Veranstaltung für queere Menschen und ihre Freunde statt.

 

„Der Tag“ als Podcast

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Spotify Ltd., der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Die News zum Hören

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Spotify Ltd., der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Wir wünschen Ihnen einen guten Start in den Tag,

Ihre Chantal Ranke

 

Abonnieren Sie auch:

Klima-Check: News und Hintergründe – jeden Freitag neu.

Hauptstadt-Radar: Der RND-News­letter aus dem Regierungs­viertel mit dem 360-Grad-Blick auf die Politik. Immer dienstags, donnerstags und samstags.

What’s up, America? Der wöchentliche USA-News­letter liefert Hinter­gründe zu den Entwicklungen in Politik, Gesellschaft und Kultur – immer dienstags.

Die Pandemie und wir: Die wichtigsten Nachrichten der Woche, Erkenntnisse der Wissenschaft und Tipps für das Leben in der Krise – jeden Donnerstag.

Das Stream-Team: Die besten Serien- und Film­tipps für Netflix und Co. – jeden Monat neu.

Mit RND.de, dem mobilen Nachrichten­angebot des Redaktions­Netzwerks Deutschland, dem mehr als 60 regionale Medien­häuser als Partner angehören, halten wir Sie immer auf dem neuesten Stand, geben Orientierung und ordnen komplexe Sach­verhalte ein – mit einem Korrespondenten­netzwerk in Deutschland und der Welt sowie Digital­expertinnen und ‑experten aller Bereiche.

Falls Sie Anregungen oder Kritik haben, melden Sie sich gern direkt bei unserem Chef­redakteur Marco Fenske: marco.fenske@rnd.de.

Mehr aus Politik

 
 
 
 
 

Verwandte Themen