Wo ist die Impfkampagne der Bundesregierung?

  • Die Impfzentren stehen, die mobilen Impfteams sind zusammengestellt, freiwillige Helfer gibt es ausreichend.
  • Es kann also am 27. Dezember mit den Impfungen losgehen.
  • Aber fatalerweise fehlt eine Aufklärungs- und Werbekampagne der Regierung, kommentiert Tim Szent-Ivanyi.
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Berlin. Albrecht Broemme, der Ex-Chef des Technischen Hilfswerks und jetzige Koordinator für den Aufbau der Impfzentren in Berlin, hat kürzlich ein Worst-Case-Szenario beschrieben: Der Corona-Impfstoff sei da, er könne aufgrund logistischer Probleme aber nicht verimpft werden. Dann sei, so Broemme in seiner direkten Berliner Art, „die Kacke am Dampfen“.

Dieser schlimmstmögliche Fall wird nicht eintreten. Bundesweit wurden über 400 Impfzentren aus dem Boden gestampft und Hunderte mobile Impfteams aufgestellt. Zehntausende Ärzte und andere freiwillige Helfer haben sich in Dienstpläne eingetragen, damit es am 27. Dezember mit den Impfungen losgehen kann.

Nachjustieren leichter möglich

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Sicherlich wird es Probleme geben, doch es ist auch Glück im Unglück, dass zunächst nur einige Hunderttausend Impfdosen zur Verfügung stehen. Somit wird das gesamte Impfsystem notgedrungen eher langsam hochgefahren.

Das erleichtert ein Nachjustieren, falls sich Schwachstellen zeigen sollten. Auch die Konzentration auf die Bewohner von Alten- und Pflegeheimen erleichtert den Start, denn hierfür ist kein kompliziertes Einladungsmanagement wie beim Rest der Bevölkerung notwendig.

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Alles gut also? Mitnichten. Es fehlt: die von der Bundesregierung angekündigte Impfkampagne. Offenbar glaubt sie, die älteren Menschen würden bei der Impfung schon brav mitmachen. Das ist eine Form der Bevormundung – und dazu auch noch ein fahrlässiges Versäumnis.

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Sicher, wer Krankheiten wie Tuberkulose noch selbst erlebt hat, hat eine eher positive Einstellung zum Impfen. Aber die Skepsis gegenüber den in Rekordzeit entwickelten Vakzinen ist überall weitverbreitet.

Aufklärung tut also not. Sie muss nicht nur die älteren Mitbürger erreichen, sondern gleich die gesamte Bevölkerung. Denn eine wichtige Botschaft an alle, die nicht zur obersten Risikogruppe gehören, muss lauten: Üben Sie sich in Geduld!

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