Wo bleibt die Gewinnermentalität?

  • Zu kraftlos, zu bürokratisch – die Unzufriedenheit mit den politisch Verantwortlichen bei der Bewältigung der Corona-Krise wächst.
  • Das Problem kennt man auch aus anderen Bereichen: Es liegt weniger im Detail, sondern vielmehr in der Mentalität.
  • Gelingt beim Impfen und beim Testen jetzt noch die Wende?
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

wie ginge es uns wohl heute, wenn Brüssel früher und entschlossener Impfstoffe bestellt hätte? Wenn die Bundesländer das Impfen wirklich als gemeinsame Kraftanstrengung verstanden hätten? Und wenn die Verantwortlichen den langen Corona-Winter dazu genutzt hätten, ausreichend Tests zu beschaffen? Leider funktionieren die Modellrechnungen der Mathematiker und Physiker, die wir in dieser Pandemie kennengelernt haben, nicht für politische Wenn-dann-Konstruktionen. Daher gibt es jetzt eher eine gefühlte Lage – und die könnte durchaus noch brenzlig werden. Viele Deutsche zweifeln im Moment an den Fähigkeiten ihres Landes, eine Krise wie Corona gut zu bewältigen.

Das Problem aber gab es schon vor der Pandemie. Deutschland hat es in vielen Bereichen verlernt, auch mal beherzt einen Schritt nach vorn zu machen. So aber wird man im internationalen Modernisierungs­wettrennen schnell auch mal zum abgehängten Verlierer. Ein kleines Beispiel jenseits der großen Krisen. Wer häufiger im Ausland unterwegs ist, weiß es zu schätzen: Für den Weg zum Bahnhof oder zum Flughafen gibt es einen Festpreis – beim Taxi oder eben auch bei Uber. Konkurrenz macht’s möglich.

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Vom Aussterben bedroht? Unter dem Motto „Stoppt Uber – stoppt Scheuer“ protestierten Taxifahrer immer wieder mit Autokorsos gegen die Neuregelungen im Personen­transport­gewerbe. © Quelle: Rolf Vennenbernd/dpa

In Deutschland hat man lange nach einem vernünftigen Nebeneinander von klassischen Taxis und App-Anbietern gesucht. Heute entscheidet der Bundestag über ein neues Personen­beförderungs­gesetz, das zwar zentrale Regeln schafft, zugleich aber den Kommunen viele Ausnahmen zulässt. Richtig zufrieden ist niemand: Die Taxifahrer wollen demonstrieren, die Uber-Chefs beklagen, Deutschland habe „die Chance zur Modernisierung“ vertan.

Bei vielen Vorhaben geht es gar nicht unbedingt ums Detail, sondern um die Mentalität. Und so hat man häufig den Eindruck, dass Deutschland die historische Herausforderung der Corona-Krise mit den Methoden eines Personen­beförderungs­gesetzes oder einer Gülleverordnung lösen will: durchaus gründlich, aber eben auch sehr bürokratisch und kraftlos.

Wird sich das nach den jüngsten Beschlüssen von Bund und Ländern jetzt ändern? Die Herausforderungen sind groß, die Chance aber ist da. Führt uns eine kluge Strategie bei den Schnelltests und ein neues Tempo beim Impfen aus der Krise?

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Zitat des Tages

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Alles spricht dafür, dass das das letzte Frühjahr in dieser Pandemie wird.

Jens Spahn, Bundes­gesundheits­minister im Bundestag.

Leseempfehlungen

Wie geht es weiter in den Schulen? Wie sollen die Schüler mit den Belastungen der Pandemie fertigwerden? Wird es in diesem Jahr ein normales Abitur geben? Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Britta Ernst, gibt im Interview mit RND-Hauptstadt­korrespondent Tobias Peter Antworten auf dringende Fragen im Schulbereich.

Woher kommt die Gewalt? Ein 14-Jähriger soll in Sinsheim einen 13-Jährigen erstochen haben. Gewalttaten von Kindern schockieren die Gesellschaft und werfen Fragen auf: Sibylle Winter ist Jugendpsychiaterin an der Charité und erklärt im RND-Interview, warum manche Kinder gewalttätig werden, wie Eltern Gewalt vorbeugen sollten – und wie Kinder, die töten, resozialisiert werden können.

Aus unserem Netzwerk

Ein Ehepaar vom Niederrhein wohnte während des ersten Lockdowns in seiner Zweitwohnung auf Rügen. Der Aufforderung zur Abreise widersetzten sich die Eheleute, auch gegen die Strafzahlung protestierten die Eheleute. Was aus dem Fall um die 50.000 Euro Urlaubsstrafe geworden ist und wie das Paar heute dazu steht, haben sie der „Ostsee-Zeitung“ aus unserem Netzwerk verraten.

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Termine des Tages

Berlinale: Heute werden die Gewinner im Wettbewerb bekannt gegeben. Die Filmfestspiele sind wegen der Pandemie in diesem Jahr geteilt. Eine Jury verkündet die Gewinner während eines digitalen Branchentreffs. Die Verleihung der Preise ist dann für den Sommer geplant.

Corona-Politik: Im Bundestag steht heute ab 10 Uhr eine Debatte über das Impfmanagement auf dem Programm. Ab 14.20 Uhr geht es dann grundsätzlich um die Bekämpfung der Pandemie in Deutschland.

Bundeswehr: Im Leipzig wird der Prozess gegen einen Bundeswehrsoldaten des Kommandos Spezialkräfte (KSK) fortgesetzt. In Garten des Soldaten in Collm (Landkreis Nordsachsen) waren im Mai 2020 illegale Waffen und Sprengstoff sowie Schriften mit rechtsextremen Inhalten gefunden worden. Dem 45-Jährigen werden Verstöße gegen das Kriegswaffen­kontrollgesetz, das Waffengesetz und das Sprengstoffgesetz vorgeworfen.

Wer heute wichtig wird

Papst Franziskus wird heute als erstes katholisches Kirchenoberhaupt in den Irak reisen. Im Mittelpunkt der ersten Papstreise seit Beginn der Corona-Pandemie stehen Bemühungen um eine Befriedung der Krisenregion, um interreligiösen Dialog und eine Ermutigung der wenigen verbliebenen Christen im Land. © Quelle: Ameer Al Mohammedaw/dpa
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Der Podcast des Tages

Der Bundestags­wahlkampf wird zu einem Wer-ist-Merkel-am-ähnlichsten-Wettbewerb. Union, Grüne und SPD zielen vor allem auf die politische Mitte, in der die amtierende Kanzlerin so beliebt ist. Den Grünen steht ein besonders harter Wahlkampf bevor.

„Der Tag“ als Podcast

Die News zum Hören

Wir wünschen Ihnen einen guten Start in den Tag,

Ihr Jörg Kallmeyer

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