Zwischen Hass und Lichtblicken

„Ihr seid hier nicht willkommen“: Die schwierige Arbeit israelischer Reporter bei der WM in Katar

Tunesische Fans halten beim WM-Spiel ihrer Nationalmannschaft gegen Australien eine Fahne mit der Aufschrift "Free Palestine" in die Höhe.

Tunesische Fans halten beim WM-Spiel ihrer Nationalmannschaft gegen Australien eine Fahne mit der Aufschrift "Free Palestine" in die Höhe.

Doha. Und plötzlich steht nicht mehr der Sport im Vordergrund – sondern die Herkunft. Das musste ein israelischer Reporter bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar erleben. Offensichtlich auf Stimmenfang nach dem Spiel Polen gegen Saudi-Arabien (2:0), wurde der Reporter Moav Vardi vom israelischen Fernsehsender Kan plötzlich von einem saudi-arabischen Anhänger angeschrien. „Es gibt kein Israel, es gibt nur Palästina“, sagte der wild gestikulierende Mann und legte nach: „Ihr seid hier nicht willkommen. Das ist Katar, das ist unser Land.“

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Vardi hielt mehrmals die Hände abwehrend nach oben und nahm die anti-israelische Verbalattacke des Fußballfans mit zusammengekniffenen Lippen zur Kenntnis, ohne diese zu kommentieren.

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Israelische Reporter in Katar: „Vielen gefällt unsere Anwesenheit hier nicht“

Auch andere israelische Sportjournalisten berichten von zahlreichen Anfeindungen bei der WM. „Wir spüren Hass, sind von Feindseligkeit umgeben und nicht erwünscht“, schrieben zwei Reporter der israelischen Zeitung „Jediot Achronot“ am Sonntag. „Auf den Straßen folgten uns Palästinenser, Iraner, Katarer, Marokkaner, Jordanier, Syrier, Ägypter und Libanesen, die uns hasserfüllt anstarrten.“

Ohad Chemo vom israelischen Channel 12 sagte, Israel habe in den vergangenen Jahren zwar Vereinbarungen mit vier arabischen Staaten - den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain, Marokko und dem Sudan - geschlossen. Von vielen Menschen auf der Straße werde dies jedoch nicht unterstützt, „und vielen von ihnen gefällt unsere Anwesenheit hier nicht“. Sie werde offenbar als Anzeichen einer Normalisierung der Beziehungen gedeutet, die man ablehne. Chemo wurde eigenen Angaben nach unter anderem von einem offenbar iranischen Fan aggressiv angegangen.

Trotz der schwierigen politischen Beziehungen zwischen Katar und Israel sind auch Tausende israelische Fußball-Fans zur WM in das Emirat gereist. Vor einer Woche war der erste direkte Charterflug von Israel in das Emirat gestartet. Israel und Katar unterhalten keine diplomatischen Beziehungen. Das Emirat unterstützt auch islamistische Gruppen, die mit Israel verfeindet sind.

Dem israelischen Außenministerium zufolge sollen mit einer Vereinbarung während der WM jedoch konsularische Dienstleistungen auch für Israelis ermöglicht werden. Israel hatte 1996 eine Handelsvertretung in Katar eröffnet, die später von dem Emirat aber wieder geschlossen wurde.

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Israelischer Reporter von Iran-Fans gefeiert

Doch es hat auch bereits positive Begegnungen gegeben – und dabei sogar politische Todfeinde einander nähergebracht. Ein israelischer Reporter berichtete am Freitag aus Katar über den emotionalen Last-Minute-Sieg der Iraner gegen Wales – umzingelt von feiernden iranischen Fans. „Es ist unbeschreiblich, was im Stadion abgegangen ist. Das Publikum war Teil des Spiels“, sagte der Reporter Uri Levy vom israelischen Fernsehsender Kan.

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Um ihn herum stand dabei rund ein Dutzend iranischer Fans, die ihn nach und nach mit den iranischen Nationalfarben eindeckten: Ein Fan setzte ihm während der Live-Schalte einen grün-weiß-roten Hut auf, ein weiterer legte ihm einen Schal um, andere machten Selfies mit dem Journalisten. Die WM in Nahost sei etwas ganz Besonderes, sagte der Reporter in die Kamera. Sein Fernsehsender scherzte auf Twitter: „Wer hätte gedacht, dass Uri Levy dem Nahen Osten Frieden bringen würde.“ Israel und der Iran gelten als Erzfeinde.

RND/jst/dpa

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