Wissler und Hennig-Wellsow: Eine Chance für die Linke

  • In der Linken tritt die Suche nach neuen Vorsitzenden in die entscheidende Phase ein.
  • Janine Wissler und Susanne Hennig-Wellsow könnten ein starkes Duo sein.
  • Doch ob sie zu echter Führung fähig wären, daran bleiben Zweifel erlaubt, kommentiert Markus Decker.
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Berlin. In der Linken lichtet sich jetzt der Nebel. Eine Woche, nachdem die Parteivorsitzenden Katja Kipping und Bernd Riexinger nach achtjähriger Amtszeit ihren Verzicht auf eine erneute Kandidatur erklärt haben, werfen Janine Wissler aus Hessen und Susanne Hennig-Wellsow aus Thüringen ihre Frauenhüte in den Ring. Die beiden haben mit Recht gute Chancen, gewählt zu werden. Sie sind jung, politisch versiert und rhetorisch stark und kommen aus Ost wie West. Zudem könnte ein weibliches Duo an der Spitze der Linken Ausstrahlung über die Partei hinaus entwickeln.

Für den machtbewussten Fraktionsvorsitzenden Dietmar Bartsch ist die Kandidatur keine gute Nachricht. Er war in den letzten Monaten nach dem absehbaren Abschied von Kipping und Riexinger relativ unangefochten die Nummer eins. Diese Zeiten wären mit Wissler und Hennig-Wellsow vorüber. Dass sie ihre Kandidatur während der Klausurtagung der Bundestagsfraktion bekannt machen und damit Bartsch und seiner Co-Vorsitzenden Amira Mohamed Ali die Show stehlen, spricht Bände. Bartsch muss jetzt entweder überzeugende Alternativen aufbieten – oder sich in sein Schicksal fügen.

Freilich blieben die inhaltlichen Probleme der Linken auch bei einer Wahl von Wissler und Hennig-Wellsow bestehen. Das Lager derer, die auf Bundesebene ein Linksbündnis mit SPD und Grünen anstreben, und das Lager derer, die genau das verhindern wollen, stehen sich weiter unversöhnlich gegenüber. Überdies leistet sich die Partei mit Andrej Hunko einen irrlichternden stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden, der seine Sympathie für autoritäre Herrscher nicht verbergen kann. Und Hunko ist ein Irrlicht von mehreren.

Die Linke braucht Ordnung, Orientierung und – ja – auch Führung. Wissler und Hennig-Wellsow würden im Fall des Falles rasch merken, wie schwer sie sich führen lässt.

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