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Corona-Krise: In Griechenland droht Massenarbeitslosigkeit

  • Schon vor der Pandemie hatte Griechenland die höchste Arbeitslosenquote Europas.
  • Jetzt vernichtet die Rezession erneut Hunderttausende Jobs.
  • Die drohende Massenarbeitslosigkeit könnte den Erfolg über die Epidemie in den Hintergrund rücken.
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Athen. Noch im Februar gab es hoffnungsvolle Signale vom griechischen Arbeitsmarkt: Die Arbeitslosenquote fiel auf 16,1 Prozent. Zwar ein horrender Wert, gemessen am EU-Durchschnitt von 6,5 Prozent, aber für Griechenland die niedrigste Quote seit fast neun Jahren. Neuere Daten hat das staatliche Statistikamt Elstat noch nicht publiziert, aber inzwischen hat sich die Lage wegen der Corona-Epidemie dramatisch verändert.

Die griechische Wirtschaftskammer OEE prognostiziert, dass in diesem Jahr 1,7 Millionen Beschäftigte direkt oder mittelbar von der Corona-Rezession betroffen werden, durch Entlassung oder Kurzarbeit. Das wäre fast die Hälfte aller Erwerbstätigen. Die EU-Kommission prognostiziert den Griechen für 2020 einen Anstieg der Arbeitslosenquote auf 19,9 Prozent. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet sogar eine Erwerbslosenquote von 22,3 Prozent.

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RND-Videoschalte: „Corona-Hilfspaket wird nicht reichen“
10:19 min
Grünen-Europaexpertin Franziska Brantner im Gespräch mit RND-Hauptstadtkorrespondentin Marina Kormbaki zum Corona-Hilfspaket der EU.  © RND
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Damit nähert sich das Land wieder den Arbeitslosenzahlen aus der Ära der Finanzkrise. Sie bescherte den Griechen die tiefste und längste Rezession der Nachkriegsgeschichte. Im Sommer 2013 erreichte die Arbeitslosigkeit mit 27,7 Prozent einen historischen Höchststand.

Massenarbeitslosigkeit als Prüfstein für die Regierung

Für Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis wird der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit zu einem Prüfstein. Die Corona-Epidemie hat die Regierung dank frühzeitiger Kontaktbeschränkungen gut gemeistert. In den Meinungsumfragen haben die regierenden Konservativen ihren Vorsprung vor dem Linksbündnis Syriza seit der Wahl vom Juli 2019 mehr als verdoppelt. Aber die Erfolge des Corona-Krisenmanagements könnten schnell in Vergessenheit geraten, wenn das Land in die Massenarbeitslosigkeit zurückfällt.

Um Entlassungen abzuwenden, übernimmt die Regierung jetzt das aus Deutschland bekannte Modell des Kurzarbeitergeldes. Die Regelung gilt seit dem 1. Juni und läuft vorerst bis Mitte Oktober. Arbeitgeber können die Arbeitszeit und die Bezüge der Beschäftigten um 50 Prozent mindern. Der Staat ersetzt den Kurzarbeitern 60 Prozent ihrer Einbußen. Aus dem „Sure“-Programm der Europäischen Union erwartet Athen dafür Hilfen von 1,4 Milliarden Euro.

Mitsotakis setzt auf EU-Hilfen und Experten

Beim Kampf gegen die Arbeitslosigkeit setzt die Regierung auch auf den Wiederaufbauplan der EU-Kommission. Aus dem Programm von insgesamt 750 Milliarden Euro könnten 31,9 Milliarden nach Griechenland fließen. Ministerpräsident Mitsotakis sieht in dem Hilfsprogramm die Chance für “einen großen Sprung nach vorn”. Der Premier verspricht, man werde die Gelder gezielt einsetzen und “nicht in alle vier Winde verstreuen”.

Wie bereits in der Corona-Epidemie, setzt Mitsotakis auch beim Wiederaufbau der angeschlagenen Wirtschaft auf die Expertise von Fachleuten: Er lässt sich bei der Verwendung der Hilfsgelder von einem Gremium unabhängiger Ökonomen beraten, dem “Rat der Wirtschaftsweisen”. In dem Expertenkomitee sitzen unter anderem der zyprische Ökonomie-Nobelpreisträger Sir Christopher Pissarides, der Volkswirt Dimitris Vagianos von der London School of Economics und der Wirtschaftsprofessor Konstantinos Meghir von der Universität Yale.

Corona als Chance?

Im Oktober will Mitsotakis der EU-Kommission sein “Nationales Aufbauprogramm” vorlegen. Im Fokus stehen Investitionen in die “Green Economy” und Infrastrukturprojekte, die Digitalisierung und die Modernisierung der öffentlichen Verwaltung. Corona als Chance: Der Premier sieht in dem EU-Paket ein “Instrument für die Transformation der griechischen Wirtschaft”.

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