Corona: Das sind Deutschlands Stärken in der Wirtschaftskrise

  • Wegen des Corona-Shutdowns liegen schwierige Monate in der Wirtschaft und am Arbeitsmarkt vor uns - das zeigen auch die Szenarien der Wirtschaftsweisen.
  • Existenzängste, Kurzarbeit und auch Arbeitslosigkeit werden ganze Familien belasten.
  • Doch immerhin ist Deutschland besser aufgestellt als andere, um durch die Krise zu kommen, kommentiert Tobias Peter.
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Berlin. Das Nervenaufreibendste ist Unsicherheit. In der Corona-Krise geht es Deutschland wie einem Patienten, der vom Arzt die Diagnose erhält: „Es sieht bedrohlich aus. Aber wie schlimm es noch kommt, kann ich Ihnen leider auch nicht sagen.“ Eindeutige Antworten gibt es nicht. Das gilt für den weiteren Verlauf der Pandemie, aber auch für die Folgen für die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt.

Die Wirtschaftsweisen haben eine erste Prognose vorgelegt. Sie fürchten einen Einbruch des Bruttoinlandsprodukts um bis zu 5,4 Prozent. Bei einem milderen Verlauf der Pandemie und einer kürzeren Dauer der Einschränkungen wäre demnach immer noch eine Rezession zu erwarten – mit einem Jahresminus von 2,8 Prozent. Nicht vergessen dürfen wir dabei, dass es für Deutschland als Exportnation auch ein Faktor ist, wie zerstörerisch Corona in anderen Ländern um sich greift und die Volkswirtschaften beschädigt.

Das Wichtigste ist Gesundheit

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Gesundheit geht vor. Die Maßnahmen zur Kontaktbeschränkung können nur in dem Maß gelockert werden, in dem der Preis nicht der Kollaps unseres Gesundheitssystems ist. Gleichzeitig haben die Große Koalition und die Verantwortlichen in den Ländern die Verantwortung, fortwährend zu prüfen, ab wann Erleichterungen möglich sind. Dabei geht es nicht nur darum, den wirtschaftlichen Schaden so gering wie möglich zu halten. Auch soziale Probleme und Einsamkeit machen krank.

Existenzängste, Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit: Das bedeutet diese Krise für viele Menschen in Deutschland – und für ihre Familien gleich mit. Im internationalen Vergleich ist Deutschland besser aufgestellt als andere, um diese Probleme einigermaßen abzufedern. Wir haben so gewirtschaftet, dass wir jetzt – mittels neuer Schuldenaufnahme – große Milliarden-Summen investieren können, um die Wirtschaft zu stützen und Kurzarbeit zu ermöglichen.

Kommt die Hilfe wirklich an?

Bei Hilfen für Solo-Selbständige und Unternehmen müssen wir im Prozess immer wieder prüfen: Kommt die Unterstützung wirklich da an, wo sie gebraucht wird? Und: Wird sie unbürokratisch und schnell genug gewährt? Beim Arbeitsmarkt ist es gut, dass es mit dem Kurzarbeitergeld eine Brücke gibt, die sich bereits in der Finanzkrise bewährt hat. Unternehmen, die sie beschreiten, haben den Vorteil, dass sie ihr gutes Personal nicht verlieren, das sie nach der Krise wieder brauchen.

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Eine große Stärke Deutschlands – die sich hoffentlich auch in dieser Krise wieder bewahrheitet – ist die im internationalen Vergleich gut intakte Sozialpartnerschaft zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften. So, wie es außerhalb der Krise legitim ist, dass jede Seite schon mal robust ihre Interessen vertritt, ist in der Ausnahmelage die Hoffnung berechtigt, dass Arbeitgeber, Gewerkschaften und Arbeitnehmer gemeinsam nach Lösungen suchen. Die oft verspottete deutsche Konsensgesellschaft ist eindeutig im Vorteil.

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Das können wir für die Arbeitsmarktpolitik lernen

Nach der Pandemie müssen wir unser Gesundheitssystem einmal komplett auf den Prüfstand stellen. Auch für die Arbeitsmarktpolitik gibt es Lehren zu ziehen – über die Wertschätzung für Kurzarbeit in der Krise hinaus. Beim Homeoffice hat sich gezeigt, dass viel mehr möglich ist, als Unternehmen sich selbst zugetraut haben. Das lange angekündigte Gesetz, das – da, wo es geht – ein begrenztes Recht auf Homeoffice schaffen soll, sollte nach der Krise endlich kommen. Wichtig wird sein, auch zu regeln, wie Arbeitnehmer vor zu großer Belastung in diesem Modell geschützt werden können.

Einen Gedanken müssen wir zwingend mitnehmen: Wir können als Gesellschaft – also Politik, Arbeitgeber, Steuer- und Beitragszahler, Konsumenten – nicht immer nur Sonntagsreden halten, wie wichtig der Pfleger, die Supermarkt-Kassiererin und der Busfahrer sind. Und hinterher bezahlen wir sie dann trotzdem so schlecht wie vorher. Glaubwürdige Wertschätzung muss sich auszahlen.

“Staat, Sex, Amen”
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