Wirtschaft mit gedämpften Erwartungen an Fachkräftegesetz

  • An diesem Montag treffen sich Politiker, Experten und Verbandsvertreter zum Integrationsgipfel im Kanzleramt.
  • Dabei soll es um den Kampf gegen Ausländerhass gehen - aber auch um das neue Fachkräfteeinwanderungsgesetz.
  • Die Wirtschaft sieht die Sache nicht übermäßig optimistisch.
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Berlin. Die deutsche Wirtschaft rechnet trotz Erleichterungen für Arbeitsmigranten nicht mit schnellen Erfolgen bei der Gewinnung von Qualifizierten aus Drittstaaten. Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz biete durch den Wegfall von bisherigen rechtlichen Hürden zwar „gute Chancen“, die Zuwanderung von Fachkräften nachhaltig zu verbessern. „Aber niemand darf jetzt schon in wenigen Wochen sichtbare Erfolge oder den großen Durchbruch erwarten“, sagte Achim Dercks, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

„Die notwendigen Fortschritte bei der Fachkräfteeinwanderung müssen jetzt Schritt für Schritt erarbeitet werden. Das funktioniert umso besser, je mehr Wirtschaft, Politik und Verwaltung ihre unterschiedlichen Erfahrungen miteinander austauschen.“ Dann könnten Schwächen schneller erkannt und gemeinsam abgestellt werden.

Laut Dercks ist Fachkräftemangel in Deutschland unverändert eine Wachstumsbremse. „Auch in der aktuellsten DIHK-Konjunkturumfrage sehen bundesweit 55 Prozent der Unternehmen im Fachkräftemangel ihr größtes Geschäftsrisiko“, so Vize-Hauptgeschäftsführer Dercks. „Deshalb ist es ein wichtiges Signal, dass diese Betriebe leichter als bisher neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch in Ländern außerhalb der EU finden können. Angesichts der sich auftuenden Demografielücke bleibt das über Jahre hinweg eine notwendige Ergänzung zur weiteren Qualifizierung inländischer Arbeitskräfte.“

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Laut Umfrage hoffen die Unternehmen vor allem auf eine Vereinfachung und Beschleunigung des Zuzugs als Folge des Gesetzes. Fast jede dritte Firma bezeichnet die Einstellung von Arbeitskräften aus Drittstaaten in früheren Umfragen als zu aufwändig.

“In den kommenden Jahren noch schlimmer”

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sagt dem RND, für Wachstum und Wohlstand brauche Deutschland mehr Fachkräfte. „Die Situation wird in den kommenden Jahren durch den demografischen Wandel noch schlimmer“, so der CDU-Politiker. „Ohne einen starken Mittelstand mit ausreichend qualifiziertem Personal werden wir unsere Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft auf Dauer nicht aufrechterhalten können.“

Das Thema wird beim Integrationsgipfel an diesem Montag im Bundeskanzleramt eine zentrale Rolle spielen. Vor dem Treffen pochen die Städte auf finanzielle Planungssicherheit bei der Eingliederung von Zuwanderern. „Integration ist eine gesamtstaatliche Aufgabe, zu der die Städte besonders engagiert beitragen. Denn Integration findet vor Ort statt“, sagte Ulf Kämpfer (SPD), stellvertretender Präsident des Deutschen Städtetages und Oberbürgermeister von Kiel, dem RND.

„Die Städte brauchen hier finanzielle Planungssicherheit, Bund und Länder müssen die Städte nachhaltig bei den Integrationsaufgaben unterstützen. Dazu gehört auch eine möglichst gute Vorbereitung der Menschen, die nach Deutschland zuwandern wollen.“ Der Bund sei hier in der Verantwortung: „Es ist deshalb richtig und wichtig, dass der Nationale Aktionsplan Integration die Phase vor der eigentlichen Zuwanderung genauer in den Blick nimmt.“

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