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Wirbeltiere haben Gefühle – Briten wollen Vorreiter beim Tierschutz werden

  • Nach dem Brexit möchte die britische Regierung nun schärfere Gesetze für den Tierschutz beschließen.
  • Sie will unter anderem gesetzlich anerkennen, dass Wirbeltiere Gefühle haben.
  • Außerdem sind ein Exportverbot für lebende Tiere und härtere Strafen für Tierquälerei vorgesehen.
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London. Katzen und Schwäne empfinden Freude; Hunde und Frösche ertragen Leid; Hühner und Salamander spüren Schmerzen oder auch Vergnügen. Dass Wirbeltiere Gefühle haben, wird in Großbritannien künftig auch gesetzlich anerkannt.

Der Umstand gelte als bewiesen für all jene Tiere, „die ein Rückenmark besitzen“, hieß es vonseiten der Regierung in London, bevor das neue Gesetz am Dienstag in der „Queen’s Speech“ vorgestellt wurde.

Es gehört eigentlich zum Höhepunkt des politischen Kalenders in Großbritannien, wenn Königin Elizabeth II. auf dem mit Gold verzierten Thron die Regierungserklärung verliest. Dieses Jahr aber war aufgrund der Corona-Pandemie vieles anders. Es waren weniger Politiker im House of Lords anwesend, sie saßen auf Distanz.

Die Rituale und Traditionen wurden zwar trotz der Restriktionen aufrechterhalten, doch es herrschte deutlich weniger Pomp. So kam die Königin in einem blasslila Tageskleid, ohne Kutsche und Krone auf dem Haupt. Es war ihre insgesamt 67. „Queen’s Speech“ und ihr erster zeremonieller Auftritt seit der Trauerfeier nach dem Tod von Prinz Philip am 9. April. Ohnehin ist die Monarchin nur das feierliche Sprachrohr, die Rede stammt stets aus der Feder der Regierung.

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Prince Philip in Windsor beigesetzt
3:04 min
Der Herzog von Edinburgh, Prince Philip wurde am Samstag in Windsor westlich von London beigesetzt.  © Reuters

Mehr Tierschutz nach dem Brexit

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Dass Wirbeltiere ein Empfindungsvermögen haben, war nur eine der neuen Regelungen, mit denen die Regierung das Königreich zum weltweiten Vorreiter beim Thema Tierrechte machen möchte. Man wolle „den Vorteil nutzen aus unserem Status als unabhängige Nation außerhalb der EU, um beim Schutz unserer Tiere weiter zu gehen“, las die politisch unparteiische Queen im Auftrag der Downing Street vor.

Schon am Wochenende betonte Umweltminister George Eustice, dass viele Änderungen erst durch den Brexit möglich geworden seien. Dazu gehöre etwa das Exportverbot für lebende Tiere, das gestern ebenfalls vorgestellt wurde. Außerdem sollen die Strafen für Tierquälerei von sechs Monaten auf maximal fünf Jahre Gefängnis steigen.

Man will sowohl den Import von Jagdtrophäen verbieten als auch die Haltung von Primaten. Und offenbar plant die Regierung, Pelzeinfuhren zu verbieten. Auch die Tötung von Schweinen durch die Kohlendioxidvergasung soll beendet werden.

Tory-Partei macht Kehrtwende

Die Regelungen, die noch vom Parlament verabschiedet werden müssen, zeigen neben der Neuausrichtung der Sozial- und Abkehr der Sparpolitik, wie grundlegend Boris Johnson die Tory-Partei umzubauen versucht. Noch vor elf Jahren versprach die konservative Regierung ihren Wählern, die umstrittene Treibjagd auf Füchse mit Hundemeuten wieder zu legalisieren, die 2004 verboten worden war.

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Die Tiere mit Pferden und Hundestaffeln zu verfolgen galt über Jahrzehnte als britische Tradition der Oberschicht und damit der klassischen Tory-Wähler. Nun fährt Johnsons Regierung dagegen beim Tierschutz einen entgegengesetzten Kurs. Dies sende „ein wichtiges Signal an die Welt“, sagte Minister Eustice.

Prinz Charles und Prinz William sind Tierfreunde

Prinz Charles und seine Frau Camilla begleiteten die Königin in den Westminster-Palast. Der Thronfolger dürfte äußerst zufrieden über die neuen Gesetze sein, denn das Thema Umweltschutz liegt ihm seit Jahrzehnten am Herzen.

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Und sein Sohn, Prinz William, tritt in die Fußstapfen des Vaters. Seit Jahren schon engagiert sich der 38-jährige Royal im Kampf gegen organisierte Wilderei. Der Schirmherr mehrerer Naturschutzorganisationen will ein Bewusstsein schaffen und richtet dafür Konferenzen aus, ließ sich für eine Dokumentation bei Trips auf den afrikanischen Kontinent begleiten und rief einen Umweltpreis ins Leben.

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Nun zieht die Politik nach – und Carrie Symonds, Boris Johnsons Verlobte, dürfte daran nicht ganz unschuldig sein. Kritiker verweisen auf den Einfluss der 33-Jährigen hinter den Kulissen. Die einstige Kommunikationschefin der Konservativen ist überzeugte Umwelt- und Tierschützerin, war zuletzt bei Bloomberg für die PR eines Ozean-Schutzprogramms verantwortlich und wurde kürzlich zur Kommunikationschefin einer Tierschutz-Stiftung ernannt, die sich für die Erhaltung gefährdeter Arten einsetzt.

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