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„Wir bräuchten 40.000 zusätzliche Pflegekräfte“

  • Die Deutsche Krankenhausgesellschaft nennt die Belastung auf Intensivstationen „körperlich und mental immens“.
  • Die Diskussion über Gewinner unter den Kliniken sei aber unseriös.
  • Intensivmediziner fordern für Pflegekräfte Arbeitszeitverkürzung bei vollem Gehalt.
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Berlin. Die deutschen Krankenhäuser leiden trotz der im vorigen Jahr aufgestockten Zahl der Pflegekräfte weiter unter massivem Personal­mangel. Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, sagte dem Redaktions­Netzwerk Deutschland (RND): „Wir bräuchten bundesweit rund 40.000 zusätzliche Pflegekräfte.“

Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) spricht von einem Verlust von mehr als 2000 Intensivbetten mit invasiver Beatmungsmöglichkeit unter anderem wegen fehlenden Pflegepersonals. Die Lage sei dramatisch.

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Gaß: „Corona ist eine Extremsituation für Pfleger und Ärzte“

Gaß betonte: „Corona ist eine Extremsituation für Pfleger und Ärzte.“ Seit einem Jahr sei sowohl auf Infektions- als auch auf Intensivstationen die Belastung körperlich, aber auch mental immens. „Hinzu kommt, dass es schon in Normalzeiten eine große Belastung ist, dass sie keine feste freie Zeit haben, sondern aus freien Tagen zurückgerufen werden, wenn andere ausfallen oder mehr Patienten kommen.“

Zu den Engpässen in der Corona-Pandemie sagte er: „Es stimmt, dass wir nicht für jedes als Reserve vorgehaltene Intensivbett hoch qualifiziertes Intensivpflegepersonal zur Verfügung haben. Aber in Notsituationen wie in einer solchen Pandemie ist es besser, überhaupt die Bettenkapazitäten zu haben und mit gemischten Teams aus erfahrenem Intensivpflegepersonal und anderen Pflegekräften zu arbeiten, als Patienten gänzlich unversorgt zu lassen.“

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Die Diskussion über Gewinner unter den Kliniken im Pandemiejahr nannte Gaß unseriös: „Noch kein Krankenhaus hat ein abschließendes Budget für das Jahr 2020 verhandelt, bei dem auch die Ausgleichszahlungen berücksichtigt wurden.“ In dieser Diskussion würden auch immer nur die Erträge der Kliniken betrachtet. „Die Kostenseite, die auch durch massive Kostensteigerungen belastet ist, bleibt gänzlich unberücksichtigt.“

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Die aktuellsten Erkenntnisse zur wirtschaftlichen Lage der Krankenhäuser bezögen sich auf 2019. „Demnach schreibt mehr als ein Drittel der Kliniken Verluste, ein weiteres Drittel erwirtschaftet gerade eine ‚schwarze Null‘, und der Rest er­wirt­schaf­tet positive Zahlen.“

Medizinisch-wissenschaftlicher Leiter des Divi-Intensivregisters: „Das ist dramatisch“

Der medizinisch-wissenschaftliche Leiter des Divi-Intensivregisters, Christian Karagiannidis, sagte dem RND, im November 2020 seien rund 12.200 Intensivbetten mit invasiver Beatmungsmöglichkeit registriert worden – 5300 freie und 6900 belegte.

Heute seien nur knapp unter 10.000 dieser Betten als betreibbar erfasst. Frei seien davon 1958. Der Grund für den Verlust von mehr als 2000 Betten sei auch fehlendes Pflegepersonal. „Das ist dramatisch“, sagte Karagiannidis.

Er erklärte weiter: „Wir fragen bei den Intensivstationen auch die Einschätzung der derzeitigen Betriebssituation ab. Rot heißt eingeschränkter Betrieb, gelb teilweise eingeschränkter Betrieb und grün Regelbetrieb. Heute stehen 517 Ampeln auf Rot, 281 auf Gelb und 383 auf Grün. Davon geben 681 Kliniken als Grund Personalmangel an.“

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Der für 2023 bereits designierte Divi-Präsident Felix Walcher schlägt zur Motivation von Pflegekräften und Anerkennung ihrer Leistung etwa vor: „Älteren Mitarbeitenden im Schichtdienst sollte ein Lebensarbeitszeitkonto angeboten werden – etwa eine anteilige Anrechnung von Berufsjahren im Schichtdienst für früheren Renteneintritt: je Berufsjahr im Drei­schicht­dienst einen Monat früher in den Ruhestand. Oder es wird das volle Gehalt für 80 Prozent Arbeitszeit gezahlt.“

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