Iran warnt nach Angriff vor Folgen für Atomgespräche

  • Irans Atomanlage Natans war am Sonntag mutmaßlich angegriffen worden.
  • Nun warnt Außenminister Sarif vor Folgen für die Verhandlungen zur Rettung des internationalen Atomabkommens.
  • Sein russischer Kollege Lawrow drängt zur Eile.
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Teheran. Nach dem mutmaßlich israelischen Angriff auf die iranische Atomanlage Natans warnt die Führung in Teheran vor negativen Auswirkungen auf die Bemühungen zur Rettung des internationalen Atomabkommens. „Der Vorfall in Natans erschwert die Verhandlungen“, sagte Außenminister Dschawad Sarif am Dienstag am Rande von Gesprächen mit Russlands Außenminister Sergej Lawrow. Lawrow warnte bei seinem Iran-Besuch sogar vor einem Scheitern der internationalen Gespräche über die Zukunft des 2015 geschlossenen Abkommens. Zugleich kritisierte er die Europäer.

Der russische Außenminister drängte zur Eile bei den Gesprächen, an denen auch Deutschland beteiligt ist. „Ich glaube, dass wir nicht viel Zeit haben.“ Diejenigen, die die Verhandlungen stören und letztlich begraben wollten, wüssten, dass es nur ein bestimmtes Zeitfenster gebe. „Wir verurteilen alle Versuche, diese wichtigen Verhandlungen zu untergraben“, sagte er der Nachrichtenagentur Interfax zufolge.

Irans Präsident Hassan Ruhani knüpfte bei einem Treffen mit dem russischen Außenminister den Erfolg der Verhandlungen an Bedingungen. „Was wir wollen, ist, dass alles so wird wie nach dem Abkommen 2015 und dass alle Seiten sich an die Abmachungen halten (...) - nicht mehr, aber auch nicht weniger“, sagte er nach Angaben des Präsidialbüros.

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Iran spricht von „Terrorakt“

Der Iran sprach nach dem Angriff am vergangenen Sonntag auf die Atomanlage von einem „Terrorakt“. In einem Schreiben an UN-Generalsekretär António Guterres machte Sarif erneut Isreal dafür verantwortlich und sprach von einem „Kriegsverbrechen“. Auch US-Geheimdienste vermuten Israel dahinter. Nach Angaben der iranischen Atomorganisation AEOI richtete der Vorfall keine größeren Schäden an. „Das war nur eine leichte Brise, die uns nicht mal zum Zittern bringt“, behauptete ein Sprecher. Die „New York Times“ hingegen berichtete unter Berufung auf US-Geheimdienstler, die Uran-Anreicherung des Iran werde um mindestens neun Monate zurückgeworfen.

Washington war 2018 einseitig aus dem Wiener Abkommen ausgestiegen. Als Reaktion auf Strafmaßnahmen begann der Iran, vereinbarte Obergrenzen für die Produktion von Uran zu überschreiten. Bei den laufenden Atomgesprächen geht es um die Bedingungen für eine Rückkehr zu der Übereinkunft. Da jedoch auch der neue US-Präsident Joe Biden die Sanktionen kurzfristig nicht aufheben will, richtet sich die Führung in Teheran mehr nach China und Russland aus.

Lawrow kritisiert verschärfte EU-Sanktionen

Erst am Montag hatte der Rat der EU-Mitgliedstaaten schärfere EU-Sanktionen gegen den Iran wegen Verstößen gegen grundlegende Menschenrechte verhängt. Diese Angelegenheit werfe viele Fragen auf, kritisierte Lawrow. „Wenn es in der Europäischen Union keine Koordination gibt, und die rechte Hand nicht weiß, was die linke tut, ist das eine Katastrophe.“ Wenn diese Entscheidung aber bewusst inmitten der Gespräche über eine Rettung des Atomabkommens getroffen worden sei, sei das ein Fehler, sagte Lawrow.

Bei Lawrows Besuch verabredeten beide Länder eine engere Zusammenarbeit. Dabei geht es den Angaben nach etwa um eine Kooperation bei der Produktion des russischen Corona-Impfstoffes Sputnik V. Vor Russland hatte der Iran Ende März bereits mit China ein Vertrag über eine Zusammenarbeit mit einer Laufzeit von 25 Jahren unterzeichnet. Damit ist der Weg frei für Investitionen Chinas.

RND/dpa

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