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Winfried Kretschmann warnt Volksparteien: „Trainerwechsel“ führen nicht weiter

  • Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) mahnt SPD und Union.
  • Es mache keinen Sinn, ständig die Vorsitzenden auszutauschen, sagt er.
  • Sie müssten stattdessen wieder lernen, groß zu denken.
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Berlin. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat die Personaldebatten in den Volksparteien kritisiert. „Auf jeden Fall sind ständige Trainerwechsel auch in der Politik kein Erfolgsrezept“, sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Der Vorsitzendenverschleiß der SPD ist mir unbegreiflich.“ Schließlich sei die letzte gewählte SPD-Vorsitzende „Andrea Nahles doch eine in der Wolle gefärbte Sozialdemokratin“ gewesen. „Gleichwohl hat man sie nach kurzer Zeit abgemeiert. Dabei kann doch niemand nach kurzer Zeit Wunder bewirken und Parteien aus der Krise führen.“

Kretschmann fügte hinzu: „Und jetzt geht die CDU in eine ähnliche Spur. Dabei hat sie Annegret Kramp-Karrenbauer doch gerade erst vor einem Jahr zur Vorsitzenden gewählt und führt jetzt trotzdem ständig eine verdeckte Personaldebatte. So etwas kann doch nicht gelingen.“

Lob für die eigene Partei

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CDU und SPD täten „sich offensichtlich schwer, sich auf neue Zeiten einzustellen“ und „politisch wieder groß zu denken“, so der Grünen-Politiker. Dies gelte besonders für die CDU, die früher durchaus Mut gehabt habe – „mit der Westbindung, mit Europa, mit dem Euro, mit der Wiedervereinigung“ und bei der man sich heute nicht mehr sicher sein könne, ob sie einer Euro-Einführung abermals zustimmen würde. „Mein Rat: Think big! Sich nur im Klein-Klein zu verlieren, reicht eben nicht.“

Der Ministerpräsident lobte in dem Zusammenhang die eigene Partei. „Wir haben das auch oft gehabt bei den Grünen. Unsere Doppelspitzen haben fast nie funktioniert. Jetzt haben wir eine, die funktioniert. Und man sieht gleich, wie die Partei durch einen rundum guten Bundesvorstand an Kraft gewinnt. Sogar der linke Flügel hat akzeptiert, dass es zwei realpolitische Vorsitzende gibt und macht da nicht ewig dran rum und träumt nicht von einem linken Vormann oder einer linken Vorfrau.“ Ja, es seien jetzt „erstaunlicherweise die Grünen, die stabil sind, eine klare mittlere Linie verfolgen und nicht alle Nase lang etwas anderes machen“.

Kretschmann hatte sich in der Vergangenheit oft an der eigenen Partei gerieben, aber schon beim letzten Parteitag in Bielefeld versöhnliche Töne angeschlagen.