RKI-Chef Wieler: „Wir sehen verstärkt Ausbrüche in Kitas“

  • Die Infektionszahlen steigen weiter, RKI-Chef Lothar Wieler spricht bereits vom Beginn einer dritten Corona-Welle.
  • Zusammen mit Gesundheitsminister Jens Spahn informierte er heute über die aktuellen Entwicklungen in der Corona-Pandemie.
  • Die Variante B.1.1.7 könnte vor allem in Schulen und in Kitas auf dem Vormarsch sein, vermutete Wieler: „Wir sehen verstärkt Ausbrüche in Kitas.“
Anja Gribhofer
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Berlin. Angesichts weiter steigender Infektionszahlen wird die Angst vor einer dritten Corona-Welle immer größer. Gesundheitsminister Jens Spahn und RKI-Chef Lothar Wieler haben heute über die aktuellen Entwicklungen in der Corona-Pandemie informiert. Die Variante B.1.1.7 könnte vor allem in Schulen und in Kitas auf dem Vormarsch sein, vermutete Wieler: „Wir sehen verstärkt Ausbrüche in Kitas.“

Ebenfalls bei der Pressekonferenz zur Corona-Lage anwesend war Anke Richter-Scheer, Vorstandsmitglied des Hausärzteverbands Westfalen-Lippe und Leiterin des Impfzentrums im Kreis Minden-Lübbecke.

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RKI-Präsident Wieler: Kampf gegen die Pandemie ist ein Marathon
2:18 min
Der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, hält die aktuellen Infektionszahlen für nicht akzeptabel.  © Reuters
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Spahn bereitete auf herausfordernde Wochen vor: „Die Lage bleibt angespannt, die Fallzahlen steigen wieder und die Mutationen breiten sich aus“, so der Gesundheitsminister. Gleichzeitig hob er positive Entwicklungen hervor – beispielsweise die weitestgehende Impfung der Altenheimbewohner, den Rückgang von Todesfällen und die Einrichtung einer Schnelltestinfrastruktur. Sechs Millionen Deutsche seien bereits geimpft. „In den letzten zwei Tagen waren es über 270.000 Impfungen am Tag – es gewinnt an Dynamik“, so Jens Spahn weiter.

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Noch einmal kündigte der Gesundheitsminister an, dass Mitte April auch in den Arztpraxen geimpft werden solle. Vorher sei dies nicht möglich, da nicht genug Impfstoff vorhanden sei, um Impfzentren und Arztpraxen mit Impfdosen zu versorgen. Spahn erteilte eine Absage an Forderungen, auf die Impfpriorisierung zu verzichten. „Hätten wir nicht zuerst die Älteren geimpft, hätten wir weniger Menschen vor schweren Verläufen geschützt,“ so Spahn.

Inzidenz bei unter 15-Jährigen steigt

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RKI-Chef Lothar Wieler betonte: „Jetzt stehen wir am Anfang der dritten Welle. Diese müssen wir so flach halten wie möglich.“ Noch einmal mahnte er dazu, sich an die Hygieneregeln zu halten und Kontakte so weit wie möglich zu beschränken. Die Variante B.1.1.7 könnte vor allem in Schulen und in Kitas auf dem Vormarsch sein, vermutete der RKI-Chef zudem. Bei den unter 15-Jährigen steige die Inzidenz rasch an. „Wir sehen verstärkt Ausbrüche in Kitas“, so Wieler.

Auch Wieler unterstrich, wie wichtig es gewesen sei, ältere Menschen zuerst zu impfen. „Wir sehen derzeit, dass die Todesfälle zurückgehen. Das ist sicherlich auch ein Effekt der Impfungen“, so der RKI-Chef. Wieler warb für den verantwortungsvollen Umgang mit Schnelltests. Wer sich krank fühle, solle zu Hause bleiben.

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Anke Richter-Scheer, Vorstandsmitglied des Hausärzteverbands Westfalen-Lippe, unterstrich die wichtige Arbeit der Impfzentren. Gleichzeitig müssten die Hausarztpraxen so schnell wie möglich mit dem Impfen beginnen. „Das ist unsere ureigene Sache, warum nicht bestehende Strukturen nutzen?“, so Richter-Scheer.

Hausärzte wollen impfen

Deutsche Hausärzte fordern, das Impfen zu beschleunigen und den Arztpraxen zu überlassen. Nach Vorstellungen des Hausärzteverbandes sollten die Impfzentren auslaufen und die Impfungen nur noch bei niedergelassenen Ärzten stattfinden. Verbandspräsident Ulrich Weigeldt sagte, die Hausärzte seien erschüttert und fassungslos darüber, dass „der längst überfällige Impfstart in unseren Praxen nun weiterhin auf die lange Bank geschoben“ werde. „Derweil liegen Millionen Impfstoffdosen ungenutzt herum in kostenintensiven Impfzentren, deren Anonymität gerade ältere Menschen scheuen.“

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Bisher kein Zusammenhang zwischen Astrazeneca und Thrombosen

Zu den möglichen schweren Nebenwirkungen des Astrazeneca-Impfstoffes sagte Gesundheitsminister Jens Spahn, dass dieser Sachverhalt sehr ernst genommen werde. Es werde untersucht, ob es einen kausalen Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Thrombosen und der Impfung gebe. Bisher habe sich diese Erkenntnis jedoch nicht ergeben, so Spahn weiter.

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Spahn: Deutschland wird weiter mit Astrazeneca impfen
1:14 min
Zuvor hatten mehrere Länder die Verwendung des Impfstoffs vorläufig ausgesetzt, darunter Dänemark.  © Reuters

In der Diskussion um der Maskenaffäre verwies der CDU-Gesundheitsminister darauf, dass zu Beginn der Krise schnelle Reaktionen bei der Maskenbeschaffung gefragt waren. Er forderte, in der öffentlichen Diskussion zu differenzieren. Viele Abgeordnete hätte E-Mails von Händlern und Maskenanbietern weitergeleitet, um schnell „in der Not“ zu helfen.

Zahlen des RKI

Die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland steigt derweil weiter an. Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert-Koch-Institut (RKI) binnen eines Tages 12.834 Corona-Neuinfektionen gemeldet – also 2254 mehr als vor genau einer Woche. Das geht aus Zahlen des RKI vom Freitag hervor.

Auch die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner (Sieben-Tage-Inzidenz) lag am Freitagmorgen mit 72,4 deutlich höher als am Vortag (69,1).

RND/ag/dpa

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