• Startseite
  • Politik
  • Wieder droht Gas-Ärger im Mittelmeer: Erdogan kündigt neue Bohrungen an

Wieder droht Gas-Ärger im Mittelmeer: Erdogan kündigt neue Bohrungen an

  • Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan will wieder Bohrschiffe in die umstrittenen Gewässer im östlichen Mittelmeer schicken.
  • Damit möchte Erdogan vor allem innenpolitisch punkten.
  • Aber er riskiert neue Spannungen mit Griechenland und der Europäischen Union.
|
Anzeige
Anzeige

Athen. Erst vor drei Wochen gaben sich der griechische Premier Kyriakos Mitsotakis und der türkische Präsident Erdogan die Hand. Bei einem Treffen am Rand des Nato-Gipfels in Brüssel gelobten sie die „Wiederbelebung des Dialogs“.

Die Spannungen vom vergangenen Sommer, als der Streit um die Erdgas­vorkommen eskalierte und die Kriegsflotten beider Länder im östlichen Mittelmeer auffuhren, sollten sich nicht wiederholen. „Das Eis ist gebrochen“, hieß es in griechischen Delegations­kreisen nach dem Treffen in Brüssel.

Aber jetzt geht das Tauwetter schon wieder zu Ende.

Anzeige

Türkei erkennt UN-Konvention nicht an

Nachdem die Türkei unter dem Druck drohender EU-Sanktionen Ende Dezember ihre Gasexplorationen in den umstrittenen Seegebieten eingestellt hatte, kündigte Erdogan nun die Rückkehr der türkischen Bohrschiffe an. „Wir werden unsere Explorationen im östlichen Mittelmeer, bei Zypern und den anderen Seegebieten fortsetzen“, sagte Erdogan am vergangenen Freitag bei einer Kundgebung im westtürkischen Sakarya.

„Wir werden unsere Rechte wahrnehmen, so oder so“, erklärte Erdogan. Unter Anspielung auf die EU fügte er hinzu: „Die Türkei nimmt keine Weisungen entgegen.“

Die türkische Erdgassuche ist umstritten, weil sie in Seegebieten stattfindet, die nach den Regeln der UN-Seerechtskonvention Griechenland und Zypern als ausschließliche Wirtschaftszonen (AWZ) zustehen. Die Türkei erkennt die UN-Konvention nicht an.

Anzeige
Recep Tayyip Erdogan, Präsident der Türkei. © Quelle: Mustafa Kamaci/Presidential Pres

Die EU hatte den Rückzug der türkischen Forschungsschiffe im vergangenen Dezember begrüßt, behält sich aber Sanktionen vor, falls türkische Bohrschiffe wieder in den strittigen Gebieten aufkreuzen.

Anzeige

Erdogans Partei verliert an Popularität

Erdogans Ankündigung dürfte vor allem innenpolitisch motiviert sein. Der türkische Staatschef und seine islamisch-konservative Regierungspartei AKP verlieren an Popularität. In einer Umfrage vom Mai kam die AKP nur noch auf 27 Prozent.

Video
Wegen Gaserkundungen im Mittelmeer: neue Sanktionen gegen die Türkei
0:56 min
Der Grund: Die Türkei sucht nach Gasvorkommen in Seegebieten, die nach Ansicht der EU zu Griechenland und Zypern gehören.  © Reuters

Der Hauptgrund ist die schwierige Wirtschaftslage. Die Inflation stieg im Juni auf 17,5 Prozent von 16,6 Prozent im Vormonat, so die am Montag veröffentlichten Daten des staatlichen Statistikamts Turkstat. Die Lira hat in den vergangenen zwölf Monaten ein Viertel ihres Außenwerts verloren.

Bekamen die Türken vor einem Jahr für 100 Lira noch 13 Euro, sind es jetzt nur noch 9,65 Euro. Die Arbeitslosen­quote liegt offiziell bei 14 Prozent, ist aber nach Schätzung unabhängiger Arbeitsmarkt­expertinnen und ‑experten in Wirklichkeit doppelt so hoch.

Fake News über Impfungen in Europa

Um seine Anhängerschaft bei der Stange zu halten, haut Erdogan nicht nur in der Außenpolitik auf die Pauke. Er scheut sich auch nicht, Fake News zu verbreiten. So behauptete der Staatschef jetzt, in Europa müssten die Menschen für Covid-Impfungen bezahlen. In Großbritannien koste das 50 Pfund, in Deutschland 100 bis 150 Euro, fabulierte er. Dagegen impfe die Türkei ihre Bürgerinnen und Bürger kostenlos. „Wir tun alles für die Gesundheit unseres Volkes“, brüstete sich Erdogan.

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen