Wiebke Winter: Ist sie die Zukunft der CDU?

  • Noch vor wenigen Wochen war Wiebke Winter Teil des CDU-Klimazukunftsteams und stand auf Platz drei der Bremer Landesliste.
  • Dann verpasste sie den Bundestagseinzug – und ihre Partei verlor den Regierungsanspruch. Doch die 25-Jährige lässt sich nicht unterkriegen.
  • Ab sofort begleitet das RND die junge Politikerin bei ihren nächsten Schritten - den Auftakt machen wir mit einem Porträt.
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Zack. Zack. Zack. So in etwa könnte man den Tagesablauf von Wiebke Winter beschreiben. „Ich nutze jede freie Minute, die ich habe“, erzählt die CDU-Politikerin in der Bremer Parteizentrale dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Doch wo manche ausgelaugt wären, wirkt die 25-jährige Norddeutsche mit dem breiten Lächeln noch motivierter. „Meine Aufgaben sind bunt. Ich arbeite eigentlich immer“, sagt sie fröhlich.

Winter wurde 1996 in Kiel geboren und lebt seit 1999 in Bremen. Das Abitur schloss sie als Zweitbeste der Hansestadt ab. Schon 2012 trat sie der Jungen Union bei, seit 2013 ist sie CDU-Mitglied. Jetzt studiert Winter Jura und schreibt an ihrer Promotion.

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Sie ist ein Arbeitstier, scheint die vielen Verpflichtungen, den Stress, zu brauchen: Winter ist Vorsitzende der Jungen Union Bremen, Vorsitzende vom JU-Arbeitskreis Frauen, arbeitet in der CDU-Bürgerschaftsfraktion, ist Mitgründerin des CDU-nahen Vereins Klima Union – und Mitglied des CDU-Bundesvorstands.

Wie sieht also ein Tag im Leben der Wiebke Winter aus? Vor dem Frühstück beantwortet die Christdemokratin Presseanfragen zu ihrer politischen Arbeit. Dann geht sie in das Hanseatische Oberlandesgericht Bremen, wo sie seit Anfang Oktober ihr juristisches Referendariat absolviert. Später macht sie weiter mit der Politik. Zwischendrin muss gelernt werden.

Wahlkampf für Laschet

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Für viele ist die Politikerin, die gerne Perlenohrringe trägt, erst seit diesem September ein Begriff. Im Wahlkampf hatte Kanzlerkandidat Armin Laschet sie in sein Zukunftsklimateam berufen. Winter sollte unter anderem der Wählerschaft vermitteln, dass die Union Klimaschutz oben auf die Agenda setzt. Zusammen mit Laschet hatte sie ein Klimapapier ausgearbeitet.

Doch der Sinkflug war bereits im Gang – und die Union verzeichnete am 26. September ihr historisch schlechtestes Ergebnis. „Wir hatten gute Inhalte – unser Papier zum Klimaschutz ist beispielsweise ein sehr ambitioniertes –, aber wir haben die Inhalte nicht gut genug verkauft“, sagt Winter enttäuscht.

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Bei dieser Niederlage blieb es jedoch nicht. Auf der Bremer Landesliste stand Winter auf Platz drei, für den Bundestagseinzug reichte das nicht. Besonders ärgerlich: Hätte ihre Partei den Regierungsauftrag bekommen, hätte sie in den Koalitionsgesprächen mitverhandeln dürfen. Für jemanden mit einem hohen Anspruch an sich selbst ist all das ziemlich bitter.

Nun muss sie sich außerhalb des Parlaments für ihr Herzensthema Klimaschutz stark machen. „Wir müssen mehr darüber sprechen, wie wir das Klimaproblem lösen, 1,5 Grad einhalten und die essenziellen Fragen klären, wie wir die Energiewende beschleunigen.“ Manchmal fehle es an Debatten mit inhaltlicher Tiefe, beklagt Winter wohl auch in Richtung ihrer eigenen Partei.

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Klima: ein Kampf gegen Windmühlen

In der Union gilt sie schon länger als eine Politikerin mit Zukunft. Beim Deutschlandtag 2018 der Jungen Union etwa bewies sie Mut, als sie den damaligen US-Botschafter und Trump-Fan Richard Grenell mit der gesellschaftspolitischen Situation in den USA konfrontierte. Damals fragte sie ihn nach den Belästigungsvorwürfen des von Trump für den Obersten Gerichtshof nominierten Brett Kavanaugh. Auf Twitter schrieb sie danach: „Ob die Vorwürfe wahr sind oder nicht, Sexismus und sexueller Missbrauch sollte ernst genommen werden!“

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Laschet nach Wahldebakel: „Die Verantwortung für dieses Ergebnis, die trage ich“
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Die Junge Union kommt in Münster zum Deutschlandtag zusammen. Auch CDU-Chef Armin Laschet spricht vor dem Parteinachwuchs.  © RND

Für das Klima kämpft sie in der CDU mitunter gegen Windmühlen. Auf dem diesjährigen Deutschlandtag wurde ein Antrag hervorgebracht, der vor einer Zersplitterung der CDU warnt und die Klima Union sowie die als rechts kritisierte Werteunion in einem Atemzug nannte. Dagegen habe sie sich wehren müssen, ärgert Winter sich. „Es geht nicht, dass die Klima Union und die Werteunion gleichgesetzt werden. Zum Glück wurde der Antrag in geänderter Form beschlossen.“ Ein bisschen Enttäuschung schwingt da dennoch mit. Wie viel Zeit sie in die Lösung parteiinterner Kabbeleien stecken muss, besonders beim Thema Klimaschutz, wo es der CDU an Authentizität mangelt, kann sie selbst nicht ganz glauben.

Trotzdem sagt sie: „Ich bin im Herzen eine Christdemokratin und aus voller Überzeugung CDU-Mitglied. Besonders der Gedanke der Leistungsgerechtigkeit hat mich beeindruckt, als ich 2012 in die JU eingetreten bin. Leistung muss sich lohnen.“ Auch die Garantie für innere Sicherheit, der Solidaritätsgedanke und das Sozialprofil überzeuge Winter nur bei der CDU.

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Die Union strebt infolge des Wahldebakels eine Erneuerung an. So wird sich der Bundesvorstand neu wählen lassen. Offen ist, wer die Partei künftig führen wird – klar ist bislang nur, dass es ein Mann sein wird, weil keine Frau nach der Spitze greift. In einer Mitgliederbefragung soll sich klären, welchen Kandidaten die Basis bevorzugt. Doch besonders wegen ihres geringen Frauenanteils steht die CDU seit geraumer Zeit in der Kritik. Winter weiß: „Die CDU muss jünger und weiblicher werden, das ist offensichtlich.“ Frauen müssten grundsätzlich mehr nach vorne treten, glaubt sie – und meint damit auch sich selbst.

Wiebke Winter arbeitet schon an ihren nächsten politischen Schritten. Sie will sich für die Bremer Bürgerschaftswahl 2023 aufstellen lassen. „Ich engagiere mich viel, um einen guten Listenplatz zu bekommen“, sagt sie entschlossen. Die Zeit bis zur Wahl wird sie füllen können. Zack. Zack. Zack. So viel ist sicher.

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