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Diese 25-Jährige ist die prominenteste Klimaschützerin der Union

  • Sie kämpft in ihrer eigenen Partei für mehr Klimaschutz und findet im Wahlkampf zunehmend Gehör.
  • Die 25-jährige Wiebke Winter aus Bremen möchte in den Bundestag. Einfach wird das jedoch nicht.
  • Winter vergleicht ihre Chancen auf den Einzug mit der Wahrscheinlichkeit eines Sieg von Werder Bremen gegen den FC Bayern.
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Bremen/Berlin. Hartnäckig streitet Wiebke Winter für mehr Klimaschutz. Laut und deutlich fordert die 25 Jahre alte CDU-Politikerin aus Bremen von ihrer Partei mehr Tempo bei der Energiewende. „Ich glaube daran, dass die CDU es schaffen kann, so viele erneuerbaren Energien aufzubauen, dass wir keine anderen Stromerzeuger mehr brauchen“, sagt Winter, die Mitglied im CDU-Bundesvorstand ist und erstmals für den Bundestag kandidiert. „Ich möchte, dass wir bis 2030 energetisch klimaneutral werden.“

Die Forderungen der Juristin aus Bremen, die gemeinsam mit anderen den Verein Klimaunion gegründet hat, finden zunehmend Gehör. Seit Wochen ist ihr Gesicht nicht nur auf Wahlplakaten zu sehen, sondern auch in Zeitungen, Online-Medien und im Fernsehen. Ende August stellte Unionskanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) Winter als Expertin seines Klima-Teams vor. „Ein Turbo für die Erneuerbaren“, heißt das Papier, das Winter gemeinsam mit den CDU-Bundestagsabgeordneten Andreas Jung und Thomas Heilmann geschrieben hat.

Armin Laschet (Mitte), Kanzlerkandidat der Unionsparteien, CDU-Bundesvorsitzender und Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, läuft bei einem Wahlkampfauftritt mit Thomas Röwekamp (links) und Wiebke Winter, CDU-Spitzenkandidaten für Bremen und Bremerhaven bei der Bundestagswahl, über den Marktplatz. © Quelle: Sina Schuldt/dpa

Im Wahlkampf fällt Winter nun auch an Laschets Seite auf. Sie sei eine Unterstützung für den NRW-Regierungschef, sagt der Bremer CDU-Vorsitzende Carsten Meyer-Heder. Winter stehe für einen engagierten Klimaschutz, der gleichzeitig Wirtschaft, Industrie und Arbeitsplätze im Blick behalte. Daher sollte sie Bundestagsabgeordnete werden, findet er.

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Zwölf bis vierzehn Stunden pro Tag Wahlkampf

Als Meyer-Heder Winter vor einigen Monaten fragte, ob sie Direktkandidatin werden wolle, überlegte Winter nicht lange. „Ich habe sofort Ja gesagt“, erzählt sie. Seitdem hat sich Vieles in ihrem Leben verändert. Ihre Arbeitszeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Bucerius Law School in Hamburg hat sie stark reduziert, den Abschluss ihrer Doktorarbeit über Künstliche Intelligenz und Big Data im Gesundheitswesen verschoben. Zwölf bis vierzehn Stunden pro Tag widmet sie nun ihrem Wahlkampf und der Partei, stellt sich bei Bürgerinnen und Bürgern an der Haustür vor, gibt Medien Interviews und fährt zu CDU-Treffen nach Berlin.

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Ihre Chance, über das Direktmandat für den Wahlkreis Bremen II - Bremerhaven in den Bundestag zu kommen, ist eher klein. „Es ist schwierig, es ist eine Herausforderung“, sagt sie und fügt lachend hinzu: „Einfach wäre natürlich auch langweilig.“ Dass die Union in den Umfragen abgestürzt ist, gefällt Winter nicht. „Vor sechs, sieben Monaten - als die CDU noch 15 Punkte vor der SPD lag - war schon eine realistischere Chance da“, sagt sie. „Jetzt ist es ein bisschen wie Werder Bremen gegen Bayern München.“

In der Tat wäre ihre Wahl eine Sensation, denn ihr Wahlkreis ist seit Jahrzehnten fest in SPD-Hand. Ihr direkter Konkurrent, der gelernte Kfz-Mechaniker und Hafenfacharbeiter Uwe Schmidt sitzt seit 2017 im Bundestag. Zu Winter äußern wollte sich Schmidt auf Nachfrage nicht.

Winter nur ein Wahlkampftrick?

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Während der SPD-Politiker Schmidt sich auf die Häfen konzentriert, an denen im Land Bremen viele Arbeitsplätze hängen, setzt Winter ihren Schwerpunkt auf Klimapolitik, um die Erderwärmung zu stoppen. „Wir brauchen neue, vielleicht auch jüngere Leute, die das voranbringen“, sagt sie. Dass ihre Partei bislang nicht als Vorreiter im Klimaschutz aufgefallen ist, hält Winter nicht von ihren Plänen ab. „Der Ausbau der erneuerbaren Energien ist der große Hebel, mit dem wir schon 85 Prozent der Treibhausgase eliminieren können“, sagt Winter. „Wir müssen jetzt den Ausbau wesentlich beschleunigen.“ Dass Laschet das Klima-Papier vorgestellt habe, zeige den hohen Stellenwert des Themas für die Union.

Manche Beobachter überzeugt das nicht. Winter werde als Wahlkampftrick genutzt, schreiben Journalisten. Auch der Moderator Markus Lanz konnte im Gespräch mit Winter nicht glauben, dass Laschet den Klimaschutz nun als prominentes CDU-Thema sieht - nach 16 Jahren mit Angela Merkel als Kanzlerin. Die Vorstellung des Klima-Teams zeige vielleicht nur, wie verzweifelt Laschet sei, bemerkte Lanz.

Winter dagegen ist sich sicher, dass die Union künftig mehr gegen den Klimawandel tun wird und die Punkte aus dem Klima-Papier im Falle einer Regierungsbeteiligung im Koalitionsvertrag landen.

Bundestag oder Referendariat

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Die 25-Jährige ist überzeugt davon, in der richtigen Partei zu sein. „Die Grünen machen Klima auf eine Art und Weise, wie ich niemals Klimapolitik gestalten würde“, sagt sie auf die Frage, ob sie nicht besser zu den Grünen passen würde. „Wir wollen alles klimaneutral machen. Und dafür setzen wir auf die soziale Marktwirtschaft“, erklärt Winter. Inzwischen gebe es die nötigen Technologien und erneuerbare Energien seien viel günstiger als Kohle und Atomstrom. „Es ist wirtschaftlich, wenn man auf erneuerbare Energien setzt.“

Dem Wahlsonntag blickt sie mit Spannung entgegen. Viel zu verlieren hat sie nicht. Als Landesvorsitzende der Jungen Union in Bremen, Mitglied des CDU-Bundesvorstandes und als CDU-Klimaexpertin wird ihre Stimme weiter Gehör finden. Sollte sie nicht in den Bundestag gewählt werden, wird sie Anfang Oktober ein Referendariat beginnen, um ihre juristische Ausbildung mit dem zweiten Staatsexamen abzuschließen. Und: „Ich werde auf jeden Fall weiter Politik machen“, sagt sie.

RND/dpa

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