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Wie stark ist die Zitruskraft?

Robert Habeck, Annalena Baerbock und Christian Lindner treten am Freitag für ein Pressestatement vor die Kameras.

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

der Begriff Zukunft hat schon zu Beginn der neuen Legislatur Konjunktur. Selten wurde ein Wort so häufig bemüht und angesichts des menschen­gemachten Klimawandels so sehr mit verzweifelten Hoffnungen gefüllt wie bei der Bundestagswahl 2021. Doch wie viel von den durchaus ernst zu nehmenden Klimazielen der Grünen wird sich in einem Bündnis mit den Liberalen halten lassen? Nach der gestrigen Fortsetzung der Sondierungen übten sich die Spitzen beider Parteien noch wenig konkret und fast zurückhaltend in gemeinsamer Aufbruchs­rhetorik. Vom „Brückenbauen“ war da die Rede, von „Modernisierung“ und von einer „Dynamik“, die nun abzuwarten sei. Auch ein fröhliches Selfie, das zu weiteren Memes hätte reizen können, gab es zumindest nicht von FDP und Grünen. Und ob nun zufällig oder bewusst, das Gebäude, in dem sich die Spitzen beider Parteien trafen, soll dem Vernehmen nach keinen Balkon gehabt haben.

Übereinstimmungen in den Zielen scheinen die Verhandler beider Parteien immerhin gefunden zu haben, doch ausgerechnet bei den Reizthemen Klima und Finanzen, suche man noch. Droht die gerade erst erstarkte Zitruskraft von FDP und Grünen nun also schon zu verblassen? Antworten könnte es heute beim kleinen Parteitag der Grünen in Berlin geben. Auf der Versammlung werden Annalena Baerbock und Robert Habeck ihren Parteigenossen erklären müssen, zu welchen Zugeständnissen sie bei der Bildung einer Koalition bereit wären.

Die Wünsche der Erstwähler

Den deutschen Erstwählerinnen und ‑wählern käme ein entschiedener Schulterschluss von FDP und Grünen übrigens entgegen: Die Ökopartei und die Liberalen haben von jungen Wählerinnen und Wählern die meisten Stimmen erhalten. Während die Grünen bei den 18- bis 24-Jährigen mit 23 Prozent zu 21 Prozent vorne liegen, sind sie laut Daten des Meinungsforschungs­instituts Infratest Dimap mit jeweils 23 Prozent bei Erstwählenden gleichauf, berichten die beiden RND-Volontärinnen Chantal Ranke und Alisha Mendgen. „Das Wahlergebnis ist eine große Überraschung“, bilanziert darin Jugendforscher Klaus Hurrelmann gegenüber dem Redaktions­Netzwerk Deutschland (RND), der das Wahlverhalten von jungen Menschen seit Jahren beobachtet. „Aus den bisherigen Studien hatten wir immer die Tendenz, dass die jungen Wählerinnen und Wähler zunächst die Grünen und dann die AfD bevorzugen.“

Gelb statt Grün: Warum so viele junge Leute FDP wählen

Die beliebteste Partei bei Erstwählerinnen und Erstwählern war bei der Bundestagswahl die FDP. Vielleicht ist die Jugend doch nicht so grün wie gedacht.

Der Deutsche Bundestag wird divers

Dass bei dieser Bundestagwahl einiges anders war als in vorangegangenen Legislaturen, lässt sich übrigens auch an der Sitzverteilung im Deutschen Bundestag ablesen. Künftig werden auf diesen blauen Stühlen 735 Abgeordnete aus sieben verschiedenen Parteien Platz nehmen. Der Bundestag wird größer denn je, aber auch jünger, weiblicher und diverser, berichtet RND-Volontärin Alisha Mendgen: Das Durchschnittsalter der Parlamentarier ist gesunken und liegt nun bei etwa 47,5 Jahren. Niemals zuvor etwa saßen so viele Angehörige der Jusos im Bundestag.

Die jüngsten Abgeordneten mit Blick auf alle Parteien sind mit 23 Jahren die Grünen-Politikerin Emilia Fester aus Hamburg und der Grünen-Politiker Niklas Wagener aus Aschaffenburg. Zudem werden mehrere schwarze Menschen im Bundestag sitzen, was die Community zu Recht als großen Erfolg wertet. Und auch ein bisschen weiblicher wird das Parlament ausgerechnet in der Legislatur, in der die erste deutsche Kanzlerin ihren Abschied nimmt: Von 735 Sitzen werden immerhin 255 von Frauen besetzt sein. Ausgewogen ist das zwar noch lange nicht. Mit Blick auf die Geschichte lässt sich das Zahlenverhältnis dann doch als Fortschritt bezeichnen.

Kein Tag ohne Selfie

Ganz ohne Selfie blieb der Berliner Politikbetrieb gestern übrigens nicht: Neues Bildmaterial lieferte SPD-Gesundheits­experte Karl Lauterbach. Der Bundestags­abgeordnete aus Nordrhein-Westfalen twitterte eine Aufnahme, die ihn gemeinsam mit Virologie- und Sars-Experte Christian Drosten von der Berliner Charité zeigt. Der Grund ihres Treffens war der Fortgang der Corona-Pandemie – ein Zukunftsthema, das die Wahlkämpfer aller Parteien einhellig oftmals erfolgreich ausgespart hatten.

Zitat des Tages

Zwar keine Rockband. Aber immerhin voller Ideen, wie die vierte Welle so flach wie möglich über Deutschland spülen könnte.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach

auf Twitter zu einem sympathischen Selfie mit Virologe Christian Drosten

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Wieder nichts gelernt: An den zweifelhaften Erfolg ihrer Aktion #allesdichtmachen konnten die Macher der Onlineinitiative von #allesaufdentisch bisher nicht anknüpften. Das ist vermutlich auch gut so. Denn ein Blick in eine Auswahl der Videos, die unter anderem Schauspieler wie Wotan Wilke Möhring und Volker Bruch vor Kurzem auf Youtube veröffentlicht haben, zeigt, dass die Macher weiterhin zum Lager der Corona-Leugner tendieren. Wie wenig sie dazugelernt haben, zeigt unter anderem der Faktencheck meiner Kolleginnen Saskia Heinze und Laura Beigel.

Eine Kapsel Hoffnung: Lange gab es kein Medikament, das bei einer Infektion mit Sars-CoV-2 Heilung versprach. Gestern nun gab die Veröffentlichung von Ergebnissen einer neuen Studie Aussicht auf Behandlungserfolge: Das darin untersuchte Medikament soll die Zahl der schweren Verläufe und Todesfälle um die Hälfte senken.

Abschied von Bob Hanning: Für die einen ist er der Erneuerer des deutschen Handballs, für andere ein arroganter Selbst­darsteller. Klar ist: Bob Hanning polarisiert. Zum Ende seiner Dienstzeit als Vizepräsident des Deutschen Handball-Bundes setzt sich der frühere Handball-Nationaltorwart Jens Kürbis, heute Sportredakteur bei den „Lübecker Nachrichten“, kritisch mit dem Phänomen Hanning auseinander.

 

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Russisch wider Willen: Die Wahl der zweiten Fremdsprache ist an weiterführenden Schulen nicht immer problemlos möglich. Bisweilen reicht die Anzahl der Plätze für ein bestimmtes Angebot nicht aus, die Schülerinnen und Schüler müssen dann mit ihrem Zweitwunsch vorliebnehmen. In Leipzig führt das nun zu Streit, wie die „Leipziger Volkszeitung“ berichtet: Dort müssen an einem Gymnasium nun 23 Mädchen und Jungen Russisch lernen.

 

Termine des Tages

16 Uhr: Die deutschen Katholiken beenden heute ihre zweite Synodalversammlung zur Reform der Kirche. Ein zentrales Thema war, wie die Kirche nach dem Missbrauchsskandal erneuert werden kann.

18 Uhr: Pressekonferenz der Linken nach ganztägigen Beratungen über mögliche Schlussfolgerungen aus den Ergebnissen der Bundestagswahl.

 

Wer heute wichtig wird

Die Grünen kommen heute um 11 Uhr zu einem sogenannten kleinen Parteitag zusammen. Bei dem Treffen in Berlin soll der weitere Kurs in den Gesprächen über eine Regierungsbildung besprochen werden. Zudem soll auch die zehnköpfige Sondierungsgruppe um die beiden Parteichefs Annalena Baerbock und Robert Habeck offiziell mit dem Führen der Gespräche beauftragt werden.

Die Grünen kommen heute um 11 Uhr zu einem sogenannten kleinen Parteitag zusammen. Bei dem Treffen in Berlin soll der weitere Kurs in den Gesprächen über eine Regierungsbildung besprochen werden. Zudem soll auch die zehnköpfige Sondierungsgruppe um die beiden Parteichefs Annalena Baerbock und Robert Habeck offiziell mit dem Führen der Gespräche beauftragt werden.

 

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Ihre Dany Schrader

 

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