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Wie sich Trump-Vertraute bei der US-Gesundheitsbehörde CDC einmischen

  • Immer wieder bemühte sich US-Präsident Donald Trump, die Gefahr durch das Coronavirus herunterzuspielen.
  • Doch Wissenschaft und die wichtige US-Gesundheitsbehörde CDC kamen zu einer anderen Einschätzung und verärgerten Trump.
  • Der schickte daraufhin zwei neue Mitarbeiter zum CDC - nun prüft der Kongress, ob das Weiße Haus Informationen manipuliert.
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New York. Die Berichte der Gesundheitsbehörde passten oft nicht zur Haltung des Präsidenten. Mitunter kam sogar offener Widerspruch aus den Centers for Disease Control and Prevention (CDC). Um besser zu kontrollieren, was veröffentlicht wird, stellte das Weiße Haus dem Leiter der Behörde zwei neue „Berater“ zur Seite. Laut internen Quellen mischen sich diese in erheblichem Maße ein, obwohl sie keine Erfahrung im öffentlichen Gesundheitswesen haben.

Gerade zu Beginn der Pandemie bemühte sich Donald Trump, die vom Coronavirus ausgehende Gefahr kleinzureden. Nicht nur die Wissenschaft vertrat eine andere Einschätzung, sondern eben auch die zuständige Behörde – und das ärgerte den Präsidenten offenbar. Was genau die Aufgabe der beiden „Gesandten“ aus Washington sein sollte, war in der CDC-Zentrale in Atlanta zunächst unklar. Doch es sollte sich bald herausstellen.

Experten im Auge behalten

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Die „politischen Kräfte“ in der Gesundheitsbehörde seien damit beauftragt worden, die dort arbeitenden Experten und deren Chef Dr. Robert Redfield im Auge zu behalten, sagten mehrere Regierungsbeamte und CDC-Mitarbeiter der Nachrichtenagentur AP gegen Zusicherung von Anonymität. Deren Ernennung im Juni sei Teil eines Vorstoßes gewesen, den Corona-Informationsfluss in den Griff zu bekommen, nachdem einige durchgestochene Informationen für Aufregung gesorgt hätten.

Als die Trump-Vertrauten in Atlanta aufgekreuzt seien, habe es zunächst nicht einmal Büros für sie gegeben, hieß es. Eine der beiden, Nina Witkofsky, wurde aber bald zur Stabschefin ernannt. Damit ist sie gewissermaßen die rechte Hand von Redfield – und verfügt als solche über großen Einfluss. Der zweite Neuling, Witkofskys Stellvertreter Trey Moeller, begann den internen Quellen zufolge, sich regelmäßig bei wissenschaftlichen Besprechungen dazuzusetzen.

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Wegen der Coronavirus-Infektion fand das zweite TV-Duell zwischen dem amtierenden Präsidenten und seinem Herausforderer als Fernduell statt.  © Reuters

Kongress ermittelt

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Mehrere CDC-Mitarbeiter betonten gegenüber der AP, dass es schwer zu sagen sei, wie stark die beiden die Arbeit in Atlanta bisher geprägt hätten. Mit genau dieser Frage beschäftigen sich nun aber auch Ermittler des Kongresses, nachdem immer mehr Beweise für politische Einflussnahme auf wissenschaftliche Veröffentlichungen der Behörde aufgetaucht waren.

Das Weiße Haus wollte den Vorgang auf Anfrage nicht kommentieren. Die CDC-Pressestelle bestätigte nur, dass die beiden für die Behörde tätig und Redfield direkt unterstellt seien. Moeller betonte in einer E-Mail an die AP, dass sein Chef zu „hundert Prozent der Wissenschaft verpflichtet“ sei.

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Bei früheren Epidemien waren die CDC das Gesicht der staatlichen Gegenmaßnahmen, mit stets wissenschaftlich fundierten Empfehlungen. Auch zu Beginn der Corona-Krise galten sie als zentrale Anlaufstelle. Im Februar zeigte sich aber, dass ein von der Behörde entwickelter Schnelltest nicht funktionierte. Dann warnte die CDC-Expertin Dr. Nancy Messonnier in einer Pressekonferenz, dass die USA vor einer großen Gefahr stünden – und verärgerte damit den Präsidenten, der das Gegenteil behauptet hatte. Innerhalb weniger Wochen wurde die Behörde aus dem Rampenlicht verdrängt.

CDC verärgert US-Regierung

Hinter den Kulissen sammelten die CDC aber auch weiterhin Daten, die der offiziellen Linie des Weißen Hauses widersprachen. Im Mai konnte die AP Dokumente und E-Mails einsehen, aus denen hervorging, wie Washington detaillierte Leitlinien der Experten für erste Lockerungen verwarf. Die Medienberichte über den Vorgang sorgten innerhalb der Regierung für Unmut und verstärkten laut internen Quellen den Wunsch, die Behörde unter ihre Kontrolle zu bringen.

An einem Montag im Juni seien dann die beiden Neuen plötzlich in Atlanta aufgetaucht, sagt ein ehemaliger CDC-Mitarbeiter. Witkofsky, die in einer untergeordneten Rolle im Wahlkampf-Team von Trump aktiv gewesen war, galt formal zunächst als Beraterin. Mit ihrer Beförderung zur Stabschefin sei sie wenig später zu der Person geworden, die im Alltag enger als jede andere mit Redfield interagiere, heißt es aus Behördenkreisen.

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Trump geht weiter als seine Vorgänger

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Die Direktoren der Gesundheitsbehörde würden von der Regierung ernannt und es sei auch nicht ungewöhnlich, dass ein Präsident Einfluss auf die Informationspolitik des Hauses nehmen wolle, sagt Glen Nowak von der University of Georgia, der früher selbst für die Öffentlichkeitsarbeit der CDC zuständig war. Trump sei aber einen Schritt weiter gegangen als seine Vorgänger, indem er Vertraute direkt in die Zentrale in Atlanta geschickt habe.

Die studierte Betriebswirtin Witkofsky soll in ihrem neuen Job in engem Austausch mit Michael Caputo gestanden haben, dem Kommunikationschef des US-Gesundheitsministeriums, zu dem die CDC gehören. Das Büro von Caputo hatte laut Informationen der AP in den vergangenen Monaten versucht, die Hoheit über den „Morbidity and Mortality Weekly Report“, in dem die CDC aktuelle epidemiologische Daten veröffentlichen, an sich zu reißen.

Ähnlich wie Witkofsky hat auch Moeller keinen medizinischen Hintergrund – dafür aber gute Kontakte in der Republikanischen Partei. Im Jahr 2004 war Moeller Teil des Wahlkampf-Teams von George W. Bush und Dick Cheney gewesen. Auf seiner eigenen Facebook-Seite hatte er zuletzt ein „Make America Great Again“-Banner des aktuellen Trump-Teams gepostet.

“Absolut beängstigend”

Nun zählen Witkofsky und Moeller zu den Amtsträgern, die ein Sonderausschuss des US-Repräsentantenhauses zur Coronavirus-Krise befragen will. Hintergrund ist eine im September eingeleitete Untersuchung des Vorwurfs, dass Caputo und andere Vertreter der Trump-Regierung während der Pandemie die CDC an der Veröffentlichung von korrekten wissenschaftlichen Berichten gehindert haben sollen.

Die offensichtliche Einmischung aus Washington hat derweil dazu geführt, dass externe Experten gegenüber der sonst so renommierten Behörde skeptisch geworden sind. Er vertraue den von der Politik eingesetzten Kräften nicht, sagt der Impfstoff-Experte Dr. Rick Bright, der nach eigenen Angaben in Washington degradiert wurde, weil er sich in der Corona-Krise gegen Druck aus dem Weißen Haus zur Wehr gesetzt hatte.„Das ist absolut beängstigend“, sagt er. Die Öffentlichkeit werde mit uneinheitlichen Signalen konfrontiert. „Und ich denke, das steigert die Schwere und die Dauer dieser gesamten Pandemie.“

RND/AP

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