Wie gut sind wir vorbereitet?

  • Die Corona-Zahlen sind auf Rekordniveau, die Warnungen vor einem Lockdown werden lauter.
  • Hat das Land ausreichend aus der ersten Welle gelernt?
  • Die Kandidatensuche der CDU kommt heute mit einer ungewöhnlichen Abstimmung voran.
Das tägliche Briefing
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

wie oft haben wir es in den vergangenen Monaten von Politikern, Experten und Alltagsoptimisten gehört: Wir haben viel über das Virus gelernt, es seien viele Vorbereitungen getroffen, für eine „zweite Welle“ seien das Gesundheits­system und die Behörden diesmal besser gewappnet. Es scheint so, als würden diese hoffnungsvollen Worte in den nächsten Wochen auf den Prüfstand gestellt werden.

Die Zahl der täglichen Neuinfektionen ist seit Donnerstag höher als im Frühjahr, die Warnungen vor einem zweiten Lockdown werden lauter und dringlicher. Die RND-Redakteure Saskia Bücker und Andreas Niesmann sowie RND-Autorin Rebecca Lessmann haben die einzelnen Strategien gegen das Virus genau unter die Lupe genommen – und berichten, wie Deutschland im Corona-Abwehrkampf aufgestellt ist.

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Ihr Fazit ist durchwachsen: Zwar ist die Situation heute tatsächlich nicht mit dem Beginn der Pandemie zu vergleichen. Aber das Land steuert doch in eine neue Ungewissheit. Es wird mehr denn je darauf ankommen, ob sich die Menschen klug verhalten.

In vielen Ländern Europas ist die Corona-Situation noch dramatischer – und die Beschränkungen sind rigider. In Frankreich gilt ab heute in weiten Teilen des Landes eine nächtliche Ausgangssperre. Neben dem Großraum Paris sind die Städte Lille, Grenoble, Lyon, Aix-Marseille, Montpellier, Rouen, Toulouse und Saint-Étienne betroffen.

Die Maßnahmen sollen zunächst für mindestens vier Wochen gelten, dann aber mit Zustimmung des Parlaments bis zum 1. Dezember verlängert werden. Niemand darf nun während der Ausgangssperre ohne triftigen Grund vor die Tür. Auch dieser Blick auf die Nachbarn ist es wohl, der die Spitzen im Kanzleramt in diesen Tagen so düster klingen lässt.

Ein Mann trägt eine Maske und geht in Lyon an den leeren Tischen und Stühlen von Restaurants vorbei. © Quelle: Laurent Cipriani/AP/dpa
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Außenminister Maas: Apfelmosten in Quarantäne

Dabei sind die beunruhigenden Nachrichten nicht auf Deutschland und die Pandemie beschränkt. Außenminister Heiko Maas empfing RND-Haupt­stadt­korrespondentin Marina Kormbaki am Freitag in seinem Büro im ersten Stock des Auswärtigen Amts zum Gespräch. Auf Maas’ Schreibtisch steht eine Flasche frisch gemosteten Apfelsafts – „aus selbst geernteten Äpfeln“, wie Maas betont.

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Mit der Obsternte verbrachte der SPD-Politiker einen Teil seiner Quarantäne in Brandenburg, wohin er sich zurückzog, nachdem einer seiner Personenschützer positiv auf das Coronavirus getestet worden war. Der Apfelsaft ist ein Geschenk für die belarussische Literatur­nobel­preis­trägerin Swetlana Alexijewitsch, die Maas später am Tag traf.

Im Interview zeigt Maas sich erleichtert über die neuen Russland-Sanktionen, die die EU auf maßgebliches Betreiben der Bundesregierung in dieser Woche beschloss – eine Reaktion auf die Vergiftung des Oppositions­politikers Alexej Nawalny. „Unser Verhältnis zu Russland bleibt kompliziert“, sagt Maas.

Aber auch mit Blick auf die USA sieht Maas keinen Grund zur Hoffnung auf eine grundlegende Wende in den beiderseitigen Beziehungen. „Ich gehöre nicht zu denen, die meinen, dass mit einem Präsidenten Biden ,alles wieder gut‘ würde“, sagt Maas. „Möglicherweise sprechen wir uns unter einer anderen Regierung mit den Amerikanern besser ab. Es bleibt aber die Lehre: Wir Europäer müssen mehr Eigen­verantwortung übernehmen.“

Erste Abstimmung über CDU-Vorsitz

In der CDU hingegen werden sich so manche schon die Frage stellen, ob sie überhaupt einen Vorsitzenden brauchen. Seit Annegret Kramp-Karrenbauer im Februar ihren Rückzug ankündigte, befindet sich die Partei in einer Art Wartezustand – wobei es allerdings aufgrund der Corona-Pandemie den anderen Parteien wohl auch nicht so ganz viel anders geht.

An diesem Wochenende jedoch könnte der Dreikampf zwischen Armin Laschet, Friedrich Merz und Norbert Röttgen um die AKK-Nachfolge eine entscheidende Wendung nehmen. Alle drei Kandidaten stellen sich beim digitalen Deutschlandtag der Jungen Union vor. Das Besondere daran: Danach sollen die JU-Delegierten darüber abstimmen, wen der drei Kandidaten die Partei­jugend­organisation dann mit all ihren Stimmen unterstützt. Wer seine fünf Minuten Redezeit heute Abend nutzt, dem sind also schon mal erste Stimmen auf dem für den 4. Dezember geplanten Parteitag sicher.

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Zitat des Tages

Es wäre schade, wenn dieser Vertrag nicht mehr existieren würde.

Wladimir Putin, Russlands Präsident, will den letzten großen atomaren Abrüstungs­vertrag mit den USA verlängern.

Leseempfehlungen

Die Termine des Tages

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  • US-Präsident Donald Trump kämpft um die Unentschlossenen – mit Wahlkampf­auftritten in Macon, Georgia, und in Muskegon, Michigan.
  • Die 72. Frankfurter Buchmesse geht weiter – zumindest online. Wegen der Corona-Pandemie finden keine Publikumstage auf dem Messegelände statt, stattdessen gibt es ein vollgepacktes Programm im Netz und einige Aktionen. So liest der Publizist Michel Friedman im Rahmen des „Bookfest“ von den Stufen des Reichstags in Berlin aus seinem neuen Buch „Zeitenwende“.

Wer heute wichtig wird

Premierministerin Jacinda Ardern (Zweite von links) trifft sich am letzten Tag des Wahlkampfes bei einem Spaziergang durch den Vorort Onehunga mit Anhängern. © Quelle: Ben Mckay/AAP/dpa

Jacinda Ardern ist zwar erst drei Jahre im Amt, aber in dieser Zeit hat sie international viel Beachtung und Bewunderung erfahren – vor allem nach dem Terroranschlag von Christchurch mit 51 Todesopfern. Statt schärfere Strafgesetze zu beschließen, gingen Bilder von der neuseeländischen Premierministerin um die Welt, auf denen die heute 40-Jährige Überlebende und Angehörige der muslimischen Todesopfer eines rechtsextremen Terroristen umarmte und zu Frieden und Versöhnung aufrief. Heute möchte sie wiedergewählt werden – doch ihr liberaler Kurs ist nicht unumstritten. Ihre schärfste Gegnerin ist Judith Collins von der konservativen Nationalpartei. Mit einem Wahlergebnis wird für Sonntag unserer Zeit gerechnet.

Der Podcast des Tages

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Wir wünschen Ihnen einen guten Start in den Tag,

Ihr Dirk Schmaler, RND-Newsroom

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