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Wie Griechen mit Barrikaden die Unterbringung von Migranten blockieren

  • Die griechische Regierung will Zehntausende Flüchtlinge auf das Festland umsiedeln, um die heillos überfüllten Insellager zu entlasten.
  • Aber der Plan stößt vielerorts auf Widerstand.
  • So protestierten etwa in Naoussa Griechen mit Barrikaden und Autokorsos gegen das Vorhaben.
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Athen. Als die Fähre „Blue Star 2“ am Montagmorgen im Hafen von Piräus anlegte, waren unter den Passagieren auch 87 Flüchtlinge. Sie kamen von den Inseln Leros und Kos. Kurz zuvor hatte bereits die „Nissos Samos“ angedockt, mit 197 Geflüchteten von Lesbos und Chios.

Täglich kommen jetzt mehrere Hundert Flüchtlinge in Piräus an. Bis Mitte November will die Regierung rund 5000 Menschen aus den Inselcamps aufs Festland umsiedeln. Weitere 15.000 sollen in den nächsten Monaten folgen. Auf den Ägäisinseln hausen derzeit 31.925 Geflüchtete in Lagern, die nur für 6178 Personen ausgelegt sind. Auf dem Festland sollen die Menschen in Hotels, Pensionen und leer stehenden Kasernen untergebracht werden.

Blockaden, Barrikaden und Autokorsos als Zeichen des Widerstands

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Aber in immer mehr Ortschaften regt sich Widerstand. Im nordgriechischen Giannitsa blockierten Einwohner die Zufahrtsstraßen, um Busse mit 150 Migranten aufzuhalten. In Naoussa protestierten Bürger mit Barrikaden und Autokorsos gegen den Plan der Behörden, Flüchtlinge in mehreren Hotels des Ortes unterzubringen. Der Bürgermeister von Kos hinderte 75 Flüchtlinge daran, von einem Passagierschiff auf seiner Insel an Land zu gehen. Die Schutzsuchenden mussten nach Piräus gebracht werden. In der Ortschaft Vrasna bei Thessaloniki verhinderten Einwohner mit Blockaden die Ankunft von 400 Flüchtlingen. Proteste gab es auch in Serres, Kilkis, Skydra und Kalamaria.

Initiatoren der zunehmend militanten und rassistisch geprägten Aktionen sind häufig Funktionäre und Anhänger rechtsextremistischer Organisationen wie der Neonazi-Bewegung Goldene Morgenröte und der nationalistischen Partei Griechische Lösung. Das griechische Nachrichtenportal in.gr schreibt, besonders in Nordgriechenland verbreite sich ein „giftiges Klima der Fremdenfeindlichkeit“.

Viele Hoteliers zögern, Migranten aufzunehmen

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Die Zahl der in Griechenland neu ankommenden Flüchtlinge ist seit dem Sommer stark angestiegen. Nach Angaben des für die Migrationspolitik zuständigen Vizeministers Giorgos Koumoutsakos kamen allein in den vergangenen vier Monaten 40.000 Migranten aus der Türkei zu den Inseln. Zum Vergleich: Im ganzen Vorjahr waren es 32.115.

Koumoutsakos setzt auf „Dialog mit der örtlichen Bevölkerung“, um deren Unterstützung zu gewinnen. Der Vizeminister wirbt für „Solidarität mit den Menschen der Grenzregion, die den Migrationsdruck am stärksten spüren“, und erklärt die Unterbringung der Flüchtlinge zu einer „nationalen Aufgabe, bei der wir alle mitmachen müssen“.

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Aber auch viele Hoteliers zögern, Migranten aufzunehmen. Sie fürchten Konflikte mit der örtlichen Bevölkerung. Außerdem bietet die Regierung nur 12 Euro pro Person und Nacht. Das ist vielen zu wenig. Zumal sich in der Branche herumgesprochen hat, dass die Regierung nicht pünktlich zahlt. Mehrere Hoteliers in Nordgriechenland, die im Winter 2018/19 Migranten beherbergten, warten bis heute auf ihr Geld.