EU

Wie die Zeitumstellung abgeschafft werden soll, ist ein Skandal

An diesem Donnerstag haben die EU-Minister schon wieder beraten, wie die Umstellung von Sommer- auf Winterzeit abgeschafft werden soll – und schon wieder ohne Ergebnis. Inzwischen wächst die Kritik daran, dass das Projekt nicht vorankommt. Dabei waren die Pläne von Anfang an absurd, kommentiert Steven Geyer.

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Kommentar. Im Grunde ist direkte Demokratie, sind also Volksabstimmungen und Volksbefragungen, ja eine hochgradig sympathische Idee. Leider wirken viele ihrer konkreten Einsätze derzeit eher abschreckend. Jüngstes Beispiel: Der Umgang der EU mit der geplanten Abschaffung der alljährlichen Zeitumstellung.

Selbst wenn man unterstellt, die Obsession (fast allein) der Deutschen für das Thema Sommer- gegen Winterzeit wäre den aktuellen politischen Aufwand der EU wert – obwohl dieselben Deutschen ihre Jetlags nach Amerika- oder Südostasien-Reisen offenbar sogar bestens überstehen:

Allein, dass eine weithin unbekannte Online-Umfrage, die vorher nicht als verbindlich galt und bei der in den meisten Mitgliedsstaaten unter einem Prozent der Bevölkerung abstimmte, nun die Basis einer so weitreichenden Veränderung für alle Europäer ist, ist ein Skandal.

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Das Chaos war absehbar

Ebenso absurd ist, wie naiv die EU-Kommission nach der Abstimmung das baldige Aus der Zeitumstellung ausrief.

Dabei war doch absehbar, dass es kommen musste, wie es nun gekommen ist und wie es auch die neuerliche Sitzung der zuständigen EU-Minister an diesem Donnerstag wieder zeigte: Entweder droht ein Chaos an neuen Zeitzonen in der EU – oder es dauert ewig, bis alle Mitgliedstaaten sich für ein Modell entschieden und das dann auch noch miteinander sinnvoll abgestimmt haben.

Umstrittene Online-Umfrage

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Wenn die CDU nun Druck aufbaut, der Voting-Wille nach Abschaffung der Winterzeit (Achtung: es wird trotzdem kalt werden im Herbst!) müsse schnellstens umgesetzt werden, ist das nur noch zynisch.

Wenn man schon phantasiert, dass sich die EU ausgerechnet mit dieser Maßnahme beliebt beim Wähler machen kann, dann hätte man sich bitteschön vorher ein realistisches Bild über die schwierige Umsetzung machen können.

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Ansonsten produziert man nur eins: Enttäuschung auf allen Seiten.

Von Steven Geyer/RND

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