Neue Strategie im Kabinett verabschiedet

Wie der Moorschutz im Kampf gegen den Klimawandel eingesetzt werden soll

Eine landwirtschaftlich genutzte Hochmoorfläche in Elsfleth (Niedersachsen).

Eine landwirtschaftlich genutzte Hochmoorfläche in Elsfleth (Niedersachsen).

Berlin. In Deutschland befindet sich ein bisher quasi ungenutzter Schatz für den natürlichen Klimaschutz: die Moore. Sie können Kohlenstoff für lange Zeit speichern und wirken kühlend auf ihre unmittelbare Umgebung. Die Bundesregierung will dieses Potenzial nutzen und hat dafür am Mittwoch ihre Moorschutzstrategie auf den Weg gebracht.

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Ziel der Strategie ist es, vertrocknete Moore zu Speichern von klimaschädlichem Kohlenstoffdioxid zu machen. „Trockengelegte Moore setzen große Mengen Treibhausgase frei und tragen so zur Klimakrise bei, daher müssen wir sie wiedervernässen“, sagte Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) am Mittwoch. In den Mooren sei „genauso viel Kohlenstoff gespeichert wie in allen deutschen Wäldern zusammen.“

Aktuell mehr als 90 Prozent der Moore entwässert

Derzeit sind mehr als 90 Prozent der Moore in Deutschland wegen land- und forstwirtschaftlicher Nutzung entwässert. Das sorgt dafür, dass sie in großem Maße Treibhausgase ausstoßen, statt schädliches CO₂ zu binden. Viele entwässerte Moore kommen in der Landwirtschaft zum Einsatz. Lemke will Landwirtinnen und Landwirte mit Förderprogrammen dazu bringen, auf nachhaltige Bewirtschaftungsformen umzusatteln. Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) teilte am Mittwoch mit, die Bundesregierung schaffe für Landwirtinnen und Landwirte „Anreize für einen echten Moorbodenschutz“.

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Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) begrüßte zwar, dass mithilfe der Strategie bis 2030 fünf Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente weniger in die Atmosphäre gelangen sollen. Das sei aber viel zu wenig. „Der BUND fordert daher, das Einsparziel der Moorstrategie zügig anzuheben“, sagte Nicola Uhde, Expertin für Moorschutzpolitik bei dem Umweltverband, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Schließlich hat sich die Regierung in ihrem Klimaschutzgesetz vorgenommen, bis 2030 insgesamt 65 Prozent der Treibhausgasemissionen abzubauen.“

Grünen-Politiker Gesenhues: „Wir müssen schleunigst nachsteuern“

Der umweltpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Jan-Niclas Gesenhues, warnte vor einem Verfehlen der Klimaziele. „Es ist richtig, dass beim Moorschutzprogramm freiwillige Elemente im Zentrum stehen, aber wir müssen schleunigst nachsteuern, wenn unsere Klimaziele mit Förderprogrammen allein nicht erreicht werden können“, sagte der Grünen-Politiker dem RND. „Dann braucht die öffentliche Hand ein Vorkaufsrecht für Moorflächen. Wir müssen Flurbereinigungsverfahren – also die Zusammenlegung von Landwirtschaftsflächen – verstärkt nutzen und Vorranggebiete für den Moorschutz festlegen.“

Gesenhues mahnte die Bedeutsamkeit der Moore an. „Wir müssen den Moorschutz ins überragende öffentliche Interesse übertragen und damit gesetzlich anerkennen, dass Moorschutz zentral für den Klimaschutz ist“, ergänzte er. „Straßenbau und die Ausweitung von industrieller Landwirtschaft auf Moorgebieten darf es nicht mehr geben. Wir können 50 Millionen Tonnen CO₂ durch Moorwiedervernässung einsparen – dieses Potenzial müssen wir nutzen.“

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