Wie der DGB Auszubildende in der Corona-Krise schützen will

  • In der Corona-Krise droht vielen Betrieben die Insolvenz – mit schlimmen Folgen auch für Lehrlinge.
  • Der DGB fordert einen Schutzschirm für Auszubildende.
  • Außerdem dringen die Gewerkschafter auf ein Spitzentreffen mit Politik und Wirtschaft.
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Berlin. Der Deutsche Gewerkschaftsbund fordert einen Schutzschirm für Auszubildende in der Corona-Krise. In einem an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) gerichteten Brief, der dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt, dringen der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann und seine Stellvertreterin Elke Hannack darauf, dass der Minister ein Spitzentreffen der Allianz für Aus- und Weiterbildung einberuft. In ihr kommen unter Federführung des Wirtschaftsministeriums unter anderem Gewerkschaften und Wirtschaftsvertreter zusammen.

„Die Corona-Krise hat unsere Gesellschaft voll erfasst und hat leider auch massive Auswirkungen auf den Ausbildungsmarkt“, schreiben die beiden an Altmaier. “Dies ist die Zeit, in der die Allianz für Aus- und Weiterbildung besonders gebraucht wird”, betonten Hoffmann und Hannack. Das Spitzentreffen müsse zwei Ziele haben: “Es geht darum, bestehende Ausbildungsverträge abzusichern und das neue Ausbildungsjahr im Sinne der Ausbildungschancen der jungen Generation und der Fachkräftesicherung der Betriebe gut zu gestalten.”

Die Idee einer Übernahmeprämie

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Wie könnte das funktionieren? Wie ließe sich die Ausbildung etwa im Fall einer Insolvenz sichern? In einem Positionspapier legt der DGB dar, wie ein Schutzschirm für Auszubildende aussehen könnte. Der DGB schlägt darin vor, “Unternehmen, die Auszubildende oder dual Studierende aus Insolvenzbetrieben übernehmen, vorerst befristet bis zum 31.12.2020 mit einer Übernahmeprämie zu unterstützen”.

Der DGB regt darüber hinaus an, Auszubildende unter anderem dadurch zu schützen, dass sie – wenn möglich – in Abteilungen ohne Kurzarbeit versetzt werden. Die Gewerkschaften fordern zudem, die überbetriebliche Ausbildung durch die Schaffung eines Zukunftsfonds zur Fachkräftesicherung unter der Beteiligung der Sozialpartner zu stärken. In Regionen mit angespanntem Ausbildungsmarkt solle die überbetriebliche Ausbildung befristet in den kommenden zwei Jahren gefördert werden.

Die Auswirkungen der Krise

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Der Handlungsbedarf ist aus Sicht des Gewerkschaftsbundes offensichtlich. Bereits 725.000 Betriebe in Deutschland haben Kurzarbeit angemeldet. Zum Vergleich: Insgesamt gibt es etwa 427.000 Ausbildungsbetriebe in Deutschland. “Angesichts dieser Zahlen ist schon jetzt offensichtlich, wie groß die Herausforderungen im kommenden Ausbildungsjahr werden. Gerade jetzt ist die Zeit, in der üblicherweise die neuen Ausbildungsverträge geschlossen werden”, sagte Hannack dem RND.

Der vorläufige Entwurf für den Berufsbildungsberichts 2020, der dem RND vorliegt, zeigt, dass die Probleme auch ohne Corona-Krise schon groß genug wären. Insgesamt haben 2,12 Millionen junge Menschen im Alter von 20 bis 34 Jahren keine abgeschlossene Ausbildung. Das ist ein Anstieg der Quote von 14,2 auf 14,4 Prozent. Besonders hoch ist die Ausbildungslosenquote in dieser Altersgruppe bei denen, die einen Hauptschulabschluss haben: Sie beläuft sich auf 33 Prozent, also ein Drittel der genannten Gruppe.

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Immer weniger Ausbildungsbetriebe

Alarmierend ist auch der Blick auf die Zahl der Ausbildungsbetriebe. Zwischen 2010 und 2018 ist der Anteil der Betriebe, die selbst ausbilden, von 23 Prozent auf 19,7 Prozent gesunken. Während es 2010 noch mehr als 481.000 Ausbildungsbetriebe gab, waren es 2018 noch 427.000 – rund 53.000 weniger. Niemand bezweifelt: Wenn es in der Corona-Krise Pleiten und Abbau von Arbeitsplätzen gibt, wird das auch die Auszubildenden treffen.

Hannack appellierte: „Die Arbeitgeber sind aufgefordert alle Möglichkeiten zu nutzen, um Azubis zu halten und neue zu gewinnen.“ Ihre Botschaft an die Arbeitgeber: „Wer jetzt vorschnell seinen Azubis kündigt, wird nach der Krise den Fachkräftemangel beklagen.“

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