Wie bunt wird Sachsen-Anhalt?

  • CDU oder AfD heißen die Optionen, wenn es darum geht, welche Partei die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt heute für sich entscheiden kann.
  • Ministerpräsident Reiner Haseloff könnte der Union dabei den ausschlaggebenden Vorteil bringen.
  • Während die FDP auf eine Rückkehr in den Landtag hofft, sieht es für die SPD erneut mau aus.
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

normalerweise gehört Sachsen-Anhalt nicht unbedingt zu den Bundesländern, die häufig im Fokus der bundesdeutschen Aufmerksamkeit stehen. Heute ist das anders. Heute sieht Deutschland nach Sachsen-Anhalt.

Mancher wird das mit Sorge tun. Die Wahl gilt als letzter großer Stimmungstest vor der Bundestagswahl im Herbst. Und dort, wo 1,8 Millionen Menschen dazu aufgerufen sind, einen neuen Landtag zu wählen, hat die AfD Chancen, erstmals stärkste Kraft in einem Parlament zu werden. In Umfragen liegt sie nur knapp hinter der CDU. Deren amtierender Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) hat dagegen ebenfalls gute Chancen auf eine dritte Amtszeit.

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Der katholische Sozialpolitiker Haseloff, der 2021 eigentlich nicht noch einmal antreten wollte, ist dabei eine Art politischer Jongleur in der Union, analysieren meine Kollegen Markus Decker und Jan Sternberg. Auf der einen Seite muss der 67-Jährige jene Teile der CDU-Landtagsfraktion auf Abstand halten, die lieber mit der AfD kooperieren würden. Eine Zusammenarbeit mit der Partei von Spitzenkandidat Oliver Kirchner nach der Wahl hat Haseloff bereits ausgeschlossen. Auf der anderen Seite versuchte er, die Themen der AfD zu „besetzen“ – nicht nur in der Flüchtlingspolitik, mittlerweile auch in der Corona-Politik.

Reiner Haseloff (CDU), Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt © Quelle: imago images/photothek

Dass Haseloff noch einmal antritt, hat angesichts der starken Umfragewerte der AfD – die fast gleichauf mit der Union liegt – wohl auch mit seiner persönlicher Popularität im Land zu tun. Die hat deutlich zugenommen und könnte am Ende ausschlaggebend dafür sein, dass die CDU erneut stärkste Kraft wird. „Bei den letzten ostdeutschen Landtagswahlen in Brandenburg, Sachsen und Thüringen haben die jeweiligen Regierungsparteien – beflügelt vom Amtsbonus ihrer Ministerpräsidenten – Boden gutgemacht und sich vor der AfD positioniert“, sagt der Politologe Everhard Holtmann im Gespräch mit RND-Hauptstadt­korrespondent Markus Decker. Er gehe davon aus, dass sich dieses Szenario in Sachsen-Anhalt wiederholen könnte.

Wenn heute Abend die ersten Prognosen und Hochrechnungen eintreffen, wird sich der Blick aber nicht nur auf den Wahlsieger richten. Seit fünf Jahren wird Sachsen-Anhalt von Deutschlands erster Kenia-Koalition aus Union, SPD und Grünen regiert. Ob dieses Bündnis auch nach der Wahl bestehen bleibt, ist fraglich – vor allem, wenn die FDP den Sprung zurück in den Magdeburger Landtag schafft. Dann wäre womöglich auch ein Bündnis aus CDU, SPD und Liberalen nach der Wahl möglich. Vorstellbar ist aber auch, dass eine Simbabwe-Koalition aus CDU, SPD, FDP und Grünen nötig wird.

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Denn für die Sozialdemokraten sieht es in den Umfragen nicht sonderlich gut aus – mal wieder. In Halle (Saale) hofft man dennoch auf ein kleines Wunder. Dort will Igor Matviyets das Direktmandat erobern – es wäre das erste für die SPD landesweit. RND-Hauptstadt­korrespondent Jan Sternberg war mit dem untypischen Kandidaten unterwegs.

Wie sich die Wähler am Ende entscheiden, darüber halten wir Sie natürlich auf dem Laufenden. Im Liveblog auf RND.de können Sie die Ereignisse des Wahltages aktuell mitverfolgen.

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Zitat des Tages

Hier in unserem Erzbistum werde ich als Bischof alles dafür tun, dass die Aufarbeitung weitergeht und ich und wir dem Auftrag Jesu gerecht werden, die Schwachen zu schützen und Missbrauch zu verhindern.

Rainer Maria Woelki, Kölner Erzbischof, schließt nach dem Rücktritts­angebot des Münchner Kardinals Marx aus, selbst zurückzutreten.

Leseempfehlungen

­50 Jahre nach „Wir haben abgetrieben“: 374 Frauen bekannten sich 1971 im Magazin „Stern“ dazu, abgetrieben und sich damit strafbar gemacht zu haben. Die Erinnerung an die Aktion ist noch immer präsent. Und das nicht nur für die, die damals in der Frauenbewegung waren. Woran liegt das? RND-Redakteurin Geraldine Oetken wirft einen Blick zurück.

Abschied von der Maskenpflicht? Das könnte wohl noch etwas dauern. Deutschland sei gut beraten, erst einmal vorsichtig zu bleiben. Warum eine vierte Welle nur so zu verhindern ist, berichtet Gernot Marx, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), im Interview mit RND-Redakteurin Saskia Heinze.

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Wer war der Tote aus der Arndtstraße? In Hannovers Innenstadt wird ein Mann auf der Straße in seinem Auto erschossen. Für die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ ist der Mann kein Unbekannter: Ein Blick ins Archiv zeigt, dass das Todesopfer der Polizei schon in jungen Jahren als Intensivtäter bekannt war und als Zwölfjähriger mehr als 50 Delikte begangen hatte.

Termine des Tages

Deutschlands U21-National­mannschaft will im Endspiel gegen Portugal den dritten Europameister­titel erobern. Die Auswahl von Trainer Stefan Kuntz kann sich mit einem Erfolg im Endspiel (21 Uhr) in Ljubljana wie die Teams in den Jahren 2009 und 2017 zum Champion krönen. Eine Entscheidung fällt auch im Frauenfußball: Die Spielerinnen des FC Bayern können heute (14 Uhr) im Heimspiel gegen den Pokalfinalisten Eintracht Frankfurt die Meisterschaft perfekt machen. Die Mannschaft von Trainer Jens Scheuer hat vor dem letzten Spieltag im Bundesliga-Fernduell mit Verfolger und Titelverteidiger VfL Wolfsburg zwei Punkte mehr auf dem Konto.

Mehr Ämter standen an einem Wahltag in Mexiko noch nie auf dem Spiel: Die Bürgerinnen und Bürger des lateinamerikanischen Landes entscheiden heute über mehr als 20.000 Posten. Auch in Peru sind die Wählerinnen und Wähler aufgerufen, ihre Stimme für ihren neuen Präsidenten abzugeben.

Was heute wichtig wird

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Ein Blitz im Unwetter über Kronberg (Hessen). © Quelle: imago images/Jan Eifert

Bereits am Freitag und am Samstag zogen teilweise schwere Unwetter über Deutschland hinweg. Und die Aussichten werden nicht wirklich besser: Bis einschließlich Dienstag soll es „unbeständig auf feuchtwarmem Niveau mit Unwetter­potenzial“ sein, heißt es beim Deutschen Wetterdienst (DWD). Erst für Mittwoch wird eine Wetterberuhigung in Aussicht gestellt.

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Ihre Sabine Gurol

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