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  • Werkverträge in Fleischbranche: Clemens Tönnies warnt Heil vor Abschaffung und negativen Folgen

Fleischfabrikant Tönnies warnt Heil vor Abschaffung von Werkverträgen

  • Nachdem sich in mehreren Fleischfabriken Arbeiter mit dem Coronavirus infiziert haben, wird über die Arbeitsbedingungen in der Branche diskutiert.
  • Bundesarbeitsminister Heil befürwortet die Abschaffung von Werkverträgen.
  • Clemens Tönnies warnt vor negativen Folgen.
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Berlin. In der Diskussion um Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie hat der Fleischfabrikant und Aufsichtsratschef des Bundesligisten FC Schalke 04, Clemens Tönnies, vor der Abschaffung von Werkverträgen gewarnt. Das berichtet die “Neue Osnabrücker Zeitung” unter Berufung auf ein Schreiben des Unternehmers an Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD). “Ein generelles Verbot von Werkverträgen in der Fleischwirtschaft hätte massive, strukturell-negative Veränderungen für die Agrarwirtschaft zur Folge”, argumentiert Tönnies den Angaben zufolge darin.

Arbeitsminister Heil hatte erkennen lassen, dass er eine Abschaffung von Werkverträgen in der Branche und höhere Bußgelder befürwortet. Es sei Zeit, “in diesem Bereich aufzuräumen und durchzugreifen”, sagte er. Über die Zustände in Schlachtereien wollte die Bundesregierung in einer Kabinettssitzung am Mittwoch beraten.

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Heil rechnet für Mittwoch mit Koalitionsentscheid zu Werkverträgen
1:09 min
In Schlachthöfen waren in den vergangenen Wochen teils Hunderte Mitarbeiter positiv auf eine Infektion mit dem Coronavirus getestet worden.  © Reuters
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Heil zufolge sind die strukturellen Probleme der Fleischindustrie nicht behoben. Die Unterkünfte für Arbeiter seien überbelegt und es würden Wuchermieten dafür verlangt. Gegen Corona-Hygieneregeln, den Mindestlohn und Arbeitszeitvorgaben würde verstoßen.

Das schlägt der Fleischfabrikant vor:

Statt Werkverträge abzuschaffen, schlägt Tönnies vor, das bestehende System zu reformieren und etwa einen Branchenmindestlohn von 12 Euro pro Stunde einzuführen. Zudem sollten die Auftraggeber der Subunternehmer "für eine menschenwürdige und wirtschaftlich faire Unterbringung aller Beschäftigten" haften. Die Behandlung der Arbeitnehmer könne unabhängig überwacht werden.

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Grüne bestehen auf Ende von Werkverträgen

Die Grünen bestehen indes weiter auf ein Ende von Werkverträgen. "Notwendig ist ein Verbot von Werkverträgen im Kernbereich. Wenn bis zu 90 Prozent der Schlachter und Fleischzerleger nicht beim Betrieb, sondern bei Subunternehmen arbeiten, wird die Verantwortung ausgelagert", sagte Grünen-Co-Chef Robert Habeck der "NOZ". "Die Regeln müssen verschärft werden, um die Ausbeutung in der Fleischindustrie zu stoppen", sagte Habeck weiter.

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Die Corona-Krise hatte die Aufmerksamkeit auf die Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie gelenkt. In der Pandemie hatten sich Arbeiter in mehreren fleischverarbeitenden Betrieben mit dem Virus infiziert.

RND/dpa

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