• Startseite
  • Politik
  • Werden Kurzarbeiter zu Arbeitslosen? Scholz will Bezugsdauer von Kurzarbeitergeld verlängern - wie geht das Experiment aus?

Werden Kurzarbeiter zu Arbeitslosen? Die Stunde der Wahrheit kommt nach der Wahl

  • Vizekanzler Olaf Scholz will die Bezugsdauer des Kurzarbeitergeldes verlängern. Das ist eine gute und eine schlechte Nachricht zugleich, kommentiert Andreas Niesmann.
  • Gut ist, dass Deutschland stark genug ist, das sündhaft teure Programm gegen die Krise weiter zu bezahlen.
  • Schlecht ist, dass niemand weiß, wie lange das Experiment noch dauert – und wie es am Ende ausgehen wird.
|
Anzeige
Anzeige

Berlin. Die Wirtschaftskrise infolge der Corona-Pandemie geht weiter. Nicht umsonst denkt Bundesfinanzminister und SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz nun öffentlich darüber nach, die Bezugsdauer des Kurzarbeitergeldes auf 24 Monate zu verlängern. Eigentlich ist nach zwölf und in Ausnahmefällen nach 21 Monaten Schluss. Scholz fürchtet, dass mit dem Ende der Kurzarbeit auch in Deutschland massenhaft Arbeitsplätze verloren gehen könnten. Im bevorstehenden Bundestagswahljahr will er das vermeiden.

Die gute Nachricht ist, dass der Vizekanzler und Kassenwart der Nation die öffentlichen Finanzen für so robust hält, dass sich der Bund eine Verlängerung des sündhaft teuren Anti-Krisen-Programms leisten kann. Du glückliches Deutschland!

Und trotzdem werden wir Zeugen eines gigantischen Experimentes mit ungewissem Ausgang. Gelingt es unserem Land ein zweites Mal, mit dem Kurzarbeitergeld unter dem Sturm der Krise hinwegzutauchen? Als Arbeitsminister in der Finanzkrise 2008 und 2009 hat Scholz bewiesen, dass das geht. Er setzt nun auf eine Wiederholung.

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Allerdings weiß auch der Minister, dass die Maßstäbe dieses Mal andere sind. 1,4 Millionen Kurzarbeiter gab es auf dem Höhepunkt der Finanzkrise im Mai 2009. Im Mai dieses Jahres waren es 6,7 Millionen – fast fünfmal so viele. Und auch die Bezugsdauer könnte deutlich länger sein: Niemand kann derzeit vorhersagen, wann Pandemie und wirtschaftliche Einschränkungen vorbei sind. Mit jedem weiteren Monat wächst das Risiko, dass aus Kurzarbeitern doch noch Arbeitslose werden – vor allem wenn die Bundestagswahl vorbei ist.

Anzeige

Und trotzdem scheint der Vorschlag derzeit der einzig realistische Weg zu sein. Die Idee der Linkspartei, die Arbeitszeit der Deutschen auf 30 Wochenstunden zu begrenzen, wirkt dagegen wie Traumtänzerei. Und die war noch nie ein gutes Rezept gegen die Krise.

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen