Wer Urlaub machen kann, kann auch Corona-Tests bezahlen

  • Angesichts steigender Neuinfektionen ist es richtig, dass die Bundesregierung verpflichtende Corona-Tests für Rückkehrer aus Risikogebieten anordnen will.
  • Nicht nachvollziehbar ist allerdings, die Kosten dafür auf die Allgemeinheit abzuwälzen, findet unser Kommentator Andreas Niesmann.
  • Gesundheitsminister Jens Spahn hätte besser das Verursacherprinzip beherzigt.
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Berlin. Wir Deutschen werden ja im Ausland gern als prinzipientreu, diszipliniert und auch als ein bisschen verkrampft beschrieben. Leichtigkeit, Lebenslust und Unbekümmertheit gehen uns demnach ab.

Dass sich dieses Klischee so hartnäckig hält, ist bemerkenswert, nehmen die meisten Menschen im Ausland uns Deutsche doch vor allem als Touristen war. Und im Urlaub – seien wir mal ehrlich – ist es mit der Disziplin nicht so weit her.

Wir ernähren uns ungesünder, geben mehr Geld für unnötigen Krempel aus, und selbst amourösen Abenteuern soll der eine oder die andere in Urlaubszeiten zugeneigter sein als im Rest des Jahres. Urlaub, das bedeutet für viele Menschen aus dem Alltagstrott auszubrechen, abzuschalten, mal Fünfe gerade sein zu lassen.

Kann es da verwundern, wenn es Urlauber mit den Abstands- und Hygieneregeln zur Bekämpfung der Corona-Pandemie nicht immer ganz genau nehmen? Eigentlich nicht, ist die Sehnsucht nach einem Stück Normalität in einem Jahr des Wahnsinns doch nur allzu menschlich.

Und trotzdem ist Gedankenlosigkeit töricht, denn das Coronavirus kennt keinen Urlaub. Dem Erreger ist es herzlich egal, ob er seine Opfer im schlecht gelüfteten Großraumbüro, dem Kühlbereich eines Schlachthofs oder in der überfüllten Strandbar antrifft. Sorglosigkeit wird mit Infektionen bestraft – so einfach ist das.

Eine zweite Welle hätte schwerwiegende Folgen

Dummerweise haben darunter nicht nur die Leichtsinnigen zu leiden, sondern alle. Eine zweite Corona-Welle hätte schwerwiegende Folgen für die gesamte Gesellschaft. Allein die wirtschaftlichen Auswirkungen eines neuerlichen Lockdows wären verheerend. Von den sozialen und gesundheitlichen Folgen ganz zu schweigen.

Es ist deshalb richtig, dass Bund und Länder auf die zunehmenden Infektionszahlen reagieren. Tatenlos zuzusehen, wie Reiserückkehrer zur Verbreitung des Virus beitragen, ist keine Option.

Zwar war bereits die bislang geltende Regelung relativ weitreichend, Rückkehrer aus Risikogebieten, die einen freiwilligen Test verweigern, in eine 14-tägige Zwangsquarantäne zu schicken. Doch eine solche Quarantäne lässt sich kaum wirksam kontrollieren.

Und es erfordert ein hohes Maß an Disziplin, zwei Wochen zu Hause zu bleiben, wenn man sich doch körperlich kerngesund fühlt. Zweifel daran, dass ausgerechnet jene diese Disziplin aufbringen, die vorher besonders leichtsinnig waren, sind angebracht.

Was geschieht mit Testverweigerern?

Das alles spricht für eine Corona-Testpflicht, wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sie nun für Einreisende aus Risikogebieten angekündigt hat. Der Schutz der Bevölkerung vor der Pandemie genießt Vorrang.

Was allerdings die Konsequenz sein soll, wenn Rückkehrer den verpflichtenden Test verweigern, darauf hat der CDU-Mann noch keine Antwort gegeben. Ein Bußgeld? Eine Probenentnahme unter Gewalt? Gar Beugehaft? Spahn muss schnell erklären, wie er sich das vorstellt – immerhin geht es um einen massiven Eingriff des Staates in das Recht seiner Bürger auf Selbstbestimmung.

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Kanzleramtschef Braun äußert sich zu Test-Pflicht an Flughäfen
2:06 min
Unter anderem Bayern hatte auf eine Pflicht zu Tests für Rückkehrer aus Risikogebieten direkt an den Flughäfen gedrungen.  © Reuters

Nicht nachvollziehbar ist die Ankündigung Spahns, die Tests für Reisende kostenlos zur Verfügung zu stellen. Der Minister hätte hier besser das Verursacherprinzip beherzigt. Wer sich entscheidet, ein Risiko einzugehen, muss die Konsequenzen, in diesem Fall die Testkosten, tragen. Das ist eine Frage der Eigenverantwortung und der Solidarität mit der Gemeinschaft.

Zumal es für jeden Einzelnen nicht um besonders hohe Summen geht. Gut 60 Euro werden für einen Test derzeit fällig, deutlich weniger, als die meisten Urlaubshotels pro Nacht berechnen. Das darf die Gemeinschaft jenen Mitbürgern, die unbedingt in Risikogebiete reisen wollen, gerade noch zumuten.

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