Wer nicht fragt, bleibt dumm

  • Die „Sesamstraße“ feiert 50-jähriges Jubiläum in Deutschland.
  • Die Sendung blickt auf eine bewegte Geschichte zurück, um die sich so einige Mythen ranken.
  • Ganz im Geiste von „Wieso, weshalb, warum?“ hinterfragt ein Medizin­statistiker, wie wir die Zahlen zur Pandemie sammeln.
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

sind auch Sie mit der „Sesamstraße“ groß geworden? Für einige Generationen gehört die berühmte Fernseh­sendung fest zur Kindheit. Millionen Deutsche können sofort mitsingen, wenn jemand „Der, die, das. Wer, wie, was?“ anstimmt.

Heute vor 50 Jahren flimmerte erstmals eine Folge der berühmten Sendung über deutsche TV‑Schirme. Zunächst allerdings noch ohne die deutsche Titelmusik, denn 1971 zeigte der Norddeutsche Rundfunk als Testlauf zunächst fünf unsynchronisierte Original­folgen der ursprünglich amerikanischen Serie. Übersetzt wurde erstmals zwei Jahre später, 1977 fanden dann erste in Deutschland produzierte Elemente Einzug in das berühmte Kinder­programm.

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Immer wieder wurde der Inhalt der Sendung dem Zeitgeist angepasst. Immer wieder gab es auch Kritik. Der Bayerische Rundfunk etwa strahlte die „Sesamstraße“ sicherheitshalber anfangs gar nicht aus. Die Geschichte der berühmten TV‑Sendung ist mithin auch ein Stück Zeit­geschichte. Martin Weber hat sie für uns aufgeschrieben.

Wer noch etwas tiefer in die Geschichte der „Sesamstraße“ eintauchen will, dem sei der Artikel von meinem Kollegen Matthias Schwarzer ans Herz gelegt. Schwarzer hat sich einige der Mythen, die sich um die Sendung ranken, genauer angeschaut. Wussten Sie etwa, dass der berühmte Song „Mahna Mahna“ ursprünglich aus einem Erotikfilm stammt? Oder was eigentlich Herrn von Bödefeld widerfuhr, der plötzlich aus der Sendung verschwand? Und Schwarzer widmet sich natürlich auch der Frage aller Fragen: Sind Ernie und Bert eigentlich ein Paar?

Wieso, weshalb, warum? Corona-Zahlen

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Die Aufforderung, sich Fragen zur eigenen Umwelt zu stellen und Geglaubtes zu hinterfragen, ist bis heute eine zentrale Botschaft der „Sesamstraße“. Im Pandemiealltag sind die aktuellen Corona-Zahlen für viele von uns zum täglichen Stimmungs­messer geworden. Mehr noch, sie sind unmittelbare Grundlage politischer Entscheidungen geworden, bestimmen über Ausgangs­­beschränkungen und den Grad persönlicher Grundrechts­­einschränkungen.

Einer, der genau diese Zahlen berufsmäßig infrage stellt, ist Tim Friede, Professor für Biostatistik an der Universitäts­medizin Göttingen und Mitglied der Deutschen Arbeits­gemeinschaft Statistik (DAG Stat). Zusammen mit anderen Experten fordert Friede genau für diese Zahlen, die für unseren Alltag so wichtig sind, eine bessere Qualität.

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Seine Kritik richtet sich dabei nicht bloß an die großen Begriffe der Corona-Statistik wie etwa die Sieben-Tage-Inzidenz, sondern gerade auch an „Bereiche wie zum Beispiel die häusliche Gewalt oder auch andere gesundheitliche Konsequenzen, etwa psychische Auswirkungen, (die) nicht in der gleichen Konsequenz systematisch verfolgt und (…) erhoben“ würden.

Im Interview mit meinem Kollegen Daniel Killy gibt Friede einen Einblick in ein Wissenschafts­gebiet, dessen Bedeutung in der gegenwärtigen Krise unbestritten, aber gleichzeitig nur für wenige Menschen zugänglich ist.

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Zitat des Tages

Nach gegenwärtigem Kenntnis­­stand ist das Risiko einer Virus­übertragung durch Personen, die vollständig geimpft wurden, spätestens zum Zeitpunkt ab dem 15. Tag nach Gabe der zweiten Impfdosis geringer als bei Vorliegen eines negativen Antigenschnelltests bei symptomlosen infizierten Personen.

Auszug aus einem aktuellen RKI-Bericht, der Hoffnung macht auf ein bisschen Normalität in der Pandemie.

Leseempfehlungen

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„Sie wollen ihn umbringen, nicht einsperren“: Wikileaks-Gründer Julian Assange sitzt seit 2019 in London im Gefängnis. Prominente Unterstützer setzen sich für seine Freilassung ein, der unermüdlichste aller Kämpfer ist sein Vater John Shipton. Dieser erhebt nun schwere Vorwürfe gegen Großbritannien, Schweden und die USA, wie RND-Korrespondentin Barbara Barkhausen berichtet.

­In 80 Tagen über die Alpen: Lotta Lubkoll hat eines Tages ihren Job gekündigt und sich einen Esel gekauft. Zusammen mit Jonny ist sie von München bis zum Mittelmeer gelaufen – 600 Kilometer in 80 Tagen. Im Video­interview mit RND-Redakteurin Geraldine Oetken hat sie über Esel, Träume und Pippi Langstrumpf gesprochen.

Aus unserem Netzwerk: Ohne Handy in die MPK

Immer wieder werden noch während Bund-Länder-Beratungen Informationen an Medien durchgestochen. Im Interview mit den „Lübecker Nachrichten“ kritisiert Schleswig-Holsteins Minister­präsident Daniel Günther genau das. Er will deshalb mit gutem Beispiel vorangehen und vor dem nächsten Gipfel sein Handy abgeben.

Termine des Tages

Regierungs­bildung in Israel: Die vierte Parlaments­wahl in Israel binnen vier Jahren endete erneut mit einem denkbar knappen Ergebnis. Weder das Lager des rechts­konservativen Minister­präsidenten Benjamin Netanjahu noch dessen Rivalen konnten eine klare Mehrheit erreichen. Nun beginnt Staats­präsident Reuven Rivlin Beratungen mit den Partei­chefs. Sollte keine stabile Koalition gebildet werden, drohen die fünften Neuwahlen.

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Reisen nach dem Lockdown: Die britische Regierung plant die Corona-Regeln Schritt für Schritt zu lockern. Heute stellt Premier­minister Boris Johnson Pläne für ein Ampel­system für inter­nationale Reisen vor, die frühestens ab Mitte Mai erlaubt sein könnten. Außerdem sollen weitere Details zu Impf­pässen bekannt gegeben werden.

Wer heute wichtig wird

Im Korruptions­prozess gegen den israelischen Minister­präsidenten Benjamin Netanjahu beginnt am Montag um 11 Uhr die Zeugen­vernehmung. Der 71‑Jährige ist wegen Betrugs, Untreue und Bestechlichkeit angeklagt. Zum Beginn der Sitzung muss Netanjahu anwesend sein. © Quelle: Maya Alleruzzo/Pool AP/dpa

Der Podcast des Tages

Warum sind in einem Bundesland die Abinoten besser als im anderen? Brauchen wir ein deutschland­weites Zentral­abitur? Und: Können die Prüfungen während der Pandemie normal statt­finden? Darüber hat RND-Hauptstadt­korrespondent Tobias Peter mit dem hessischen Kultus­minister Alexander Lorz gesprochen.

„Der Tag“ als Podcast

Die News zum Hören

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Ihr Paul Berten

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