Wenn Markus Söder die bayerische Angela Merkel gibt

  • Als bayerischer Ministerpräsident hat Markus Söder den Konfrontationskurs zu Angela Merkel aufgegeben.
  • Auch in der Corona-Krisenbewältigung verfolgen Kanzlerin und CSU-Chef den selben Kurs.
  • Ein Rückfall in alte Zeiten würde Söder schaden, kommentiert Daniela Vates.
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Berlin. Für Rollenspiele hat Markus Söder schon länger etwas übrig gehabt: Jedes Jahr zur Karnevalszeit ließ er via Kostüm wissen, wie er gerne gesehen werden wollte – als aufrührerischer Politpunk, als Reinkarnation des Langzeitministerpräsidenten Edmund Stoiber oder als Kronprinz.

Nun ist er Ministerpräsident und verkleidet sich nicht mehr im Karneval.

Dafür hat er seit einer Weile eine neue politische Rolle für sich entdeckt: Söder gibt nun die bayerische Angela Merkel. Er spricht von Maß und Mitte. Er lobt die Kanzlerin, wo er nur kann. Schon vor der Corona-Krise setzte er auf Harmonie mit der CDU statt auf Konkurrenz.

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Der Effekt ist bemerkenswert: Söders zunächst miserable Umfragewerte sind gestiegen. Der Ruf des durchtriebenen Karrieristen ist zumindest ein Stück weit einem positiveren Bild gewichen. Söder gilt nun als potenzieller Kanzlerkandidat der Union.

Söder schmeichelzart

Auf dem CSU-Parteitag hat Söder nichts unternommen, um diese neue Rolle abzuwehren. Im Gegenteil: Söder gab sich schmeichelzart.

Er hielt keine typische Parteitagsrede, sondern eine präsidiale Ansprache – mit Lob für andere Parteien und weitgehendem Verzicht aus Polemik.

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Das mag auch am ungewohnten Onlineformat gelegen haben: Auf einem Schreibtischstuhl mit Blick in einen Bildschirm aufrührerische Reden zu halten ist nun mal schwieriger als vor einer nach Unterhaltung lechzenden Halle voller Delegierter.

Aber Söder pries sich nicht einmal mehr als schwarzer Ministerpräsident an. Vom einstigen Chef-Scharfmacher der CSU ist kaum mehr etwas zu ahnen.

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All das mag eine Momentaufnahme sein und auch die Folge einer bitteren Erfahrung: Die Zuspitzerrolle ist Söder bei den letzten Wahlen schlecht bekommen.

Ein Wechsel zurück auf den alten Konfrontationskurs wird für Söder nun erstmal schwierig. Sein mühsam erworbenes Vertrauen bei den Wählern wäre bei einem erneuten Rollenwechsel vermutlich schnell dahin.

Der alte Ruf ist noch nicht vergessen.

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