Wenn der eigene Mann plötzlich Corona leugnet

  • Der Streit über die Corona-Pandemie reicht vom Bundestag über die Straßen bis an den Frühstückstisch.
  • In unserer Reportage zeichnen wir einen sehr privaten Konflikt darüber nach.
  • Außerdem wichtig: die (fehlenden) Worte der Podcast-Kanzlerin.
Das tägliche Briefing
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

diskutieren Sie privat noch gern über die Folgen der Corona-Pandemie, oder meiden Sie das Thema lieber? Fast jeder dürfte das mittlerweile erlebt haben: Auf einmal begegnet man jemandem, der die abstrusen Verschwörungs­theorien glaubt, die in den vergangenen Monaten einen erschreckenden Aufschwung erlebt haben. Und nicht selten stammen diese argumentativ Verirrten aus dem engeren Bekannten- oder sogar Familienkreis.

Unsere Kollegin Julia Rathcke zeichnet eine solche stille Radikalisierung nach. An Esoterik habe ihr Mann schon länger geglaubt, hat ihr eine besorgte Frau erzählt. Doch mit der Corona-Pandemie sei aus der losen Verbindung zu dieser „Schwurbler­szene“ ein gefährliches Weltbild entstanden, das sie privat sehr belaste. Am Küchentisch gibt es seither einen argumentativen Kleinkrieg über die Details der Corona-Politik.

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Das ist die private Seite der Verschwörungs­mythen. Die öffentliche war gestern einmal mehr in Berlin zu sehen. Dort lieferten sich masken­verweigernde, das Virus leugnende Demonstranten ein unwürdiges Schauspiel mit der Polizei. Zum Symbol ihres Hasses taugt auch das Robert-Koch-Institut. Bisher unbekannte Täter haben am Wochenende Brandsätze auf das Gebäude der Behörde geworfen. Der Staatsschutz ermittelt.

Eine Demonstrantin in Berlin. © Quelle: Getty Images

Und wie geht’s diese Woche weiter? Angela Merkel hat am Wochenende eingestanden, dass ihr im Moment nichts Neueres einfällt als die Mahnung an die Bürger, wann immer möglich, zu Hause zu bleiben. Sie ließ deshalb einfach ihre Ansprache von voriger Woche wiederholen. Die Podcast-Kanzlerin nennt unser Kommentator Jörg Kallmeyer sie deshalb. Aus seiner Sicht reicht das nicht. Spätestens in ihrer Regierungs­erklärung diese Woche müsse Merkel bessere Antworten finden. Intern hat die Kanzlerin einem Bericht zufolge schon gestern Abend deutlichere Worte gefunden.

Der bange Blick wird bis dahin auf die Zahlen gerichtet. Nicht nur in Deutschland waren zuletzt Höchststände an Neuinfektionen gemeldet worden. Spanien und Italien haben darauf mit neuen, harten Regeln reagiert. Auch dort gibt es zum Teil schwere Proteste gegen die Regierungen.

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Die Corona-Skeptiker sitzen also nicht nur am eigenen Küchentisch – sondern auch in anderen Ländern. Reporterin Julia Rathcke hat auch mit Fachleuten gesprochen. Leute wie Hildmann oder Naidoo seien nicht mehr empfänglich für Argumente, der Durchschnitts­leugner könne eventuell noch erreicht werden. Das hofft auch die Frau aus ihrer Reportage. Sie hat einige Kompromisse mit ihrem Mann geschlossen – und sehnt ein Ende der Pandemie herbei. Damit steht sie nicht allein.

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Zitat des Tages

Hören Sie nicht auf diejenigen, die verharmlosen oder beschwichtigen.

Gesundheitsminister Jens Spahn hat sich in einer Videobotschaft zu Wort gemeldet.

Leseempfehlungen

Tatortreiniger: Polizist, Arzt, Pilot – bei solchen Berufen hat man ein klares Bild vor Augen, wie der Arbeitsalltag aussieht. Aber wie sieht es beim Tatortreiniger aus? Muss man täglich literweise Blut von Mordschauplätzen entfernen? Und wie viel hat die Darstellung der NDR-Serie „Der Tatortreiniger“ mit dem wahren Leben zu tun? Wir haben mit Christian Höhne über genau solche Fragen gesprochen. Sein Beruf: Tatortreiniger.

Lehrerpräsident: Können Schulen in der Corona-Pandemie vielleicht doch zu Superspreadern werden? Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, fordert, die Politik dürfe diese Frage nicht leichtfertig mit Nein beantworten. Im RND-Interview kritisiert Meidinger das Krisen­management der Kultusminister in der Corona-Krise hart – und verrät auch, welche Note er den Ministern dafür geben würde.

Bauernkupplerin: Heute startet die bereits 16. Staffel der RTL-Show „Bauer sucht Frau“. Doch coronabedingt war der Dreh um einiges anders als sonst, wie Moderatorin Inka Bause unserem RND-Reporter Thomas Kielhorn verriet: „Meine Maskenbildnerin durfte mich mal nur mit Maske schminken, dann teilweise gar nicht mehr. Gefühlt haben sich wöchentlich die Bestimmungen geändert.“

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Die Termine des Tages

9.30 Uhr: Die CDU diskutiert über ihren Parteitag. Das für den 4. Dezember geplante Treffen wird wegen der drastisch steigenden Corona-Infektions­zahlen immer unwahrscheinlicher. Heute soll darüber entschieden werden.

Ganztägig: Das Plenum des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas berät über einen neuen Fünfjahresplan für die Wirtschaft. Angesichts des Handelskrieges mit den USA und der Corona-Pandemie strebt China eine größere Selbstständigkeit an.

Ab 18.30 Uhr: US-Präsident Donald Trump spricht gut eine Woche vor der Wahl im umkämpften Bundesstaat Pennsylvania an zwei verschiedenen Orten vor Anhängern.

Wer heute wichtig wird

Der US-Senat stimmt voraussichtlich über Amy Coney Barrett als Kandidatin für das Oberste Gericht der USA ab. © Quelle: imago images/UPI Photo
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Die Wahl von Amy Coney Barrett gilt als sicher. Warum das aber der vorerst letzte große Erfolg für die US-Republikaner werden könnte, beschreibt unser USA-Korrespondent Karl Doemens.

Jede Stunde neu: unsere News zum Hören

Wir wünschen Ihnen einen guten Start in die Woche,

aus dem Newsroom: Ihr Christian Palm

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