Wendepunkt Hanau? Man darf ja wohl noch träumen

  • Rassismus hat viele Gesichter, mal still und schleichend oder grausam und tödlich wie in Hanau.
  • Was bleibt nun nach diesem Terroranschlag?
  • Vielleicht beginnen wir endlich, als Einheit zu denken, kommentiert Harald Stutte.
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Hannover. Um es mit Martin Luther King zu sagen: “Ich habe einen Traum ...” Den Traum zum Beispiel, dass in Deutschland ein Politiker mit vietnamesischen Wurzeln Bundesgesundheitsminister wird und wir über die Vor- und Nachteile seiner Gesundheitspolitik streiten, nicht über seine Herkunft.

Den Traum, dass mit Spitzenpolitikern türkischer Abstammung über ihre Arbeit als Integrationsbeauftragte oder als Parteivorsitzender gestritten wird – ohne ihnen mit “Entsorgung” in Anatolien zu drohen. Den Traum auch, dass ein deutscher Verkehrspolizist mit schwarzer Hautfarbe eine Verkehrskontrolle durchführt – und der kontrollierte Rentner sich mit ihm über den nicht angelegten Sicherheitsgurt auseinandersetzt und sonst nichts.

Rassismus kommt nicht immer so grausam und tödlich daher wie in Hanau. Aber Rassismus hat viele Gesichter. Der stille, schleichende Rassismus wird oft nur von den Opfern registriert, die Mehrheit nimmt ihn gar nicht wahr. Denn er grenzt aus, er unterscheidet zwischen “uns” und “ihnen”. Wir alle sind aufgerufen, hier umzudenken. Weil dieses Land all jenen gehört, die hier leben. Hanau könnte einen Wendepunkt markieren.

Man darf ja wohl noch träumen … Vielleicht beginnen wir endlich, als Einheit zu denken – als eine Einheit von Mitbürgern in Vielfalt. Ganz nebenbei: Wir haben gar keine andere Wahl. Denn das Land, von dem Rassisten träumen, das wird es nie wieder geben. Und das ist auch gut so – bei allem, was derzeit falsch läuft.

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