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  • Weltraumbahnhof in der Nordsee: Wann soll das Projekt starten, welche Fragen sind noch offen?

Weltraumbahnhof in der Nordsee: Fragen und Antworten im Überblick

  • Von einer mobilen Startrampe aus sollen künftig Miniraketen auf hoher See ins All geschossen werden können.
  • Der Bundesverband der Deutschen Industrien (BDI) hat mit Raumfahrtunternehmen ein Konzept erstellt und erste Ergebnisse dem Bundeswirtschaftsministerium vorgestellt.
  • Doch wie soll solch ein Weltraumbahnhof in der Nordsee funktionieren?
Marcus Pfeiffer
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Berlin. Das Konzept für einen Weltraumbahnhof in der Nordsee hat ein Unternehmen für Windparkprojekte entwickelt – gemeinsam mit den drei deutschen Raumfahrt-Start-ups und der maritimen Wirtschaft. Das geht aus einem Beitrag des “Handelsblatt” hervor, wie die Deutsche Presse Agentur berichtet, der das Strategiepapier vorliegt. Die Plattform und die Begleitschiffe würden demnach für Starts jeweils aus dem Heimathafen Bremerhaven starten. Eine Privatfirma soll den mobilen Startplatz betreiben.

Bis zu 1100 neue Kleinsatelliten jährlich

Als Betreiber kämen demnach Reedereien infrage, die bereits heute Windräder aufs Meer bringen. Von Schiffen oder Plattformen könnten die Miniraketen auf hoher See abheben. Das ist ähnlich wie beim Aufstellen von Windrändern, wie es heute schon praktiziert wird. Zudem ist es wichtig, dass von dort aus Satelliten in polare und sonnensynchrone Umlaufbahnen geschossen werden können.

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“Diese Positionen werden immer wichtiger, weil Satelliten, die über die Pole fliegen, die gesamte Erdoberfläche abdecken”, sagte Marco Fuchs, Chef des Raumfahrtkonzerns OHB SE, dem “Handelsblatt”. Bisher würden diese Orbits nur selten genutzt werden, “aber das Interesse der kommerziellen Raumfahrt daran ist riesig”, so Fuchs. Die Hälfte der künftig etwa 1100 neuen Kleinsatelliten jährlich sollen in diese Orbits gebracht werden.

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Welche Raketen sollen in der Nordsee starten können?

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Das Konzept des BDI sieht nach den Informationen des “Handelsblatts” einen Startplatz für Kleinraketen in der Nordsee vor. Es sei der letzte notwendige Baustein für eine erfolgreiche New-Space-Strategie Deutschlands. Unter “New Space” versteht man die kommerzielle private Raumfahrt von nichtstaatlichen Organisationen. Sie bauen vorwiegende kleinere Satelliten, sogenannte “Microlauncher”, mit einer Nutzlast von 500 bis 1000 Kilogramm. Für sie soll der Weltraumbahnhof in der Nordsee errichtet werden. Die großen Trägerraketen, wie die Falcon 9, sind vergleichsweise bis zu 23 Tonnen schwer.

Stören die Raketenstarts auf hoher See die Menschen an Land?

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Die Starts sollen auf hoher See erfolgen, die Flugbahn ausschließlich über das Wasser erfolgen. Menschen an Land sollen mit dem Lärm also nicht belästigt werden, schließlich ist das der Teil der Nordsee im äußerten Norden Deutschlands.

Umweltschutz, Schiffs- und Flugverkehr: Welche Fragen bleiben offen?

Eine schwimmende Plattform im Meer sei in der Vergangenheit bereits als Startplatz genutzt worden. Viel anspruchsvoller werde es sein, “solche Dinge wie temporäre Luftverkehrssperrungen und die Vereinbarkeit mit anderem Schiffsverkehr zu klären”, so Marco Fuchs im Bericht des “Handelsblatts”. Auch die Belange von Umwelt- und Naturschutz seien zu berücksichtigen und “andere Nutzungen wie Fischerei und Offshore-Windparks selbstverständlich auch”.

Wer soll den Weltraumbahnhof in der Nordsee nutzen?

Ein deutscher Startplatz sollte nach dem Konzept des BDI allen europäischen und internationalen Partnern zur Nutzung offenstehen. In Deutschland gibt es bislang nur sehr wenige private Raumfahrtunternehmen. Drei von ihnen stellen solche Miniraketen her. Die ersten könnten schon in den nächsten beiden Jahren vom Band kommen und startbereit sein. Jedoch besitzt keines der Unternehmen über einen vertraglichen Startplatz in Europa, heißt es.

Wann soll das Weltraumprojekt in Deutschland starten?

Bis 2022, wenn die ersten deutschen Microlauncher verfügbar sein sollen, könnte man nach dem BDI-Konzept die Nordsee-Startinfrastruktur einsatzfähig haben, schreibt das “Handelsblatt”.

Wie soll der Weltraumbahnhof in der Nordsee finanziert werden?

Zu den finanziellen Auswirkungen ist bislang nur wenig bekannt: Nach dem Bericht im “Handelsblatt” müsse der Bund in den ersten sechs Jahren Anschubkosten von 30 Millionen Euro finanzieren. Im Anschluss soll sich demnach der Bund mit Aufträgen für Starts beteiligen.

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Was sagt die Politik zum Weltraumbahnhof?

Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte sich bereits im vergangenen Jahr aufgeschlossen für die Errichtung eines deutschen Weltraumbahnhofs gezeigt. Das Bundeswirtschaftsministerium will das Konzept des BDI nun genau prüfen, darunter falle auch der Vorschlag für die Nordsee. Es habe bereits ein Treffen von Raumfahrtunternehmen und Beamten im Ministerium gegeben, wie das Wirtschaftsministerium bestätigte. “Eine deutsche Startplattform ist technisch machbar, strategisch und wirtschaftlich sinnvoll”, heißt es wohl in dem Strategiepapier. Die Realisierung sei eine politische Entscheidung und keine technische Frage.

Wo gibt es weitere Weltraumbahnhöfe in Europa?

Seit einigen Jahren werden in Europa neue Startplätze gesucht. Im Planungsstadium befinden sich Plätze auf den Azoren, in Schottland, Schweden und Norwegen. Den einzigen einsatzbereiten Weltraumbahnhof Europas gibt es bislang nur in Französisch-Guayana nahe Kourou. Der ist aber mehr als 5000 Kilometer vom europäischen Festland entfernt. Kurzfristige Starts sind daher nicht möglich.

Wie schicken deutsche Hersteller kleine Satelliten bisher ins All?

Kleinsatelliten können bislang ausschließlich nur auf den Startplätzen für Großraketen ins All geschossen werden. Eine eigene Startplattform gibt es in Europa aktuell nicht. Die Hersteller müssen auf den jeweils nächsten Start einer Ariane- oder Falcon-Rakete warten und ihre Satelliten dann als Zuladung anbringen, berichtet das “Handelsblatt” weiter. Das sei teuer und aufwendig.

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