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Weltklimakonferenz: Spanien rügt Trump - “Keine Mauer schützt vor Klimawandel"

  • Der Kampf gegen die Klimakrise stockt, der CO2-Verbrauch steigt weiter an.
  • In Madrid läuft seit Montag die Weltklimakonferenz - vor allem - um ehrgeizigere nationale Klimaschutzpläne voranzutreiben.
  • Zu Beginn findet etwa UN-Generalsekretär Guterres deutliche Worte, die neue EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen kündigt verstärkte Bemühungen Europas an.
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Madrid. Zum Start der UN-Klimakonferenz hat UN-Generalsekretär António Guterres die Staaten eindringlich aufgefordert, im Kampf gegen die Klimakrise Tempo zu machen. "Wenn wir nicht schnell unseren Lebensstil ändern, gefährden wir das Leben an sich", sagte Guterres am Montag in Madrid zur Eröffnung der zweiwöchigen Konferenz, an der Delegationen aus knapp 200 Ländern teilnehmen. "Die Entscheidungen, die wir hier treffen, werden letztlich darüber bestimmen, ob wir einen Weg der Hoffnung gehen oder einen Weg der Kapitulation."

Die Wissenschaft zeige, dass die Erderwärmung und ihre dramatischen Folgen schneller voranschritten als erwartet. Millionen junge Menschen weltweit verlangten entschlossene Maßnahmen im Kampf gegen den Klimanotfall. "Wir müssen endlich zeigen, dass wir es ernst meinen damit, den Krieg gegen die Natur zu beenden."

Zurzeit zerstöre die Menschheit wissentlich die Ökosysteme, die sie am Leben erhalten, beklagte Guterres. Insbesondere fossile Brennstoffe wie Kohle Gas und Öl mussten da bleiben, wo sie sind: im Boden. "Entweder wir stoppen unsere Sucht nach Kohle, oder alle unsere Anstrengungen sind umsonst." Vor allem die Länder mit dem größten Treibhausgas-Ausstoß müssten mehr tun. "Was mich frustriert, (...) ist das langsame Tempo des Wandels, vor allem, weil wir die Technologien und Werkzeuge, die wir brauchen, schon haben", sagte Guterres.

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Er beklagte, dass der Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase trotz gegenteiliger Versprechen während der vergangenen zehn Jahre jährlich im Schnitt um 1,5 Prozent gestiegen sei. Um das Ziel zu erreichen, die Erwärmung der Erde langfristig auf 1,5 Grad zu begrenzen, müssten die Emissionen bis 2030 um 45 Prozent im Vergleich zu 2010 sinken. Das bedeute ein Minus von mehr als sieben Prozent jährlich. Insbesondere die Industriestaaten der G20 müssten mehr dafür tun.

Spaniens Ministerpräsident mit Spitze gegen Trump: Keine Mauer schützt vor Klimawandel

Das betrifft auch Europa. Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez forderte Europa auf, sich stärker als bisher seiner Verantwortung bezüglich der globalen CO2-Emissionen zu stellen. Dabei sicherte er zu, dass Spanien die Rate seiner Emissionsreduktion erhöhen werde, um die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens zu erreichen. Dieses sieht vor, dass bis 2030 mindestens 40 Prozent weniger Treibhausgase ausgestoßen werden als 1990, um die Erderwärmung auf unter zwei Grad und möglichst unter 1,5 Grad zu beschränken.

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Gleichzeitig warnte Sánchez davor, den Klimawandel nicht ernst zu nehmen oder sogar zu negieren. Ohne US-Präsident Donald Trump zu nennen, der den Ausstieg der Vereinigten Staaten aus dem Pariser Übereinkommen eingeleitet hat, sagte er: „Niemand kann sich dieser Herausforderung alleine entziehen. Es gibt keine Mauer, die hoch genug ist, um ein Land vor dieser Bedrohung zu schützen - so mächtig es auch sein mag.“

Die Menschheit sei noch in der Lage, den verursachten Schaden zu beheben, „und wir haben die Mittel, um dies möglich zu machen“. Dafür aber seien „Mut, Entschlossenheit und Solidarität“ nötig.

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Beginn der UN-Klimakonferenz
0:59 min
In Madrid beginnt heute die Weltklimakonferenz. Die Konferenz wird zeigen, wo die Welt steht in Sachen Klimaschutz.  © dpa

Von der Leyen: "CO2 muss einen Preis bekommen"

Die neue EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen zeigte sich zuvor bereits willens, die Klimapolitik Europas voranzutreiben. Sie kündigte verstärkte Anstrengungen Europas im Kampf gegen die Erderhitzung an. Wenn die Europäische Union wie angestrebt bis 2050 klimaneutral werden wolle, müsse jetzt gehandelt werden, sagte die Politikerin am Montag bei einer Gesprächsrunde mit mehreren Staats- und Regierungschefs. „Wir sind bereit, unseren Beitrag zu leisten.“

Von der Leyen kündigte an, im März erstmals ein EU-Umweltgesetz vorzulegen. Damit solle der Handel mit Verschmutzungsrechten auf alle Sektoren ausgeweitet werden. Zurzeit sind nur die Energiewirtschaft und energieintensive Industriebetriebe erfasst. „CO2 muss einen Preis bekommen“, sagte sie zur Begründung.

In zehn Tagen wird Europa nach den Worten der Kommissionschefin überdies seinen neuen „Green Deal“ präsentieren, eine neue Wachstumsstrategie. Der Plan werde Emissionen senken, Jobs schaffen und die Lebensqualität erhöhen, sagte sie. Nötig seien massive Investitionen, konkret etwa eine Billion Euro über die nächsten zehn Jahre. Wem das viel vorkomme, der solle bedenken, dass Nichtstun noch viel teurer zu stehen komme.

Oxfam will mehr Geld für arme Länder, die von Auswirkungen des Klimawandels betroffen sind

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Mehr zu tun für arme Länder mit klimabedingten Verlusten und Schäden - das forderte derweil die Nichtregierungsorganisation Oxfam. Ihr geht es dabei vor allem um mehr finanzielle Unterstützung. „Unsere Regierungen tragen zu einer Krise bei, die Millionen von Frauen, Männern und Kindern aus ihren Häusern vertreibt, und die ärmsten Menschen in den ärmsten Ländern zahlen den höchsten Preis“, sagte Chema Vera, geschäftsführender Direktor von Oxfam International, am Montag zum Beginn der 25. UN-Klimakonferenz in Madrid. Besonders kleine und arme Länder leiden einem Oxfam-Bericht zufolge unter den Folgen der Klimaentwicklungen.

Die Mittel, mit denen ärmste und am stärksten gefährdete Bevölkerungsgruppen der Welt unterstützt werden, müssen sich laut Oxfam an die sich verschärfenden Auswirkungen der Klimakrise anpassen. Außerdem müssten die Industrieländer raschere und weitreichendere Emissionssenkungen anstreben.

Die finanzielle Unterstützung armer Länder, die Verluste und Schäden durch den Klimawandel hinnehmen müssen, ist ein zentrales Thema der UN-Weltklimakonferenz (COP25).

Vorsitz an Chile übergeben, Bundesregierung noch nicht dabei

Diese läuft sei Montag in Madrid. Der Präsident des letztjährigen Treffens im polnischen Kattowitz, Michał Kurtyka, hatte zu Beginn den Vorsitz offiziell an die chilenische Regierung übergeben.

Kurtyka sagte, es habe sich viel geändert seit dem vergangen Jahr. „Die Welt kommt vielleicht noch nicht so schnell voran, wie wir das gern hätten“, sagte er. „Aber meine Hoffnung liegt vor allem auf den jungen Leuten. Sie haben den Mut, sich laut zu Wort zu melden und uns daran zu erinnern, dass wir diesen Planeten von unseren Eltern geerbt haben und ihn den künftigen Generationen weitergeben müssen“, sagte er mit Blick auf die globalen Klimaproteste der Bewegung Fridays for Future.

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Angereist sind unter anderem UN-Generalsekretär Antonio Guterres und der spanische Regierungschef Pedro Sánchez.

Den Vorsitz hat die chilenische Umweltministerin Carolina Schmidt, denn eigentlich hätten die zweiwöchigen Verhandlungen in Chile stattfinden sollen. Wegen der regierungskritischen Unruhen dort sprang Spanien als Gastgeber ein.

Die Bundesregierung war am Montag noch nicht dabei. Auf Ministerebene wird erst in der zweiten Woche verhandelt. Umweltministerin Svenja Schulze erklärte zum Auftakt, der internationale Klimaschutz trete in eine entscheidende Phase. Die Welt nehme Anlauf für mehr Klimaschutz. „Je länger wir warten, desto schwieriger und teurer wird es.“

In Madrid geht es darum, die für 2020 vorgesehenen ehrgeizigeren nationalen Klimaschutzpläne vorzubereiten, Allianzen zu bilden und das Zutrauen in die Machbarkeit von Klimaschutz zu stärken. Delegationen aus 196 Staaten sowie die EU und internationale Organisationen nehmen teil, das Ende ist für den 13. Dezember geplant.

RND/dpa

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