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„Der Tag“

Weizen gegen Sanktionsende: Putin zelebriert den Zynismus, Spanien führt „Nur ja heißt ja“-Gesetz ein

Weizenexport als Druckmittel: Russlands Präsident Wladimir Putin.

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

Kriege sind nahezu immer zynisch, allein schon, weil politische Ziele mit Menschenleben bezahlt werden. Russlands Präsident Wladimir Putin jedoch, so scheint es, erhebt den Zynismus zunehmend zur politischen Grundhaltung. In dieser Woche bot er an, die Ausfuhr von Getreide wieder in großem Stil aus der Ukraine auf den Weltmarkt ermöglichen zu wollen – allerdings nur, wenn der Westen im Gegenzug die Sanktionen gegen Russland beende. Russland und die Ukraine sind große Getreide­exporteure mit einer wichtigen Rolle für die Welternährung. Kiew wirft Russland vor, die Schwarzmeerhäfen zu blockieren und so die für die Welternährung wichtige Weizenausfuhr zu verhindern.

Die britische Außenministerin Liz Truss war geradezu erzürnt, als sie von dem Vorschlag hörte. Der russische Präsident versuche, die Welt in Geiselhaft zu nehmen, indem er eine Wiederaufnahme ukrainischer Getreidelieferungen mit einer Aufhebung von Sanktionen verknüpfe, sagte sie und fügte hinzu: „Er nutzt im Grunde Hunger und Nahrungsmittel­mangel unter den ärmsten Menschen der Welt als Waffe.“ Eine Aufhebung von Sanktionen sei ausgeschlossen, denn dies würde Putin langfristig stärken, sagte Truss am Freitag. Auch Olaf Scholz reagierte gestern auf dem Katholikentag in Stuttgart auf die drohende Ernährungskrise vor allem in Afrika. „Die Hungerkrise, die sein Krieg, den er angezettelt hat, auslöst, versucht er dann gleichzeitig denjenigen, die der Ukraine beistehen, in die Schuhe zu schieben.“

Auch in Cannes war der Krieg in der Ukraine omnipräsent. RND-Reporter Stefan Stosch hat sich das Filmfestival am Mittelmeer in den vergangenen Tagen angeschaut und beschreibt in seinem großen Report, wie die Glitzerwelt des Kinos und der roten Teppiche immer wieder von dem Krieg in der Ukraine eingeholt wird. Heute Abend vergibt die Jury um Vincent Lindon zum Abschluss des Filmfestivals die Goldene Palme.

„Nur ja heißt ja“

In Spanien wird das Sexualstrafrecht verschärft. Künftig gilt, ähnlich wie schon in Schweden, die „Nur ja heißt ja“-Regel, wenn es um sexuelle Kontakte geht. Alle Beteiligten müssen also vorm Sex ausdrücklich zustimmen. Sexuelle Übergriffe werden nach dem Inkrafttreten als Vergewaltigung betrachtet werden – egal ob das Opfer sich wehrt oder eine Handlung aus Angst geschehen lässt. Auf Vergewaltigung und sexuelle Gewalt werden dann bis zu 15 Jahre Haft stehen. Zudem werden unter anderem auch „einschüchternde“ Komplimente sowie die Verbreitung von Sexvideos unter Strafe gestellt.

Gleichstellungs­ministerin Irene Montero feierte die Billigung durch das Unterhaus und erklärte, es sei „ein entscheidender Schritt zur Veränderung der sexuellen Kultur“ Spaniens sowie zur Beendigung des „sexuellen Terrors“ und der „Vergewaltigungs­kultur“. „Die feministische Bewegung schreibt Geschichte in Spanien“, sagte sie. Zur Verabschiedung muss das vom Unterhaus beschlossene Gesetz noch vom Senat gebilligt werden, was aber als Formsache gilt.

 

Zitat des Tages

Wir sind noch lange nicht am Ziel.

Bärbel Bas,

Bundestags­präsidentin, zur Frage, ob knapp 40 Prozent Frauen unter den Parlamentariern ausreichend seien

 

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Lange Wartezeiten, verpasste und gestrichene Flüge, zurückgelassenes Gepäck: Die Luftfahrtbranche ist durch Personalmangel schon vor der Hochsaison am Limit. Wie sind die Aussichten für den Sommer?

Sinneswandel im Autofahrerclub: Der ADAC bietet ab dem 1. Juni auch eine Pannenhilfe für Fahrräder an. Hinter dem Schritt dürfte mehr stecken als nur die Suche nach einem neuen Geschäftszweig. Dass der Wandel gelingt, halten Fachleute derweil für zweifelhaft, erklärt RND-Autor Matthias Schwarzer.

 

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Vor 70 Jahren schloss die DDR die innerdeutsche Grenze – das Regime zwang als „feindliche, verdächtige, kriminelle Elemente“ bezeichnete Bürgerinnen und Bürger, ihre Wohnungen und Häuser im Grenzgebiet zu verlassen. Auch Ernst-Otto Schönemann, damals 20, war betroffen. Die „Märkische Allgemeine“ erzählt seine Geschichte (RND+).

 

Termine des Tages

Cannes: Abschluss der Filmfestspiele mit der Verleihung der Goldenen Palme. Die Veranstaltung beginnt um 20.30 Uhr.

Hildesheim: Auf der Tagung der CDA Deutschlands stehen Karl-Josef Laumann als Bundesvorsitzender sowie der Vorstand erneut zur Wahl. Die Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft Deutschlands ist der sozialpolitische Flügel der CDU.

 

Wer heute wichtig wird: Jürgen Klopp

Jürgen Klopp, Trainer des FC Liverpool, winkt vor dem Abflug vom John Lennon Airport. Seine Mannschaft wird beim Uefa-Champions-League-Finale in Paris am Samstag gegen Real Madrid antreten.

Jürgen Klopp, Trainer des FC Liverpool, winkt vor dem Abflug vom John Lennon Airport. Seine Mannschaft wird beim Uefa-Champions-League-Finale in Paris am Samstag gegen Real Madrid antreten.

Am Samstagabend will Jürgen Klopp den FC Liverpool zum zweiten Champions-League-Triumph seiner Amtszeit führen. Gegen Real Madrid kommt es in Paris zur Neuauflage des Endspiels von 2018. Damals verlor der deutsche Trainer mit seiner Mannschaft. In der Folge trieb er den Umbau der „Reds“ entschlossen voran. England-Korrespondent Hendrik Buchheister erklärt, wie Klopp ein Team schuf, das das Siegen gewohnt ist (RND+).

 

Der Podcast des Tages

Mit Marietta Slomka (ZDF) plaudern Steven Geyer und Andreas Niesmann über Nachtsitzungen und schlechte Verpflegung im Kanzleramt, über geheime Vorgespräche vor TV-Interviews, die Nähe zwischen Politikern und Journalisten und wachsende Angriffe auf die Demokratie. Weitere Themen: Nichtwählerinnen und Nichtwähler in NRW und Wahlchaos in Berlin, das widersprüchliche Entlastungspaket der Ampel und der ungewöhnlichste Weltwirtschafts­gipfel aller Zeiten.

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Wir wünschen Ihnen einen guten Start in den Tag,

Ihr Dirk Schmaler

 

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