Weiter geht’s – ganz ohne Autokraten

  • Autokratisch regierte Gesellschaften funktionierten effektiver und seien am Ende überlegen – sagen Autokraten.
  • Nach den Russen, den Türken und den Polen sind nun auch die Ungarn ausgeschieden.
  • Damit beginnt ein zweiter Teil der EM, in der sich niemand mehr über Regenbögen echauffiert – und in der es hoffentlich endlich um den Sport geht.
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

das war, sportlich gesehen, kein Fußballabend, an den man gern zurückdenkt: Deutschland hat sich gegen Ungarn mit Mühe und Not zu einem Unentschieden gezittert. Große Triumphe gehen anders.

„Grenzwertig“ sei teilweise gewesen, was die Deutschen geboten hätten, schimpfte Ewald Lienen bei „Markus Lanz“. Das spiegeln auch die Noten wieder, die unsere DFB-Reporter Heiko Ostendorp und Tobias Manzke an die DFB-Profis verteilt haben. Angesicht der schwachen Leistung, vergaben sie sogar dreimal die Sechs.

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Bei aller sachlichen und fachlichen Kritik an Jogi Löw und seinem Team aber liegt der entscheidende Punkt dieser Begegnung nicht in den Dreier- oder Viererketten, sondern in einem ganz anderen Feld, im Politischen. Deutschland ist weiter: Das ist mehr als nur eine gute Nachricht für die Nation. Darin liegt auch eine Hoffnung für alle liberalen Europäerinnen und Europäer.

Man muss nur mal kurz die theoretische Gegenprobe machen: Was wäre geschehen, wenn Ungarn gestern Abend gewonnen hätte? Für den rechtspopulistischen Premier Viktor Orbán und seine Freunde wäre es ein Geschenk gewesen, ein positiver emotionaler Schub, der vielleicht sogar bis in Ungarns Wahljahr 2022 hineingereicht hätte.

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Schöne neue Probleme in den USA

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Die USA sind uns mal wieder ein paar Schritte voraus – auch beim Weg hinaus aus der Corona-Krise. Dabei allerdings begegnen die Amerikanerinnen und Amerikaner schon wieder neuen Problemen: Weil alle Firmen, Läden und Restaurants gleichzeitig Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter suchen, ist das Personal plötzlich überall knapp.

Unser Washingtoner Korrespondent Karl Doemens war für seine heutige Reportage unter anderem an der Küste von New Jersey unterwegs. Dort hat er notiert: „,Help wanted‘, Hilfe gesucht, steht an fast jedem Laden in leuchtend roten Buchstaben.“

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Das Phänomen betrifft die gesamten USA. In Colorado ging das Benzin aus, weil Tanklaster nicht kamen – es mangelt an Fahrern. Auf den Hamptons, der exquisiten Sommerfrische vieler Menschen aus New York, finden sich keine Bademeister und Bademeisterinnen für die Beach-Clubs.

Der Kapitalismus aber findet meist einen Weg, solche Probleme zu lösen: mit Geld. Der Versender Amazon etwa setzt seinen konzernweiten Mindestlohn hoch, von bislang 15 Dollar auf bis zu 18 Dollar. Zwar ächzen viele Firmen unter höheren Personalkosten, auch steigt auf diese Art die Inflation. Doch gemessen an den Ängsten, die noch vor einem Jahr herrschten – unbeherrschbare Corona-Wellen plus Massen­arbeitslosigkeit – sind dies schöne neue Probleme.

Zitat des Tages

Wenn ich mir die Situation anschaue, kann keiner sagen, dass wir genug getan haben … Ich kann die Ungeduld der jungen Leute verstehen.

Angela Merkel, Bundeskanzlerin, zu der von ihr mitverantworteten Klimapolitik der zurückliegenden Jahre

Leseempfehlungen

Die Vorfreude auf den Urlaub ist groß, doch jetzt breitet sich die Delta-Variante des Coronavirus in beliebten Reiseländern aus. Welche Ziele in Europa betroffen sind und worauf Urlauberinnen und Urlauber achten müssen, erklärt Maike Geißler.

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Mit Realityshows hatten die Privatsender zuletzt wenig Glück. Jetzt startet „Die Alm“ auf Pro Sieben (heute, 20.25 Uhr), und der Sender und Teilnehmerinnen und Teilnehmer versichern: Diesmal soll alles besser werden. Matthias Schwarzer hat kritisch nachgefragt, unter anderem bei Kandidatin Magdalena Brzeska.

Aus unserem Netzwerk: Rätselhaftes Strandgut auf Wangerooge

Auf der Urlaubsinsel Wangerooge sind rätselhafte weiße Klumpen angespült worden, viele etwa doppelt so groß wie ein Golfball. Es ist nicht das erste Mal, und auch andere Nordseeinseln sind betroffen. Jetzt sollen die Klumpen analysiert werden, man tippt auf Wachs. Die Grünen im Niedersächsischen Landtag pochen auf ein Einleitverbot für Paraffine.

Termine des Tages

US-Außenminister Antony Blinken und sein deutscher Amtskollege Heiko Maas wollen heute Mittag am Denkmal für die ermordeten Juden Europas eine Vereinbarung zu einer engeren Zusammenarbeit der USA und Deutschlands unterschreiben.

Der Bundestag beschäftigt sich heute – nach einer Regierungs­erklärung von Bundeskanzlerin Angela Merkel zum bevorstehenden EU-Gipfel – unter anderem mit folgenden Themen: Amri-Untersuchungs­ausschuss, Bundeswehreinsätze im Kosovo und im Libanon, Mietspiegel-Reform, Corona-Hilfen für den Nahverkehr.

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Die Bundeswehr verlegt heute Eurofighter zur Luftraum­überwachung an der Südflanke der Nato nach Rumänien. Die Bundeswehr arbeitet in Rumänien zusammen mit dem Nato-Partner Großbritannien.

Wer heute wichtig wird

Beim heutigen EU-Gipfel der Staats- und Regierungschefs wollen Kommissions­präsidentin Ursula von der Leyen und Ratspräsident Charles Michel eine Zwischenbilanz der gemeinsamen Corona-Politik ziehen. Inzwischen sehen Zahlen und Tendenzen schon sehr viel besser aus als in der holprigen Startphase: Die Mehrheit aller EU-Bürgerinnen und ‑Bürger hat bereits mindestens eine Dosis abbekommen. Beim heutigen Gipfel wird es auch darum gehen, aus den zurückliegenden Schwierigkeiten Lehren zu ziehen für kommende Krisen. © Quelle: imago images/Xinhua

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Ihr Matthias Koch

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