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  • Weibliche Genitalverstümmelung: Müller fordert mehr Engagement - "schwere Menschenrechtsverletzung"

Müller fordert mehr Engagement gegen weibliche Genitalverstümmelung

  • Bundesentwicklungsminister Gerd Müller findet vor dem Internationalen Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung klare Worte.
  • Es handele sich dabei um eine „schwere Menschenrechtsverletzung“, die gestoppt werden müsse.
  • Die Corona-Pandemie habe die Situation noch verschärft.
Lilly von Consbruch
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Berlin. Vor dem Internationalen Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung am Samstag hat Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) zu stärkeren Anstrengungen im Kampf gegen das grausame Ritual aufgerufen. „Wir müssen diese frauenverachtende Praxis stoppen. Das ist eine schwere Menschenrechtsverletzung mit lebenslangen schwerwiegenden körperlichen und psychischen Folgen für die betroffenen Mädchen und Frauen. Sie kann zu Unfruchtbarkeit, Komplikationen bei der Geburt und schweren Depressionen bis hin zum Tod führen“, sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Weltweit sind über 200 Millionen Frauen von weiblicher Genitalverstümmelung betroffen, drei Millionen Mädchen sind von ihr bedroht. Weibliche Genitalverstümmelung ist in etwa 30 afrikanischen Ländern besonders südlich der Sahara, in arabischen Ländern wie dem Oman und dem Jemen sowie im asiatischen Raum wie in Indonesien und Malaysia verbreitet. Auch in Deutschland ist die Praxis, bei der die äußeren Genitalien teilweise oder ganz entfernt werden, ein Problem. Schätzungen zufolge lebten 2020 über 67.000 Frauen in Deutschland, die beschnitten wurden.

„Das wird in Deutschland strafrechtlich verfolgt“, sagte Müller. „Viele der Mädchen und Frauen werden aber weiterhin bei Besuchen in ihren Herkunftsländern verstümmelt.“ Um diesem Vorgehen in Zukunft Einhalt zu gebieten, hatte Bundesfamilienministerin Franziska Giffey am Freitag in Berlin einen Schutzbrief gegen weibliche Genitalverstümmelung vorgestellt.

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Corona-Pandemie hat Problem noch verschärft

Der Kampf gegen die Praxis ging für Bundesentwicklungsminister Gerd Müller schon vor der Corona-Krise „viel zu langsam voran“. Darüber hinaus habe sich die Situation durch die Corona-Pandemie noch zugespitzt: „Die Lockdowns verhindern wichtige Aufklärungsarbeit. Hinzu kommt eine dramatische Hunger- und Wirtschaftskrise: Eine Folge ist, dass Mädchen aufgrund von Armut vermehrt in Zwangs- oder Kinderehen gedrängt werden.“

Nach Schätzungen der Vereinten Nationen könnten aufgrund der Corona-Krise bis zu 13 Millionen zusätzliche Kinder- und Zwangsehen bis 2030 geschlossen werden. Mit dem weltweiten Corona-Sofortprogramm setze die Bundesregierung dort an und unterstütze Familien in Krisen- und Konfliktgebieten mit Ernährungssicherung.

„Und wir bauen unser Engagement gegen diese grausame Form von Gewalt gegen Frauen weiter aus“, betonte Müller. Er habe im vergangenen Jahr mehrere Gemeinden im Sudan besucht, die gemeinsam beschlossen, die Genitalverstümmelung zu beenden.

Dabei hängen der soziale Status und die Ehre der Familie in einigen Kulturen von der Beschneidung der weiblichen Mitglieder ab. „Diese Frauen sind Vorbild. Denn es erfordert großen Mut, sich gegen tief verwurzelte Traditionen zu stellen“, sagte der Minister.

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