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Wegen ihres neuen Buches: Parteispitze der Linken distanziert sich von Wagenknecht

  • Sahra Wagenknecht sorgt mit ihrem neuen Buch in Teilen der Linken wieder für Verdruss.
  • Die seit Kurzem amtierenden Parteichefinnen Janine Wissler und Susanne Hennig-Wellsow teilen diesen offenbar.
  • In der Wortwahl halten sie sich allerdings zurück.
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Berlin. Die neuen Vorsitzenden der Linken, Janine Wissler und Susanne Hennig-Wellsow, haben sich angesichts des neuen Buches der ehemaligen Fraktionsvorsitzenden Sahra Wagenknecht klar von ihr distanziert, ohne sie zu offen anzugreifen.

„Für uns gehört der Kampf für soziale Gerechtigkeit, gegen Rassismus, gegen alle Formen der Ausgrenzung zusammen“, sagte Wissler am Montag. „Solidarität ist unteilbar für uns.“ Jeder, der für die Linke kandidiere, müsse die Programmatik der Partei vertreten können. Hennig-Wellsow erklärte, Ziel der Linken sei, Menschen Geborgenheit und Halt zu geben, man wolle „nicht weiter spalten“.

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Auf die Frage, ob Wagenknecht Teil eines Spitzenteams für die Bundestagswahl sein solle, wie es Linken-Fraktionsgeschäftsführer Jan Korte gefordert hatte, antwortete Wissler: „Sahra Wagenknecht hat ja gesagt, dass sie sich sehr stark auf den Wahlkampf in Nordrhein-Westfalen konzentrieren möchte.“ Von daher sei „ihr Platz in Nordrhein-Westfalen“.

Wagenknecht hat ein neues Buch geschrieben mit dem Titel „Die Selbstgerechten. Mein Gegenprogramm – für Gemeinsinn und Zusammenhalt“. Es erscheint offiziell am Mittwoch. Allerdings sickerten Inhalte bereits vorher durch.

Schweigen der Fraktionsspitze

So beklagt die 51-Jährige, dass Linke sich gegen die Diskriminierung von Migranten oder sexuellen Minderheiten wendeten, statt für sozial Schwache zu kämpfen. Für sinkende Löhne macht sie Migration verantwortlich. Auch wendet sich Wagenknecht gegen Klimaaktivisten wie Fridays for Future und schreibt über den ehemaligen Vorsitzenden Bernd Riexinger, dieser sei eigentlich schon vergessen.

Daraufhin wurden parteiintern einmal mehr Unmutsäußerungen in Richtung Wagenknecht laut, gegen die sie sich wiederum verwahrte. Mit „aus dem Zusammenhang gerissenen, teils verfälschten Zitaten“ werde „ein völlig verzerrtes Bild vom Inhalt meines Buches“ vermittelt, sagte Wagenknecht.

Trotz des Buches wurde sie am Wochenende erneut auf Platz eins der Landesliste Nordrhein-Westfalen für die Bundestagswahl gewählt – allerdings nur mit 61 Prozent der Stimmen und zwei Gegenkandidatinnen, von denen eine, eine junge Klimaaktivistin, scharfe Kritik an Wagenknecht übte, die eigentlich im Saarland lebt und an Rhein und Ruhr ebenfalls umstritten ist.

Linken-Bundesgeschäftsführer Jörg Schindler hatte Wagenknecht am Freitag noch anders als Wissler und Hennig-Wellsow frontal attackiert. Es sei nicht zielführend, „Menschen, die sich gemeinsam mit uns für eine bessere Gesellschaft einsetzen, Vorwürfe zu machen und sie so vor den Kopf zu stoßen“, sagte er. Die Fraktionsvorsitzenden Amira Mohamed Ali und Dietmar Bartsch halten sich unterdessen mit Bewertungen zurück.

Um Wagenknecht gibt es seit Jahren heftige Auseinandersetzungen, die sowohl inhaltlicher als auch machtpolitischer Natur sind. Im Zentrum stehen dabei immer wieder ihre Haltungen zu Fragen des Nationalstaates und der Migration, die von weiten Teilen der Partei abgelehnt werden. Diese Haltung hat Wagenknecht in ihrem neuen Buch noch einmal deutlich zugespitzt.

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