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Trotz neuem Gesetz: Fachkräfteeinwanderung liegt wegen Corona auf Eis

In der Pflege besteht nach wie vor hoher Fachkräfte-Bedarf.

Frankfurt a.M.Die Anwerbung von Fachkräften aus dem Nicht-EU-Ausland ist nach Einschätzung der Migrationsexpertin Bettina Offer in der Corona-Krise nahezu zum Erliegen gekommen. "Die Fachkräfteeinwanderung liegt gerade auf Eis", sagte Offer dem Evangelischen Pressedienst (epd).

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Zwar könnten Firmen aus unaufschiebbaren Gründen versuchen, Fachkräfte etwa aus Indien oder Mexiko nach Deutschland zu holen. Die Behörden würden die Unternehmen dabei auch unterstützen. “Oft scheitert es aber daran, dass die Leute schlicht kein Flugzeug bekommen oder die Grenzen geschlossen sind”, sagte die Frankfurter Juristin.

Facharbeiter beim Neustart benötigt

Dreh- und Angelpunkt für immigrationswillige Fachkräfte sind Offer zufolge die deutschen Auslandsvertretungen, die die Einreisevisa erteilen. Die Botschaften, Konsulate und andere Vertretungen seien aber zwischen März und Juni vielfach von den Pandemierestriktionen betroffen gewesen.

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"Das ist tragisch, denn gerade jetzt brauchen viele Branchen dringend Facharbeiter, um die Wirtschaft beim Neustart zu unterstützen", sagte Offer, die Unternehmen beim Fachkräftezuzug berät. Zwar rechnet sie damit, dass mit den Lockerungen seit Anfang Juli mehr Fachkräfte ins Land kommen werden. "Es braucht aber etwas Zeit, bis das System wieder anfährt", sagte sie. Und die Gefahr neuer Corona-Einschränkungen bleibe weltweit bestehen: "Wenn Länder in den Lockdown gehen, ist keine Bewegung möglich."

Deutschland will mehr ausländische Fachkräfte anlocken

Ein Mangel an qualifizierten Mitarbeitern wird für viele Unternehmen langsam gefährlich. Ein neues Gesetz soll nun Abhilfe schaffen.

Einwanderungsgesetz für Fachkräfte bislang wirkungslos

Das seit 1. März 2020 geltende Fachkräfteeinwanderungsgesetz will die Zuwanderung von Fachkräften aus Nicht-EU-Ländern erhöhen. Künftig sollte es auch mit einer Berufsausbildung möglich sein, in Deutschland eine Arbeit aufzunehmen. Bisher galt das mit Ausnahmen nur für Akademiker. Voraussetzung sind die Anerkennung des Berufsabschlusses und deutsche Sprachkenntnisse. Auch eine befristete Einreise zur Arbeitssuche ist nun möglich.

Nach Einschätzung des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration ist das Gesetz aber bislang weitgehend wirkungslos geblieben. Das liege nicht am Gesetz, sondern an den Auswirkungen der weltweiten Corona-Krise, sagte der stellvertretende Geschäftsführer des Sachverständigenrats, Holger Kolb, dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Bedarf akut im Gesundheitswesen

Vor allem die Nachfrage deutscher Unternehmen nach Fachkräften hat ihm zufolge deutlich nachgelassen. "Die Konjunktur steuert mindestens ebenso stark wie das Gesetz die Fachkräfte-Einwanderung", sagte Kolb. Das zeige sich deutlich an der Automobilbranche. Vor Corona seien Personalabbau und Kurzarbeit bei den Autobauern nicht denkbar gewesen. Jetzt sei die Nachfrage nach Automobilingenieuren eingebrochen.

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Ein "strukturelles Grundbedürfnis" nach Fachkräften gibt es für Kolb weiterhin im staatlich regulierten Gesundheitssektor und damit bei den Heil- und Pflegeberufen. Durch Corona habe sich sogar die Nachfrage nach Fachkräften in diesem Bereich verstärkt.

Langfristig sieht Kolb die Nachfrage nach Fachkräften aus dem Nicht-EU-Ausland aber auch in den anderen Branchen wieder steigen, “wenn sich die wirtschaftliche Lage erholt hat”. Dann sollten die Beteiligten unabhängig von Corona über die Stärken und Schwächen des Gesetzes beraten.

Bei Inkrafttreten des Fachkräftezuwanderungsgesetzes war kritisiert worden, dass an der Pflicht zur Anerkennung von im Ausland erbrachten Berufsausbildungen und -qualifikationen in Deutschland grundsätzlich festgehalten wurde.

Visastellen aber weiterhin eingeschränkt

Von April bis Juni dieses Jahres erhielten 2.353 Fachkräfte aus dem Ausland ein Visum für die Einreise nach Deutschland, wie der Evangelische Pressedienst (epd) aus dem Auswärtigen Amt erfuhr.

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Wie viele Fachkräfte mit Visa tatsächlich nach Deutschland gekommen sind, ist unklar. Erst seit einem Beschluss des Bundeskabinetts vom 1. Juli können unter anderem auch Fachkräfte mit einem konkreten Arbeitsplatzangebot wieder einreisen.

Ob und wann allerdings weitere Antragsteller tatsächlich ein Visum erhalten, ist von der Situation vor Ort abhängig. Aufgrund von Reisebeschränkungen, Ausgangssperren und sonstigen Einschränkungen des öffentlichen Lebens in den Herkunftsländern könnten die Visastellen an einigen deutschen Auslandsvertretungen auch weiterhin nur eingeschränkt oder im Notbetrieb arbeiten, hieß es.

RND/epd

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