• Startseite
  • Politik
  • WDR löschte kritischen Radiobeitrag über Laschet - Sender wehrt sich

WDR löschte kritischen Radiobeitrag über Laschet - Sender wehrt sich

  • Der „Spiegel“ wirft dem WDR vor, 2019 einen kritischen Radiobeitrag über den NRW-Ministerpräsidenten Armin Laschet kurz nach der Veröffentlichung wieder gelöscht zu haben.
  • In dem Beitrag ging es um heimlich aufgenommene Aussagen Laschets über die Räumung des Hambacher Forsts im Jahr 2018.
  • Der Sender selbst weist den Bericht als unwahr zurück.
Anzeige
Anzeige

Hamburg/Köln. Der „Spiegel“ berichtet, dass es beim Westdeutschen Rundfunk (WDR) Unmut über einen gelöschten Radiobeitrag über den NRW-Ministerpräsidenten Armin Laschet geben soll. Der Beitrag sei nach Angaben des WDR angeblich wegen journalistischer Mängel gelöscht worden. Die Entscheidung sorgte laut dem Bericht jedoch für heftige hausinterne Kritik.

Der WDR selbst weist die Berichterstattung allerdings als „unwahr“ und „tendenziös“ in einer Mitteilung, die mit dem Titel „So verhält es sich wirklich“ überschrieben ist, zurück.

Der Radiobeitrag ­thematisierte laut „Spiegel“ ein heimlich aufgenommenes Video des aufgebrachten Ministerpräsidenten Laschet, der darin sagt, die Räumung des Hambacher Forsts 2018 für das RWE-Braunkohlegebiet unter ­„einem Vorwand“ veranlasst zu haben. Bis dahin hatte die Landesregierung den Brandschutz als Räumungsgrund genannt. Nicht öffentlich getätigte Aufnahmen dürfen in der Regel nicht ohne Einverständnis mitgeschnitten und veröffentlicht werden.

Anzeige

Nach Informationen des „Spiegels“ sieht der ­WDR-interne Schlichtungsausschuss in seinem Abschlussbericht den Radiobeitrag über das Video jedoch als „journalistisch einwandfrei“ an. Er wurde demnach trotzdem im September 2019 nach wenigen Stunden aus dem Netz genommen; eine Rolle spielte dabei offenbar auch WDR-Programmdirektor Jörg Schönenborn, wie eine interne Mail laut dem „Spiegel“-Bericht nahelegt.

WDR: Kein driftiger Grund für Veröffentlichung

Der WDR sagt in seiner Mitteilung wiederum, das Video habe bereits im Netz zirkuliert und sei an „mehreren Stellen bekannt“ gewesen, daher habe die Aussage (“Ich brauche einen Vorwand“) schon keinen Neuigkeitswert mehr gehabt. Dies hätte der Sender und auch andere schon längst berichtet gehabt.

Man habe daher keine Ausschnitte „eines offenbar verdeckt mitgeschnitten Videos“ veröffentlichen müssen, „um das noch zu beweisen“. Für die Verwendung solchen Materials brauche es einen triftigen Grund - „und den hatten wir nicht“. Laut „Spiegel“ hatte aber der hausinterne Justiziar des WDR geurteilt, das Informationsinteresse könne es rechtfertigen, die Äußerung Laschets zu publizieren.

Fehlende Distanz zur Landesregierung?

Der „Spiegel“ berichtete weiter, es gebe schon länger Unmut innerhalb der Redaktion – Redakteure kritisierten die mangelnde Distanz zwischen dem Sender und der Landes­regierung. Der Hamburger Journalistikprofessor Volker Lilienthal sagte dem „Spiegel“: „Landes­rundfunkanstalt und Landesregierung haben sich gut eingerichtet und arrangiert.“ In dieser harmonischen Beziehung würden Journalisten wie der Autor des Beitrags offenbar als „Störenfriede“ wahrgenommen.

RND/feh/das

  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen